Miriam Höller liebt Höhenflüge. Deswegen war es für die Ex-Stuntfrau aus Schermbeck auch keine Option, nach zwei schweren Schicksalsschlägen am Boden liegen zu bleiben.

Schermbeck

, 27.04.2019, 05:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fast 30 Jahre lang fühlte sich das Leben für Miriam Höller an wie ein Märchen. Die Schermbeckerin setzte sich ehrgeizige Ziele, die sie mit Einsatz und Beharrlichkeit auch erreichte.

Doch das Leben spielt einem manchmal übel mit. Vor drei Jahren musste die frühere Stuntfrau nach einem Unfall erst ihren Traumjob aufgeben, dann starb wenige Wochen später ihr Verlobter bei einem Helikopterabsturz.

Heute ist Höller längst wieder die Powerfrau, die sie vor den schweren Schicksalsschlägen war. Sie kann den Rückschlägen inzwischen sogar etwas Positives abgewinnen: „Das war ein richtiges Aufräumen“, sagt die 31-Jährige.

In den Monaten danach besann sie sich aufs Wesentliche: Familie und wahre Freunde. Es kostete sie viel Kraft, an ihr selbst und ihrer Einstellung zum Leben zu arbeiten. Aber es hat sich gelohnt.

Botschafterin für Motivation, Mut und Lebensfreude

Dass man das Leben mit all seinen Herausforderungen lieben und an ihnen wachsen muss, ist so etwas wie die Kernbotschaft, mit der Miriam Höller jetzt als Keynote-Speakerin durchstartet.

Sie spricht teils vor mehreren Tausend Menschen über Themen wie Mut, Risiko und Veränderungen im Leben. Seit dem Gewinn des Internationalen Speaker Slams in Hamburg letztes Jahr ist sie außerdem als Botschafterin für Motivation, Mut und Lebensfreude unterwegs.

„Es gibt viele, die sich hinstellen und sagen: Ich motiviere dich jetzt!“, sagt Höller. Bei ihr sei das anders, weil sie wirklich aus Erfahrung spreche und sich auch der Verantwortung bewusst sei, die der Job mit sich bringt: „Man führt die Zuhörer ja auch in ihren Emotionen und hat die Dynamik im ganzen Saal unter Kontrolle. Davor habe ich großen Respekt.“

Eigentlich wollte Miriam Höller ja immer Ballerina werden, weil sie so gerne tanzt. Auf Instagram fragen Fans oft, woher sie ihre Kraft nimmt. Ein Tipp lautet dann: Einmal am Tag einen Country-Rock-Song aufdrehen und tanzen. Höller machte eine klassische Ballettausbildung, wurde irgendwann aber so groß, dass ihr Tanzpartner sie nicht mehr so einfach heben konnte.

Der Traum platzte. Betrübt saß die 14-jährige Miriam eines Tages mit ihren Eltern vor dem Fernseher und sah, wie eine Frau an einem Helikopter hing. Das will ich auch machen, dachte sie. Und wie immer gabs nur Ermutigung von den Eltern.

Mama Höller schickte ihre Tochter in den Movie Park, wo eine Stuntshow lief. Und Miriam, die schon immer groß gedacht hat, fragte den Chef des Stuntteams gleich mal nach der Hauptrolle. Der lehnte lächelnd ab, staunte aber nicht schlecht, als ein paar Jahre später die nun volljährige Miriam wieder auf der Matte stand und um einen Platz im Team bat, den sie auch bekam.

In der Zwischenzeit hatte sie im Injoy eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau gemacht. So bodenständig es im Berufsalltag zuging, so actiongeladen war die Freizeit. Höller stürzte sich mit Fallschirm aus Flugzeugen, schwang sich aufs Mountainbike oder fuhr Motocross. Sie wollte vorbereitet sein, wenn sich die nächste Chance bietet, in der Stuntbranche Fuß zu fassen.

Wie Ex-Stuntfrau Miriam Höller nach zwei Schicksalsschlägen als Speakerin durchstartet

Miriam Höller in ihrem Element: beim Wingwalk auf einem Flugzeug. © Wolfgang Lienbacher

Der Rest ist bekannt: Höller machte Karriere als Stuntfrau, Actionmodel und Moderatorin. Alles lief perfekt. Auch privat. In Hannes Arch fand sie einen Partner, der ihre Faszination fürs Risiko teilte. Die Stuntfrau und der Kunstflug-Pilot: Topf und Deckel.

„Ich wollte immer früh Mutter werden“, sagt Höller, „weil ich selbst so eine tolle Kindheit hatte.“ Doch das Schicksal wollte es anders. Für ein Fotoshooting hing Höller im Spätsommer 2016 in hochhackigen Schuhen an einem Helikopter – genau so, wie sie es mit 14 im TV gesehen hatte.

Erst war unklar, ob sie jemals wieder richtig gehen kann

Weil das richtige Foto einfach nicht gelingen wollte, hing sie so lange, bis die Kräfte irgendwann nachließen und sie abspringen musste. Bei der Landung zertrümmerte sie sich beide Füße. Die Verletzungen waren so schlimm, dass zunächst unklar war, ob sie überhaupt jemals wieder richtig gehen kann.

Nur sechs Wochen später erfuhr Miriam Höller am Telefon vom Tod ihres Verlobten. „Damit waren nicht nur Hannes und meine berufliche Grundlage weg, ich musste auch unser Haus in Salzburg verlassen.“ Mit zwei Koffern ging es zurück in die alte Wohnung in Schermbeck.

Familie und Freunde in der Heimat waren in dieser schweren Phase der entscheidende Rückhalt. „Wenn man nicht mehr dieser strahlende Mensch ist, von dem andere profitieren können, zeigt sich, wer die wahren Freunde sind“, sagt Höller. „Das war sehr wichtig für mich, weil die Leute hier mich als die Miri aus Schermbeck kennen und nicht nur aus dem Fernsehen.“

Deshalb werde sie immer ihr Zuhause in Schermbeck behalten, sagt sie. Auch wenn sie gerade mit ihrer neuen Liebe Nate ein Haus in Kanada renoviert. Es ist nur eine Checkbox von vielen auf Miriam Höllers To-Do-Liste: „Eine Lösung zu finden für eine sehr außergewöhnliche Beziehung.“ Und heiraten. Und Kinder kriegen. „Aber auch erst mal im neuen Beruf Fuß fassen.“

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