Rentnerin und Jugendliche demonstrieren mit Sarg gegen Abholzung

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Mit einem Sarg haben am Freitag Hildegard Daldrup und sechs Jugendliche gegen die Abholzung am Gahlener Mühlenteich demonstriert. Sogar ein Sarg kam zum Einsatz.

Schermbeck

, 15.06.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hildegard Daldrup, die 2019 den innogy Klimaschutzpreis erhielt, will Pflanzen und Insekten schützen. Zuletzt stoppte sie eine Mähaktion der Gemeinde rund um das Rathaus. Am Mittwoch letzter Woche demonstrierte sie mit Jugendlichen vor dem Rathaus gegen das Mähen.

„Kein Abmähen der Blumen- und Grasränder an Wegen und Straßen!“, forderten Hildegard Daldrup, Robin Lilge und Eric Gertzmann. Anlass war der wenige Tage zuvor erfolgte, vergebliche Versuch, den gemeindlichen Bauhof davon abzuhalten, die mit Blumen und Gräsern bewachsenen Straßenränder zu mähen.

„Kein Abmähen der Blumen- und Grasränder an Wegen und Straßen!“, forderten Hildegard Daldrup, Robin Lilge und Eric Gertzmann (v.r.) am Mittwoch am Rathaus. Bürgermeister Mike Rexforth (l.) zeigte sich gesprächsbereit.

„Kein Abmähen der Blumen- und Grasränder an Wegen und Straßen!“, forderten Hildegard Daldrup, Robin Lilge und Eric Gertzmann (v.r.) am Mittwoch am Rathaus. Bürgermeister Mike Rexforth (l.) zeigte sich gesprächsbereit. © Helmut Scheffler

„Es wurde mir vom Bauhof angedroht, die Polizei zu rufen“, berichtete Hildegard Daldrup. Daraufhin habe sie den Bürgermeister um ein Gespräch gebeten. Bürgermeister Mike Rexforth zeigte während des Gespräches ein grundsätzliches Verständnis für die Protest-Aktion, zumal er selbst eine Gemeindefläche bepflanzt habe. Allerdings sei vom Blockieren großer Gerätschaften des Bauhofes dringend abzuraten.

Kompromiss-Vorschlag

Vorerst gibt es einen Kompromiss. Der Bauhof mäht nur noch den Straßenrandbereich zur Hälfte der ursprünglich vorgesehenen Schnittbreite. Über weitergehende Maßnahmen, so der Bürgermeister, müssten zunächst die Politiker entscheiden.

Die Zahl der jungen Unterstützer für die 74-Jährige wächst von Aktion zu Aktion. Am Freitag waren es schon sechs Teenager, die Hildegard Daldrup zum Gahlener Mühlenteich begleiteten. Dort wird derzeit das Feuerwehrgerätehaus erweitert, die neue Fahrzeughalle steht bereits. Im Zuge dieser Arbeiten musste eine Mauer in die Böschung zum Mühlenteich gebaut werden - damit verschwand allerdings auch ein Teil des Grüngürtels.

So sah der Grüngürtel am Mühlenteich vor der Abholzung aus.

So sah der Grüngürtel am Mühlenteich vor der Abholzung aus. © Berthold Fehmer

Dies nahm der Heimatverein Gahlen zum Anlass, ein 180.000-Euro-Projekt zur Verschönerung des Umfelds in Angriff zu nehmen. An der neuen Mauer ist eine weitere, niedrigere Mauer mit einem Beet und Sitzgelegenheiten geplant.

„Message“ gegen die Abholzung

Doch diese Aussicht tröstet Daldrup und ihre jungen Unterstützer nicht darüber hinweg, dass Bäume und Büsche bereits entfernt wurden. Eric Gertzmann (17) gehört zu den jungen Menschen, die Daldrup in ihrem Protest unterstützen: „Ich bin gerne in der Natur unterwegs“, sagt er - dass am Mühlenteich die Bäume entfernt wurden, dagegen müsse man eine „Message“ senden, sagt er.

Er und die anderen Teenagern zimmerten einen symbolischen Sarg zusammen, mit dem am Freitagnachmittag das abgeholzte Grün „zu Grabe getragen“ wurde. Mit dabei hatten die Demonstranten auch zwei Kübel voller Blumen. Alle paar Tage will Daldrup nun zum Gießen vorbeikommen.

74-Jährige jetzt auch bei Instagram

Durch die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen kommt Daldrup nun auch in den Genuss eines Instagram-Accounts. Titel: „schermbeck_rests-green“ - Schermbeck bleibt grün. Diese Seite haben die Jugendlichen eingerichtet und dort zeigen sie Bilder von den Protestaktionen. Mit Instagram habe sie zuvor nichts etwas zu tun gehabt, gibt die 74-Jährige zu, sagt aber: „Man lernt nie aus.“

Auf die Frage, ob vielleicht für Daldrup oder ihre Anhänger auch die Mitarbeit in einer Partei in Frage komme, um dem Anliegen mehr Gewicht zu verschaffen, winken sowohl Daldrup als auch die Jugendlichen ab. „Ich gehe in keine Partei mehr“, sagt Daldrup - zwei Drittel der Zeit würden dort nur für Sitzungen draufgehen: „Das bringt mir nichts.“

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