Beim Spatenstich zur Renaturierung des Mühlenbachs griff auch Umweltministerin Ursula Heinen-Esser zum Spaten. © Berthold Fehmer
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„Lebendige Lippe“: Mühlenbach-Mündung wird verlängert und verlegt

Zu steil und zu gerade trifft der Schermbecker Mühlenbach auf die Lippe. Das soll sich ändern und dafür kam sogar Umweltministerin Ursula Heinen-Esser am Mittwoch nach Schermbeck.

Was macht die Wölfin?“, war die erste Frage der NRW-Ministerin an Bürgermeister Mike Rexforth. Statt Gloria oder Ölpellets-Skandal gab es laut Rexforth am Mittwoch aber „ein erfreulicheres Thema“: die Renaturierung des Mühlenbachs.

Die historische Komponente des Unterfangens hob Rexforth in seiner Begrüßung hervor: Der Mühlenbach bildete die historische Grenze zwischen Sachsen und Franken und soll nun im Mündungsbereich zur Lippe verlegt werden. Augenzwinkernd spekulierte Rexforth, ob der Termin am Mittwoch vielleicht in 700 bis 800 Jahren in Geschichtsbüchern auftauchen könnte.

Flüsse wurden stark begradigt

„In der Vergangenheit sind die Flüsse stark begradigt worden“, sagte Heinen-Esser, „um sie für Entwässerung, Abwasser oder auch Schifffahrt stärker nutzen zu können.“ Die Gewässer sollen nun wieder in einen ökologisch guten Zustand versetzt werden – in Schermbeck sind dafür 4,5 Millionen Euro eingeplant. Als Teil des Programms „Lebendige Lippe“.

Emanuel Grün vom Lippeverband sagte, an der Mündung des Mühlenbachs gebe es eine Besonderheit: „Die Lippe ist hier erodiert, das Flussbett liegt teilweise 3,50 Meter und tiefer. Dadurch ist der natürliche Zulauf des Mühlenbachs abgekappt worden.“ Fische und andere Wasserbewohner könnten durch das starke Gefälle kaum mehr in den Mühlenbach hinein. Das zu ändern, lohne sich, da der Mühlenbach 10 Kilometer lang sei und ein Drittel der Gesamtfläche Schermbecks entwässere.

Gefälle soll ausgeglichen werden

Etwa 200 Meter weiter westwärts als heute soll der Mühlenbach nach den Bauarbeiten von etwa acht Monaten in die Lippe münden und dabei, in Schleifen gelegt, eine Verlängerung von 270 Metern bekommen. Über zwei 32 Meter lange Sohlgleiten soll das Gefälle ausgeglichen werden. Pro Sohlgleite sind zwölf Becken hintereinander geplant, jeweils etwa zwei mal drei Meter groß. So können die Fische das Gefälle überwinden und sich zwischendurch ausruhen. Gewissermaßen eine Treppe für die Wasserbewohner.

Bodo Klimpel, Landrat im Kreis Recklinghausen und Ratsvorsitzender des Lippeverbands, kennt solche Maßnahmen bereits aus anderen Bereichen der Lippe und versprach. „Sie werden begeistert sein, wenn die Maßnahme beendet ist und die 4,5 Millionen Euro verbaut sind.“ In Haltern habe es eine ähnliche Baustelle gegeben: „Ich bin ziemlich sicher, dass es keinen Kegelclub in Haltern gibt, der sich diese Baustelle nicht angeguckt hat.“

Bach wird aufgeweitet

Nicht nur die Sohlgleiten sollen sich positiv auf die Artenvielfalt im Bach auswirken: Der Bach soll teilweise aufgeweitet werden und mit Holzstämmen, sogenanntem Totholz, ausgestattet werden, um abwechslungsreiche Strukturen zu schaffen, die für Insekten, Frösche, Lurche und Schnecken interessant sind.

Insgesamt sollen durch die Sekundärauenherstellung und Gewässeraufweitungen rund 36.000 Kubikmeter Bodenmaterial anfallen. Auch der Hochwasserschutz soll anschließend besser funktionieren, denn bei zu viel Wasser gibt es dann Bereiche, in die sich die Lippe gefahrlos ausbreiten kann.

Die Arbeiten am Schermbecker Mühlenbach dauern voraussichtlich bis Frühjahr 2022. Etwa in einem Jahr, so Emanuel Grün, könne man sich den Erfolg der Maßnahme am besten anschauen, weil sich dann die Natur den Bereich der Baustelle zurückgeholt habe.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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