Schermbeck sucht ab sofort Bauherren für Baugrund am Borgskamp - junge Familien bevorzugt

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Schermbeck hat riesigen Nachholbedarf: Die Gemeinde wird in den kommenden Jahren kräftig Gas geben beim Wohnungsbau. Das kommt jungen Menschen entgegen - aber auch älteren Schermbeckern.

Schermbeck

, 17.10.2018 / Lesedauer: 3 min

Die Landesbausparkasse (LBS) hat Schermbeck nach Auswertung von Datenmaterial von IT NRW bescheinigt, dass die Bautätigkeit in Schermbeck 2017 unterdurchschnittlich schlecht war. Schermbeck liegt mit Hünxe weit abgeschlagen auf dem letzten Platz der Statistik für die Baunintensitität der Gemeinden in der Umgebung: Pro 1000 Einwohner hat Schermbeck in 2017 gerade einmal 0,6 Wohnungen neu geschaffen.

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Zum Vergleich: Dorsten bringt es auf eine Quote von drei Wohnungen pro 1000 Einwohner. Die Zurückhaltung beim Wohnungsbau in Schermbeck hat Gründe, die in der Vergangenheit zu finden sind.

Bürgermeister Mike Rexforth erklärt den Wohnungsbau in seiner Gemeinde zum Zukunftsthema: „Wir haben die Zeichen der Zeit lange Zeit verkannt und jetzt einen großen Nachholbedarf beim Wohnungsbau und bei der Ausweisung von Gewerbeflächen“, sagt Rexforth auf unsere Anfrage.

Bodenbevorratung ist das Ziel der Gemeinde

„Einen Baulandbeschluss zur Bodenbevorratung und zum Ankauf von Flächen hat der Rat am 10. Oktober 2018 einstimmig gefasst“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Schermbeck auch. Schermbeck wolle den Wohnungsbau und die Entwicklung von Gewerbeflächen ab sofort in die eigene Hand nehmen und steuern. Vergaberichtlinien für Grundstücke wurden im Rat ebenfalls beschlossen.

Schermbeck sucht ab sofort Bauherren für Baugrund am Borgskamp - junge Familien bevorzugt

Bürgermeister Mike Rexforth (li.) mit Kämmerer Frank Hindricksen in der Ratssitzung der Gemeinde Schermbeck, in der der Richtungsbeschluss für Wohnungsbau und Gewerbeansiedlungen gefasst wurde. © Helmut Scheffler

Die Versäumnisse der Vergangenheit, die in weiten Teilen der angespannten Haushaltssituation der Gemeinde Schermbeck geschuldet waren, aber auch den Vorgaben der Regionalplanung, sollen in den nächsten Jahren aufgeholt werden. So lautet das ambitionierte Ziel der Gemeinde Schermbeck. Denn: „Wir bekommen sehr viele Anfragen zu neuen Wohnbauflächen. Sehr gefragt in Schermbeck sind auch kleinere Mietwohnungen für junge Menschen oder ältere Menschen, die sich kleiner setzen möchten.“

Auswärtige kennen Standortvorzüge von Schermbeck

Die Anfragen kommen übrigens nicht nur von Schermbeckern: „Auch Auswärtige zieht es nach Schermbeck“, sagt der Bürgermeister. Der zählt viele Vorzüge seiner Gemeinde im Nullkommanichts auf: „Die hervorragende Anbindung an die Autobahn, die gute Infrastruktur in Schermbeck mit einem gut ausgebauten Netz für die frühkindliche (Kindergärten) und schulische Versorgung (Grundschulen und Gesamtschule Schermbeck), das breit aufgestellte Ehrenamt in der Gemeinde, die Top-Nahversorgung mit Einzelhandel und Supermärkten, das große medizinische Angebot (Schermbeck hat noch sechs Allgemeinmediziner, Augenärzte und Orthopäden) und die Lage mitten im Naherholungsgebiet sind unsere Standortvorzüge“, sagt Rexforth.

13.000 Einwohner können Zuzug vertragen

Zu den mehr als 13.000 Einwohnern von Schermbeck könnten sich weitere hinzugesellen, wenn die Ausweisung neuer Wohnbauflächen zügig umgesetzt wird. Da ist die Gemeinde sehr ambitioniert: „Wir wollen in den nächsten 15 bis 18 Monaten Bebauungspläne aufgestellt haben“, sagt der Bürgermeister. Eine Rekord-Zeit. Zum Vergleich: In der Nachbarstadt Dorsten werden mindestens 24 Monate für die Aufstellung von Bebauungsplänen zugrundegelegt.

Wie und was gebaut werden darf, das wird in Richtlinien festgeschrieben, sagt Mike Rexforth. „Da, wo die Gemeinde Eigentümerin des Baulandes ist, geben wir vor, wie die Bebauung aussehen soll.“ Neben Einzelhäusern sollen Reihenhäuser und Doppelhäuser den Bedarf junger Familien befriedigen. Baugebiete sollen aber auch Wohngebiete für Mieter werden: „Neben den Eigenheimen sollen auch Mehrfamilienhäuser mit Wohnungen für alleinstehende junge Menschen oder ältere Menschen geschaffen werden.“

Das erste größere Gebiet entsteht am Borgskamp

Als erstes größeres Baugebiet wird Bauwilligen in Schermbeck jetzt die Fläche am Borgskamp nahegelegt. „Wir hoffen, dass wir Anfang 2019 den Bebauungsplan beschließen können“, so Rexforth.

Auch wenn der Bebauungsplan noch nicht verabschiedet ist, können sich Familien schon jetzt um Grundstücke bewerben. Am Borgskamp, einer etwa einen Hektar großen Fläche zwischen Mühlenbach und Weseler Straße, sollen etwa 14 bis 16 Doppelhaushälften, Reihenhäuser und Einzelhäuser gebaut werden. Interessenten wenden sich ab sofort am Winfried Thomann, Gemeinde Schermbeck, Tel. (02853) 910 221.

Im Gemeindeentwicklungsplan Schermbeck zeigt sich, dass die Schermbecker Bevölkerung eine Verjüngung gut verkraften kann. Im Hinblick auf die aktuellen Rahmenbedingungen ist die Berücksichtigung des demografischen Wandels für die Entwicklung der Gemeinde Schermbeck von wesentlicher Bedeutung. Hierzu sind die folgenden Zielsetzungen zu nennen:
  • Wohnungs- und Baulandangebote für junge Familien fördern
  • Wohnungsangebote für Senioren fördern
  • Förderung von Service- und Dienstleistungsangeboten für ein selbstbestimmtes Wohnen im Alter.
Standen sich im Jahr 1997 noch 742 Zuzüge und 678 Fortzüge in Schermbeck gegenüber, was sich positiv in der Wanderungsstatistik niederschlägt, so gab es in 2006 bereits einen negativen Überhang von 17 Fortzügen. Die meisten Zuzüge im Jahr 2006 kommen aus den Städten Dorsten und Duisburg, was sich auch in den größten positiven Wanderungssalden niederschlägt. Die meisten Fortzüge im Jahr 2006 gibt es in Richtung Dorsten und Wesel. Die größten negativen Wanderungssalden ergeben sich mit den beiden Kommunen Wesel und Raesfeld. Das ist im Gemeindeentwicklungsplan nachzulesen.