Landwirte kündigen Widerstand gegen Gasleitung an

Zeelink

Höchst kontrovers wurde über die geplante Zeelink-Gasleitung (wir berichteten) am Dienstagabend bei einer Infoveranstaltung im „Marienthaler Gasthof“ diskutiert. Betroffene Landwirte wollen gegen eine Trassenführung über ihre Flächen gerichtlich vorgehen, sollte die Bezirksregierung Münster im Planfeststellungsverfahren nicht die Möglichkeit des Leitungsbaus durch den Dämmerwald prüfen.

Schermbeck

, 05.10.2016, 15:11 Uhr / Lesedauer: 1 min
Landwirte kündigen Widerstand gegen Gasleitung an

Mehr als 40 Landwirte, Grundstückseigentümer,Vertreter der Gemeinde Schermbeck, des Landwirtschaftsverbandes und der Landwirtschaftskammer beteiligten sich am Dienstagabend an einer sehr kontroversen Diskussion über die denkbaren Leitungstrassen für die Erdgasleitung "Zeelink".

Das ist das Fazit der zweieinhalbstündigen Veranstaltung, zu der die Firma „Open Grid Europe“ als Planer und Bauer der Erdgas-Leitung zwischen Zeebrügge und Legden Landwirte und Grundstückseigentümer eingeladen hatte. Der stellvertretende Projektleiter der Firma, André Graßmann, sprach sich eindeutig gegen die Trassenführung durch den Dämmerwald aus. „Der Korridor durch den Dämmerwald ist durch die bestehenden genehmigungsrechtlichen Tatbestände nicht genehmigungsfähig.“

Scharfer Schlagabtausch

Im über lange Strecken scharfen Schlagabtausch warfen Landwirte der Firma eine zu geringe Berücksichtigung landwirtschaftlicher Interessen vor. „Aalglattes Handeln“ nannte dies Reiner Kremer, Sprecher der Schermbecker Landwirte: „Wenn Bund und Land nicht bereit sind, einen Quadratmeter Land zur Verfügung zu stellen, dann schießen wir quer.“ Er berichtete, dass ein Firmenmitarbeiter bei einer Begehung des Dämmerwaldes gesagt habe, dass man für die Trasse im Wald nur einen fünf Meter breiten Streifen roden müsse. Das seien 1,6 Hektar, während die Firma der Bezirksregierung gegenüber von 4,5 bis 6 Hektar spreche.

Kritik an Landesregierung

Herwig Scholz von der Landwirtschaftskammer wies auf die neben dem Naturschutzgebiet Dämmerwald liegenden Landschaftsschutzgebiete hin: „Die Ernährungssicherheit der Bevölkerung wird hier vernachlässigt. Die Landwirtschaft findet sich in Ihrer Bewertung nicht wieder“, so Scholz. „Ihnen ist das Leben von Anwohnern weniger wert als Bäume“, warf ein Versammlungsteilnehmer der Firma vor. Dazu passte die Kritik an der rot-grünen Landesregierung, die Naturschutz gegenüber der Landwirtschaft höher bewerte.

Keine Verbandsklage

Von Bürgermeister Mike Rexforth erwarten die Landwirte, dass er beim Erörterungstermin am 24. Oktober die Bedenken der Landwirte vehement vortrage. Gerrit Korte vom Landwirtschaftsverband empfahl den Landwirten, im Planfeststellungsverfahren im kommenden Jahr Bedenken und Widersprüche anzumelden. Eine Verbandsklage sei nicht möglich – jeder betroffene Landwirt müsse selbst sein Recht einklagen. 

Erst kurz vor Schluss beruhigten sich die Gemüter. Landwirte und Firmenvertreter wollen im Gespräch bleiben. 

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