Schäferin Ortrun Humpert. Vorsitzende des Schafzuchtverbands NRW, fordert die Entnahme der Wölfin: „Die Politik muss zu ihrem Wort stehen!“ © picture alliance / Guido Kirchner/dpa
Wolfsgebiet Schermbeck

Schafzuchtverbands-Vorsitzende drängt auf Entnahme der Wölfin

Darf Wölfin Gloria als Mutter eines halbjährigen Jungwolfs erschossen werden? Die Vorsitzende des Schafzuchtverbands NRW hat dazu eine klare Meinung.

Ortrun Humpert, die Vorsitzende des Schafzuchtverbands, weist darauf hin, dass die Wölfin „nachweislich wiederholt Zäune, die den Anforderungen des Herdenschutzes entsprechen, überwunden“ habe. „Unklar ist, ob die Zäune übersprungen oder untergraben wurden. Jedoch konnten bisher an keinem für diese Wölfin bestätigten Übergriff erfolgreiche Untergrabespuren gefunden werden. Ein Überspringen ist wahrscheinlich. Die Beweispflicht dazu darf nicht dem Tierhalter obliegen.“

Der Verband sieht in Schermbeck eine besondere Situation: Der überwiegende Anteil der Schafhalter habe Herdenschutzmaßnahmen ergriffen – vergleichbar zu denen in den anderen Wolfsgebieten in NRW. Doch dort sei eine „andere Situation zu beobachten“, da es dort seit längerer Zeit keine Wolfsrisse gegeben habe. „Die dort lebenden Wölfe haben die getroffenen Maßnahmen augenscheinlich bisher gut akzeptiert.“

„Nicht mehr auf säugende Mutter angewiesen“

Bei der Schermbecker Wölfin ist das anders. Zudem ist sie offenbar im vergangenen Jahr Mutter geworden: Ein etwa halbjähriger Wolf wurde vom LANUV im Dezember bestätigt. Humpert: „Dieser Umstand sollte die Entnahme nicht einschränken, da der Jungwolf bereits nicht mehr auf die säugende Mutter angewiesen ist.“

Auch aufgrund des Nachwuchses sieht Humpert Grund zur Eile: „Es ist unbedingt zu verhindern, dass die Wölfin das auffällige Jagdverhalten und die Strategien zur Überwindung jeglicher Herdenschutzmaßnahmen an den Jungwolf weitergibt. Im Falle, dass der Nachwuchs dieses Verhalten erlernt, wird der Herdenschutz ad absurdum geführt.“

„Diffamierende Vorwürfe“

Ihr Verband setze sich seit Jahren für ein Zusammenleben von Wolf und Weidetierhaltern ein, jedoch seien letztere zunehmend „diffamierenden Vorwürfen der Wolfsbefürworter ausgesetzt“. „Die Behauptung des unzureichenden Herdenschutzes ist klar widerlegbar und wird durch die ständige Wiederholung nicht besser.“ Dass „selbsternannte Experten“ Branchenvertretern ihre Sachkenntnis und Fürsorge um die eigenen Tiere absprächen, „können und wollen wir nicht länger hinnehmen.“

Die Tierhalter fühlten sich von der Politik hingehalten. Humpert: „Herdenschutz kann nur funktionieren, wenn alle Seiten an einem Strang ziehen – die Tierhalter setzen die geforderten Maßnahmen um, die Politik kümmert sich in gleichem Maße darum, dass auffällige Wölfe, die die Herdenschutzmaßnahmen wiederholt überwunden haben, auch entnommen werden. Wenn sich die Politik nicht an ihre Aufgabe hält, wie sollen wir den Schafhaltern dann vermitteln, dass sie sich weiterhin an die Maßgaben zu halten haben?“

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Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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