Schermbecker forderte von 13-Jähriger Nacktfotos per WhatsApp

dzSexueller Missbrauch

Ein Schermbecker hat über rund zwei Monate junge Mädchen aufgefordert, ihm Nacktbilder von sich per WhatsApp zu schicken. Eine 13-Jährige gab seinem Drängen nach.

Schermbeck

, 06.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwischen dem 17. August und dem 12. Oktober 2017 forderte der heute 19-Jährige, der damals in Dorsten lebte, per Smartphone immer wieder Mädchen auf, Nacktbilder von sich zu schicken. Eine damals 13-Jährige ging darauf ein und schickte ein Bild von sich in einer sexuellen Pose. Dem damals 17-Jährigen war das nicht genug: Er forderte das Mädchen auf, sich eine Gurke einzuführen und ihm auch davon ein Bild zu schicken. Dies verweigerte das Mädchen.

Für die Staatsanwältin und die Richterin am Amtsgericht Wesel, wo der 19-Jährige sich am Dienstag verantworten musste, stand fest, dass dies den Tatbestand des sexuellen Missbrauchs an Kindern erfüllte.

Wie eine Lappalie wirkte dagegen war der Vorwurf, dem der Schermbecker sich wie auch ein zweiter Angeklagter stellen mussten: Im Juni 2019 wurden beide erwischt, wie sie die Blumenkübel vor dem Schermbecker Rathaus umwarfen - 300 Euro Sachschaden. Der zweite Angeklagte erschien nicht zur Gerichtsverhandlung und wird auf Antrag der Staatsanwaltschaft am 23. Juni polizeilich am Gericht vorgeführt.

Die Blumenkübel vor dem Rathaus hatte der Angeklagte mit einem Bekannten umgestoßen. Das bedeutete nicht nur Arbeit für den Bauhof, sondern auch einen Sachschaden von 300 Euro.

Die Blumenkübel vor dem Rathaus hatte der Angeklagte mit einem Bekannten umgestoßen. Das bedeutete nicht nur Arbeit für den Bauhof, sondern auch einen Sachschaden von 300 Euro. © Gemeinde Schermbeck

Der 19-Jährige gestand beide Taten - und ersparte damit vor allem dem minderjährigen Opfer des sexuellen Missbrauchs eine Zeugenaussage. Auf Nachfrage der Staatsanwältin räumte der Angeklagte auch ein, dass er das Nacktbild der damals 13-Jährigen an eine Cousine weitergeschickt habe. Ein Leugnen wäre wohl auch vergebens gewesen, denn die Ermittlungsarbeiten hatten eine laut Richterin „riesige Akte“ produziert - auch das Handy des Angeklagten war ausgewertet worden.

Mehrfach vorbestraft

Die Taten waren damit geklärt - die Frage zu beantworten, wie dies nun zu bestrafen sei, dauerte länger. Seitens der Jugendhilfe konnte die Vertreterin keine positiven Impulse für den Angeklagten setzen, der bereits mehrfach wegen Sachbeschädigung, aber auch wegen Hausfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung verurteilt wurde. Die Strafen seien nur per Arresten und Beugehaft durchzusetzen gewesen.

Höchst problematische Familienverhältnisse attestierte die Jugendhelferin dem 19-Jährigen. Der leibliche Vater sei drogenabhängig gewesen, mittlerweile gebe es keinen Kontakt mehr zu ihm - „er scheint keinen festen Wohnsitz zu haben“. Derzeit lebt der Schermbecker bei seinem Stiefvater und seiner Mutter, „von dem, was ich ihm gebe“, wie die Mutter aussagte.

Alle Hilfen waren vergebens

Schon mit zwei Jahren sei der Angeklagte in eine Pflegefamilie gegeben worden, später zur Mutter zurückgekehrt, so die Jugendhelferin. Auf der Schule für Lernbehinderte schaffte der Sohn keinen Abschluss. Per Familienhelferin, Tagespflege, Wohngruppen, Berufsfördermaßnahmen habe man immer wieder versucht, positiv auf ihn einzuwirken, so die Jugendhelferin, die offensichtlich mit ihrem Latein am Ende war. „Er hat keine Tagesstruktur, ist viel in Schermbeck unterwegs, viel mit Leuten, die nicht viel positive Beschäftigung haben.“

Die Jugendhelferin verschwieg auch nicht, dass gegen den Angeklagten weiter ermittelt werde, „ob er nicht für weitere Sachen verantwortlich ist“. „Unruhig“ sei es in Schermbeck gewesen, sagte sie, und meinte damit wohl eine Reihe von Sachbeschädigungen.

„Keine positive Prognose“

Der Angeklagte habe angeboten, beim Bauhof mitzuhelfen - das sei aber aus mehreren Gründen nicht angenommen worden, „auch wegen des Rufs, den er sich erarbeitet hat“. Ihr Fazit: „Ich sehe ehrlich gesagt überhaupt keine positive Prognose. Ich weiß nicht, mit welchen pädagogischen Maßnahmen man ihn noch erreichen kann.“ Sogar schädliche Neigungen sehe sie bei ihm.

Die Richterin nahm den Angeklagten anschließend ins Gebet: „Ich frage mich, wie es in Ihrem Leben weitergehen soll.“ Allein die Sache mit dem Umwerfen der Blumenkübel: „Da muss man oben schon völlig ausgeschaltet sein, um dabei Vergnügen zu empfinden.“ Ob der Schermbecker für weitere ihm zur Last gelegte Taten verantwortlich sei, müssten die Ermittlungen ergeben. „Sie müssen begreifen, dass sich was in Ihrem Leben ändern muss.“

„Vielleicht auch ein bisschen pervers“

„Tief abgerutscht“ sei er in seinen „Dorstener Zeiten“ gewesen, sagte der Schermbecker. Wie man darauf komme, fremden Mädchen, teilweise erst 13 Jahre alt, zu Bilder mit sexuellen Posen zu verleiten, wollte die Richterin von ihm wissen. Das sei „vielleicht auch ein bisschen pervers - vielleicht sollten Sie mal zu einem Arzt gehen“, so die Richterin. „Überlegen Sie mal, wie die Mädchen sich gefühlt haben müssen!“ Diese seien vielleicht auch ein bisschen labil gewesen: „Das sind Opfer!“

Die Staatsanwältin forderte vier Wochen Arrest für den 19-Jährigen. „Bei Erwachsenen steht auf sexuellen Missbrauch von Kindern eine Freiheitsstrafe von mindestens drei Monaten bis rauf zu fünf Jahren.“ Zugute halte sie dem Angeklagten, dass er geständig gewesen sei. Auch sei seit der Tat schon einige Zeit vergangen.

„Kriegen Sie die Kurve!“

Der Angeklagte, der zusammengekauert auf seinem Stuhl saß, verzichtete auf weitere Einlassungen. Als die Richterin sich im Urteil der Forderung der Staatsanwältin anschloss, appellierte sie an ihn: „Wenn Sie so weitermachen, kommen Sie ins Gefängnis. Kriegen Sie die Kurve, raffen Sie sich auf!“ Der Angeklagte zeigte hingegen erneut mangelnde Reife: Er verließ wortlos den Saal, obwohl er von der Richterin aufgefordert wurde zu bleiben. So durfte sich seine Mutter die Rechtsmittelbegründung anhören.

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