Ausschuss fordert RWW auf, weniger Grundwasser in Schermbeck zu fördern

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Wasser, mit dem man bis zu 12.000 Badewannen füllen könnte, will die RWW pro Stunde (!) bis 2048 den Förderbrunnen der Üfter Mark entnehmen. Die Gemeinde Schermbeck findet: Das ist zu viel.

Schermbeck

, 23.01.2019, 17:15 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit der wasserrechtlichen Bewilligung zur Grundwasser-Förderung in der Brunnengalerie „Üfter Mark“ beschäftigte sich der Planungsausschuss am Dienstag. Den Antrag hat die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft an die Bezirksregierung Münster gestellt, die dazu eine Stellungnahme der Gemeinde Schermbeck erbeten hat.

Wasser für 275.000 Menschen

Insgesamt etwa 23,5 Millionen Kubikmeter Grundwasser fördert die RWW aus zwei Brunnengalerien jährlich und versorgt mit dem in Holsterhausen aufbereiteten Trinkwasser die Städte Gladbeck, Oberhausen-Nord, Bottrop, Dorsten, Schermbeck und Raesfeld-Erle. Insgesamt 275.000 Menschen.

Das Grundwasser dafür wird weitgehend auf Schermbecker Gebiet gefördert: 47 Tiefbrunnen (80 bis 100 Meter) sind in der Brunnengalerie Holsterhausen entlang der Lippe postiert, die Galerie „Üfter Mark“ umfasst 17 Tiefbrunnen im Freudenberger Forst angrenzend zu Rhade und Erle.

Die Galerie „Holsterhausen“, die 1927 die Grundwasserförderung aufnahm, fördert etwa 14,7 Millionen Kubikmeter Grundwasser im Jahr. Hierfür besitzt die RWW eine unbefristete Genehmigung. Bei der Galerie „Üfter Mark“ (jährlich etwa 8,5 Millionen Kubikmeter) bestand eine befristete Genehmigung, maximal 11 Millionen Kubikmeter pro Jahr zu entnehmen. Bis zum 5. August 2018.

Zeitdruck für Verwaltung und Politik

Für 30 Jahre galt diese Genehmigung. Rainer Gardemann (CDU) spöttisch über den jetzigen Zeitdruck für Verwaltung und Politik: „Und jetzt sagt mal innerhalb von 14 Tagen, wie es weiterlaufen soll in den nächsten 30 Jahren!“

Kaum Einwände hatten die Politiker aber gegen die von der Verwaltung vorbereitete Stellungnahme. Darin fordert die Gemeinde, wie bereits schon im Jahr 1987, dass die Fördergenehmigung auch für die Brunnengalerie „Holsterhausen“ befristet werden müsse. Mit derselben Frist, die auch für die Galerie Üfter Mark gilt. „Die erheblichen Fortschritte bei der wissenschaftlichen Erkundung von Umweltauswirkungen erfordern eine zukünftig mit Befristung erteilte Genehmigung für die Brunnengalerie ‚Holsterhausen‘.“

Keine echte Reduzierung

Grundsätzlich positiv wertete Planungsamtsleiter Rainer Eickelschulte, dass die RWW ihre jährliche Fördermenge in der „Üfter Mark“ um 500.000 Kubikmeter jährlich reduzieren wolle. Doch das geht den Schermbeckern nicht weit genug. Denn gleichzeitig wolle die RWW ihre jährliche Fördermenge in der Brunnengalerie „Holsterhausen“ um dieselbe Menge aufstocken. Die Gesamtmenge (maximal 25,2 Millionen Kubikmeter im Jahr) sei erforderlich, um die Trinkwasserversorgung in Qualität und Quantität aufrecht erhalten zu können, so die RWW.

Die einstimmige Forderung des Schermbecker Ausschusses lautet hingegen: Die RWW solle die geförderte Menge um jeweils 20 Prozent in beiden Brunnengalerien reduzieren. Die Gesamtfördermenge würde dann bei 18,6 Millionen Kubikmetern jährlich liegen.

Klimawandel

Warum wollen Verwaltung und Politiker, dass weniger Grundwasser entnommen wird? Es gebe Erkenntnisse zum Klimawandel, die eine Verringerung der Niederschläge von bis zu 15 bis 20 Prozent vorhersagten. Durch längere Hitzephasen im Sommer könnten die „Phasen einer kontinuierlichen Regenwasserbeschickung des Untergrundes durch den Klimawandel merklich zurückgehen“, so Eickelschulte. Für Natur- und Nutzpflanzen müsse ausreichend Regenwasser verbleiben.

Eine „regionale Überforderung des ökologischen Systems durch Wassermangel“ befürchtet Eickelschulte. Festzustellen sei, dass natürliche Wasserläufe im Wasserschutzgebiet häufiger trocken fallen. Insbesondere der Schermbecker Mühlenbach im Ortsteil Overbeck, der Bergerbach sowie der Rehrbach/Mühlenbach im Ortsteil Gahlen.

Mühlenteiche führen nur noch an wenigen Tagen Wasser

Eickelschulte: „Gewässerabschnitte, deren Sohle über sandige Bodenzonen selbst über große Entfernungen in Verbindung mit dem beanspruchten Grundwasserkörper stehen, fallen ungewöhnlich häufig trocken.“ Der „Obere Mühlenteich“ im Schermbecker Ortskern und der Mühlenteich am Bruchmühlenweg in Gahlen führten nur noch an einzelnen Tagen im Jahr Wasser.

Die RWW hingegen sieht ausreichend Grundwasser vorhanden und berücksichtigt dabei auch die Entnahme durch Dritte (Industrie, Landwirtschaft). Eine Wasserbilanz aus 2017 beziffere die Entnahme auf 25,48 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Die Grundwasserneubildung im Einzugsgebiet wird mit 25,13 Millionen Kubikmeter eingestuft. Rechnerisch fehlen dann 350.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr - das wäre der Inhalt von fast 1,6 Millionen Badewannen pro Jahr.

Schermbeck fordert ein neues Wasserwerk

Die RWW schreibt dazu im Antrag, der Gutachter habe „bei der Berechnung die Wasserrechte Dritter im Sinne einer pessimistischen Betrachtung in voller Höhe angesetzt“. Die Wasserbilanz 2017 werde bei einem angenommenen Fehler von plusminus 5 Prozent als ausgeglichen bewertet.

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Als Kompensation für die geforderte Reduzierung der Fördermenge schlägt die Gemeinde Schermbeck die Errichtung eines neuen Wasserwerks in bisher ungenutzten Trinkwasserreservegebieten vor. In der alten und neuen Regionalplanung sei dies bereits dargestellt.

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