Mehr Verkehr im Ortskern erwartet das Büro Runge IVP im Jahr 2030. Es plädiert für eine gleichmäßigere Auslastung der Straßen. © Runge IVP
Mittelstraße

Mittelstraße soll beruhigt werden – auf anderen Straßen wird es voller

Nach mehr als einem halben Jahr Arbeit, Verkehrszählungen und Modellierungen haben die Gutachter eine Idee, wie die Mittelstraße beruhigt werden kann. Einigen dürfte das nicht gefallen.

Mit fast 5.000 Fahrzeugen pro Tag sei die Mittelstraße „in ihrer heutigen Gestaltung nicht mehr zukunftsfähig“, sagte Rolf Junker im Planungsausschuss am Dienstag. Sein Büro „Junker + Kruse“ sowie die Büros „Runge IVP“ und „wbp“ erstellen derzeit einen Städtebaulichen Rahmenplan für den Ortskern und stellten die Zwischenergebnisse vor.

Insbesondere auf die Einschätzung des Verkehrsplaners Hans-Rainer Runge dürften die Ausschussmitglieder besonders gespannt gewesen sein, da dieser Vorschläge zur Verkehrsreduzierung auf der Mittelstraße machen wollte. Zehn bis elf Meter breit sei die Mittelstraße an der engsten Stelle, so Junker – da müsse man sich die Frage stellen: „Was ist uns wichtig und was ist uns weniger wichtig?“

Verkehrszählung mit Corona-Aufschlag

Runge erläuterte, dass man die Verkehrsmenge mit einer Zählung im September ermittelt habe und einen fünfprozentigen Aufschlag (Corona) hinzugefügt habe. Seit den letzten Verkehrszählungen „hat sich nicht allzu viel getan“, so Runge zu den Ergebnissen.

4.000 bis 5.000 Kfz fahren täglich auf der Mittelstraße, 1.600 bis 2.600 auf der Schienebergstege und 3.800 bis 4.600 auf dem Kapellenweg. Runges Prognose: Aufgrund des geplanten Rewe-Markts an der Erler Straße und des geplanten Baugebiets Spechort wird der Verkehr um etwa 500 Fahrzeuge auf der Mittelstraße steigen. Auch die Kreuzung an der Erler Straße werde „deutlich spannungsvoller“.

Schienebergstege und Kapellenweg seien baulich in der Lage, mehr Verkehr aufzunehmen, so Runge, zudem seien die Anwohner dort mit Hecken und Vorgärten von der Straße abgeschirmt, so Runge. Zum Vergleich: Auf der Mittelstraße wohnen 34 Einwohner pro 100 Straßenmetern, an der Schienebergstege 24 und am Kapellenweg 22 Anwohner auf 100 Metern.

Einbahnstraßen-Lösung wird bevorzugt

Von allen geprüften Varianten spricht sich Runge für eine Einbahnstraßen-Lösung auf der Mittelstraße aus, wobei der Radverkehr in beiden Richtungen zugelassen wird. 1.100 bis 1.600 mehr Kfz erwartet Runge dann zusätzlich auf Schienebergstege und Kapellenweg.

Eine Vollsperrung der Mittelstraße würde zu viel Verkehr in die Seitenstraßen bringen, so Runge. „Bei einer Sperrung der Mittelstraße besteht die Gefahr, dass der Ortskern oft leer und ausgestorben wirkt“, verdeutlichte Planer Andreas Mayer, dass nicht nur verkehrliche Belange bei der Planung in der Einkaufsstraße zu berücksichtigen seien.

Auf Nachfrage von Jürgen Trick (Grüne) sagte Runge, dass ein Einbahnstraßen-Konzept einen „Mehrverkehr“ mit sich bringe. Ein sensibler Bereich auf der Schienebergstege sei die Grundschule. Für die Zusammenlegung der Schulstandorte an der Weseler Straße hatte sich der Rat zwar bereits ausgesprochen, doch dagegen wurde geklagt: „Wer weiß, was passiert?“, so Trick.

Rettungsfahrzeuge müssten die Mittelstraße weiterhin nutzen können, so Runge auf Nachfrage Rainer Gardemanns (CDU). „Auch über den Bus muss man sprechen.“ Ob, wie von Manfred Knappernatus (Seniorenbeirat) angeregt, ein Verbot für Krafträder ausgesprochen werden könne, „ist von den Ordnungsbehörden zu prüfen“, so Runge.

Ein Kreisverkehr an der Kreuzung Erler Straße/Mittelstraße werde vom Landesbetrieb Straßenbau sicherlich nicht zugelassen, sagte Runge aus Erfahrung. Dafür reiche der vorhandene Platz nicht. Einen Kreisverkehr befürworten die Planer allerdings in Zukunft an Weseler Straße/Maassenstraße mit einer Anbindung an den Lichtenhagen.

Den Bürgern sollen die Pläne im Frühjahr, März oder April bei einer Veranstaltung vorgestellt werden. Falls die Politik sich schnell entscheiden könne, sei es möglich, einen Förderantrag in diesem Jahr zu stellen, so Bürgermeister Mike Rexforth. Der Zeitplan sei „etwas sportlich, aber nicht in Stein gemeißelt“.

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Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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