„Die Siedler von Catan“, „Cultures“, „Panzer General Online“: Diese Computerspiele brachte der Schermbecker Thomas Friedmann auf den Markt. Jetzt will er die Fitnessstudios erobern.

Schermbeck

, 21.08.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Fitnessfahrrad steht bei Thomas Friedmann im Büro. Der 51-jährige Schermbecker ist sportbegeistert, spielt Badminton, trainiert eine Handballmannschaft und geht ins Fitnessstudio. „Cardio fand ich aber immer langweilig“, erzählt er. Doch das soll sich in Zukunft ändern. Denn mit einer innovativen Idee will Thomas Friedmann Spiel und Spaß in Fitnessstudios bringen.

Auf einem Tablet zeigt der Schermbecker Spieleentwickler, woran er gerade arbeitet. Eine bunte Fantasiewelt erscheint und eine animierte Figur fährt mit einem Rad eine Strecke entlang, auf der Goldmünzen eingesammelt werden. „Ziel ist es, im richtigen Tempo zu fahren“, erklärt Thomas Friedmann. Wenn man schneller in die Pedale tritt, wird die Figur auch schneller. Geht es im Spiel bergauf, so wird für den echten Radfahrer das Treten schwerer.

Marktlücke gefunden?

Die Idee, ein virtuelles Spiel mit einem realen Erlebnis zu verbinden, hat Thomas Friedmann schon vor einigen Jahren. „So etwas gibt es noch nicht“, erzählt er. Der Unternehmer ist sicher, damit eine Marktlücke gefunden zu haben und steckt momentan alle Energie und Zeit in das Projekt. „Die Spielebranche hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Alles ist viel schnelllebiger und man muss rechtzeitig Trends erkennen“, erklärt er.

Thomas Friedmann erinnert sich noch an Zeiten, da war der C64 der neueste Stand der Technik. Als Jugendlicher spielt er „Donkey Kong“ oder „Rambo“. Doch der gebürtige Bade will nicht nur spielen, sondern auch wissen, wie diese Spiele funktionieren. Durch Bücher und Zeitschriften eignet er sich das nötige Wissen an. Denn irgendwann, so ist sein Plan, will er seine eigenen Spiele entwickeln.

Erstes Spielkonzept

Nach dem Abitur 1987 schreibt Thomas Friedmann sein erstes Spielkonzept. „Das war ein ‚Jump‘ n’ Run-Spiel‘, bei dem ein Prinz eine Prinzessin retten muss“, erzählt der 51-Jährige. Nach der Schule geht er zur Bundeswehr, wo er wichtige Kontakte in die Branche knüpfen kann. Er zeigt sein Spielkonzept der gerade gegründeten Firma Blue Byte aus Mülheim an der Ruhr. Diese ist so begeistert, dass sie das Spiel abkaufen und entwickeln möchten.

Nach seinem Diplom in Wirtschaftsinformatik an der FH Karlsruhe kommt Thomas Friedmann 1994 als Projektleiter zu Blue Byte. Er ist verantwortlich für Spiele wie „Dr. Drago’s Madcap Chase“ oder „Extreme Assault“. „Ich habe dort quasi mein Hobby zum Beruf gemacht“, berichtet er.

„Die Siedler von Catan“

Bei Blue Byte lernt er Thomas Häuser und Thorsten Kneisel kennen, mit denen er 1998 die eigene Firma Funatics in Mülheim gründet. Auch heute, mehr als 20 Jahre später, arbeiten die drei noch zusammen. Als erstes großes Projekt wird der Brettspielklassiker „Die Siedler von Catan“ als Computerspiel realisiert. Es folgt die siebenteilige „Cultures“-Reihe, deren erster Teil im September 2000 veröffentlicht wird und die sich weltweit über 700.000 Mal verkauft. Das Team wächst schnell und zahlreiche Spiele werden entwickelt.

„Ich wollte raus ins Grüne“

Privat geht es vor zwölf Jahren für Thomas Friedmann, seiner Frau und den Kindern nach Schermbeck. „Ich wollte raus ins Grüne“, erzählt er. Über Google Earth beginnt er zu recherchieren. In einem Umkreis von einer halben Stunde Fahrtzeit zur Firma sucht er nach einem kleinen Ort, der von oben nicht konstruiert aussieht, sondern natürlich gewachsen ist, viel Natur zu bieten hat, aber auch eine gute Anbindung.

„Schermbeck und Hünxe blieben da übrig“, erzählt Thomas Friedmann. Er schaut sich beide Orte an - und verliebt sich auf den ersten Blick in Schermbeck. Der Umzug in die Gemeinde ist der richtige Schritt. Denn auch heute noch fühlt er sich hier total wohl und hat in Schermbeck Wurzeln geschlagen.

Von der Idee zum Computerspiel

Etwa ein bis zwei Jahre vergehen von der Idee bis zur Realisierung eines Computerspiels in der Regel. „Ein Spieleentwickler arbeitet wie ein Komponist“, erklärt Thomas Friedmann. „Man denkt sich was, probiert es aus, verwirft die Idee wieder, verändert Teile und entwickelt diese weiter.“ Es ist vor allem die große Abwechslung, die dem Unternehmer besonders viel Spaß macht. Trends kommen und gehen und darum muss sich die Firma auch immer verändern.

Wie ab 2009, als Funatics damit beginnt, primär Onlinespiele zu entwickeln. So entstanden Games wie „Cultures Online“, „Ufo Online“ oder „Panzer General Online“. Eine Zäsur in der Unternehmensgeschichte ist das Jahr 2016. Da wechselt das gesamte Team von Funatics zu InnoGames nach Düsseldorf, um dort bei der Entwicklung von Mobile Games zu helfen. Doch bereits zwei Jahre später macht InnoGames das Düsseldorfer Studio zu. Und Thomas Friedmann, Thomas Häuser und Thorsten Kneisel beginnen einen Neustart mit Funatics.

Neustart am Oberhausener CentrO

Es geht in ein Büro am Oberhausener CentrO. Zu dritt beginnen sie hier neue Projekte zu entwickeln. Die Idee mit den Spielen für die Fitnessbranche wird realisiert. Und das Unternehmen soll, wenn alles gut läuft, in den nächsten Jahren wieder auf die alte Mitarbeitergröße von 30 bis 40 Angestellten wachsen.

Thomas Friedmann ist überzeugt, dass das neue Konzept aufgehen wird. Eine Zusammenarbeit mit dem Injoy Dorsten ist schon unter Dach und Fach. Hier sollen ab nächstem Jahr die Fitnessspiele das normale Training unterhaltsamer gestalten. Und dann hofft er, damit einen neuen Trend loszutreten, so dass die Langeweile beim Cardio bald der Vergangenheit angehört.

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