Königin bemalt den Schützenvogel

SCHERMBECK Es dürfte wohl nicht viele Schermbecker geben, die sich riesig darüber freuen, wenn ihre Arbeit in Stücke zerfetzt wird. Einer von ihnen ist Werner Steinkamp, der Vogelbauer für zwei Schützengilden im Gemeindegebiet.

von Von Helmut Scheffler

, 04.07.2008, 16:06 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Werner Steinkamps Hobby-Werkstatt werden die Schützenvögel für zwei Schützengilden hergestellt.

In Werner Steinkamps Hobby-Werkstatt werden die Schützenvögel für zwei Schützengilden hergestellt.

Werner Steinkamp hatte schon immer einen guten Draht zu den Schützen. Als Zwölfjähriger war er sogar schon Kinderschützenkönig, allerdings nicht in der Heimat, sondern in Waltrop, wo er seine Tante besucht hatte.

Als Manfred Gaffke 1999 König in Uefte wurde, musste er - so will es die Tradition - einen neuen Vogel besorgen. Beim befreundeten Werner Steinkamp fand er offene Ohren für sein Anliegen. Der hatte sich schon vor Jahren eine Werkstatt an der Uefter Straße "Im Espel" eingerichtet.

Im benachbarten Königreich der Altschermbecker Kilianer sprach es sich schnell herum, dass die Uefter bald einen hauseigenen Vogel haben würden. Und da die Kilianer wiederholt Stress mit ihrem Vogelbauer hatten, orderten sie ebenfalls einen Vogel für die Gilde.

Probevogel verlangt

Da Werner Steinkamp aber kein gelernter Vogelbauer ist, wurde ihm erst ein Probevogel abverlangt. Das war auch gut so. Denn der erste Vogel war so robust, dass er sich 2002 beim Probeschießen beider Gilden auf dem Hof von Josef Balke erst in der Dunkelheit geschlagen gab. "Beim nächsten Versuch habe ich etwa zwei Drittel der Leimholzplatten durch Massivholz ersetzt", beschreibt Steinkamp die Konsequenzen aus dem allzu kernigen Prototyp.

Als im Juli 2004 Martin Stroetzel um 16.07 Uhr auf Große-Ruikens Vogelrute den letzten Rest des Vogels von der Stange holte, hatte Steinkamps erster Vogel ausgedient. Im September desselben Jahres wurde an der Vogelstange der Uefte-Overbecker Schützen Steinkamps zweiter Vogel in seine Einzelteile zerlegt und schließlich vom neuen Schützenkönig Theo Diekhoff gänzlich erlegt.

Viel Arbeit im Winter

Nach dem Schuss ist vor dem Schuss für Werner Steinkamp. Viel Winterarbeit ist erforderlich, bis aus einem Holzrohling ein schmucker Vogel entstanden ist.

Auch in einem Königreich muss alles seine Ordnung haben, und so kommen kurz vor Fertigstellung des Vogels der Schützenoberst und sein Adjutant in den hohen Uefter Norden, um die offizielle Bestellung des neuen Schützenvogels vorzunehmen.

Das dicke Ende

Beim Bemalen des Vogels, der sich zum Schluss mit einer Spannweite von 125 Zentimetern in Steinkamps Werkstatt richtig breit macht, hilft Monika Steinkamp ihrem Mann. Sie ist seit 2004 amtierende Schützenkönigin in Uefte. Am Schützenfestmontag kommt das dicke Ende für die winterliche Fleißarbeit. "Ich freue mich", so Steinkamp, "dass es immer wieder Kilianer gibt, die beherzt auf den Vogel schießen."

Lesen Sie jetzt