Bei einer Explosion am Sikh-Gebetshaus in Essen wurden vor fünf Jahren drei Menschen verletzt. Ein damals 16-jähriger Schermbecker war mitverantwortlich für den Anschlag. © picture alliance / dpa
Bomben

Schermbecker (21) fünf Jahre nach Bombenanschlag wieder auf freiem Fuß

Vor fünf Jahren explodierte vor dem Essener Sikh-Tempel ein selbst gebauter Sprengsatz. Einer der Täter: ein damals 16-jähriger Schermbecker. Mittlerweile ist er wieder auf freiem Fuß.

Die Bombe war ein umgebauter Feuerlöscher, die Sprengstoff-Chemikalien hatten die Täter im Internet bestellt. Beim Anschlag am 16. April 2016 erlitt ein Sikh-Priester Brandverletzungen und einen offenen Bruch am Fuß. Seitdem kann er seinen Beruf nicht mehr ausüben. Zwei Gemeindeglieder kamen mit Schnittverletzungen davon. Erst kurz vorher war in dem Saal eine Hochzeit mit vielen Gästen gefeiert worden.

Verantwortlich für die Tat waren drei damals erst 16 Jahre alte Jugendliche aus Gelsenkirchen, Essen und Schermbeck. Vor der Tat sollen sie sich als Muslime monatelang radikalisiert haben, stellte das Landgericht Essen im Strafprozess elf Monate später fest. Am Motiv hatten die Richter keinen Zweifel: „Religiöser Fanatismus“.

Die drei hätten vorher intensiven Kontakt in die salafistische Szene aufgebaut. Schließlich habe „Hass auf andere Religionen“ sie dazu gebracht, den Anschlag zu verüben. „Die Angeklagten haben sich selbst verstanden als gläubige Muslime und in ihrer Vorstellungswelt die Vorstellung gebildet, dass sie jetzt nun Ungläubige angreifen und möglicherweise sogar töten müssen“, sagte damals ein Gerichtssprecher.

Chemikalien im Internet bestellt

Die Chemikalien hatten die Jugendlichen aus Essen und Gelsenkirchen im Internet bestellt. Am Tattag sollen sie sie in einen leeren Feuerlöscher gefüllt haben. Diese Bombe ließen zwei Jugendliche dann vor einer Tempeltür per Fernzündung explodieren.

Das Gericht verurteilte sie zu rund sieben Jahren Jugendstrafe wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung. Der Jugendliche aus Schermbeck bekam wegen Verabredung zum Mord sechs Jahre. Er soll an Planung und Vorbereitung der Tat beteiligt gewesen sein.

Mohinder Nagpal (2.v.r), zweiter Vorsitzender der Sikh-Gemeinde Essen, steht vor der reparierten Fassade des Sikhs Gebetshauses. Der Terroranschlags auf das Gebetshaus jährt sich zum fünften Mal. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Mittlerweile sind alle drei 21 Jahre alt. Der Jugendliche aus Schermbeck ist laut Staatsanwaltschaft Essen auf freiem Fuß, der Rest der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Ihm sei vom zuständigen Amtsgericht eine günstige Prognose ausgestellt worden, erklärt Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens. Eine Aussetzung zur Bewährung wird auch bei den beiden anderen geprüft.

„Ein bisschen Angst haben wir noch“

Fünf Jahre sind seit dem Anschlag vergangen. „Ein bisschen Angst haben wir noch“, sagt Mohinder Singh Nagpal, zweiter Vorsitzender des Trägervereins der Sikh-Gemeinde. „100 Kinder waren damals da. Sie haben alles mitgekriegt.“

Man sei vorsichtiger geworden, sagt Nagpal. So gebe es jetzt Überwachungskameras. Hätten Fremde früher das Gelände einfach so betreten können, wolle man heute von Unbekannten wissen, wer sie seien. Eine besondere Gedenkveranstaltung plant die Gemeinde nicht. Zur Tatzeit am Abend gibt es ein Gebet – wie an jedem anderen Abend auch.

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