Klaus Roth will als Bürgermeister keinem Konflikt aus dem Weg gehen

dzKommunalwahl 2020

Als „Kümmerer“ sieht sich Klaus Roth, der Bürgermeisterkandidat der Wählervereinigung „Bürger für Bürger“. Aber auch als Bürgermeister will er keinem Konflikt aus dem Wege gehen.

Schermbeck

, 03.09.2020, 15:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Klaus Roth (BfB) ist 73 Jahre alt und lebt seit 47 Jahren in Schermbeck. Seit 26 Jahren ist er im Rat, zunächst für die CDU. 2010 gründete er die Wählervereinigung „Bürger für Bürger“.

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Drei Fragen an Klaus Roth

Herr Roth, für Ihre Hartnäckigkeit sind Sie bekannt. Sie bewerben sich aber mit 73 Jahren um ein sehr forderndes Amt. Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass Sie dem in den nächsten fünf Jahren gewachsen sind?

Mein Leben war geprägt durch Herausforderungen. Ich fühle mich sehr wohl und habe eine neue Partnerin, die meine politische Arbeit akzeptiert und mich unterstützt. Wenn ich sehe, dass in Amerika ein 78-Jähriger antritt, warum soll nicht ein 73-Jähriger vor Ort noch etwas für die Menschen tun?

Im Vergleich zur letzten Kommunalwahl gibt es jetzt weitere Mitbewerber wie „Zukunft Schermbeck“ oder „Die Partei“. Welche Zielgruppe wollen Sie mit „Bürger für Bürger“ ansprechen?

Ich spreche auch die Protestwähler an. Vor sechs Jahren hat ja die USWG aufgehört - da haben einige gesagt, dass wir in deren Fußstapfen reingegangen sind. Zum Teil ist das sicher richtig. Aber man kannte mich auch aus der CDU und ich habe den Ruf des Kümmerers.

Sie sind auch dafür bekannt, keinem Konflikt aus dem Weg zu gehen. Wie würden Sie das als Bürgermeister halten?

Ich werde dann auch keinem Konflikt aus dem Weg gehen. Meine Tür wäre immer offen, für den Bürger, für alle Mitarbeiter des Rathauses. Ich würde mich um jedes Anliegen kümmern. Ich identifiziere mich mit den Leuten, die zu mir kommen. Wenn ich sehe, dass sie nicht Recht haben oder sich nur um sich selber kümmern, sage ich denen das auch ganz klar. Es gibt immer welche, die das nicht akzeptieren.

Das vermutlich größte Schermbecker Projekt der nächsten Jahre dürfte die Mittelstraße werden. Was wäre Ihr Vorschlag?

26 Jahre Politik habe ich begleitet - ich denke noch an die Debatte im Saal von Overkämping in den 90er-Jahren. Meine Meinung war immer und ist es bis heute: Ich würde erst mal alle Straßen aufmachen. Jede Straße muss Verkehr aufnehmen. Es kann nicht jeder sagen: Ich will das Auto nicht. Viel lässt sich an der Mittelstraße überhaupt nicht machen. Man muss abwarten, was der Planer für Vorschläge bringt. Ich vermute aber, viel Neues wird nicht rauskommen.

Der Haushalt wird durch Corona stark belastet. Sie wollen das Eigenkapital stärken, keine neuen Kredite aufnehmen und Steuern und Gebühren nicht erhöhen, sondern sogar senken. Wie soll das gehen?

Das ist mein Spezialgebiet - als Betriebswirt ehemals im Controlling bei Thyssen. Steuererhöhungen wären für mich immer der letzte Weg. Der Kämmerer macht eine sehr gute Arbeit. Mit ihm würde ich jede Ausgabe auf den Prüfstand stellen. Wenn man investive Ausgaben tätigt, muss man an die Folgekosten denken.

Sie fordern die Gründung einer Bürgerstiftung. Was soll die leisten?

Ich finde gut, was in Raesfeld gemacht worden ist. Ich könnte mir vorstellen, mit einem Teil meines Salärs mich in so eine Stiftung einzubinden. Ich will nicht Bürgermeister werden, um Geld zu verdienen - ich habe mein Auskommen. Ich muss auch kein dickes Auto fahren. Vielleicht zusammen mit Banken und Geschäftsleute könnte man älteren Menschen, die in Not geraten sind, helfen, oder das Ehrenamt unterstützen. Schwierig ist, dass es keine Zinsen mehr gibt. Ich würde mich engagieren, auch nach meinem Ableben: Ich habe keine Kinder und irgendwann muss vielleicht das bisschen, was ich habe, unters Volk gebracht werden.

Bei kleinen Projekte, wie die von Ihnen geforderte Buswartehalle in Bricht, geht es oft nicht so schnell, wie Sie es gerne hätten. Woran liegt das Ihrer Meinung nach und was würden Sie anders machen?

Ich würde ständige Rückkoppelung mit meinen Mitarbeitern pflegen. Jede Woche oder zweimal in der Woche würde ich mit den Abteilungsleitern Gespräche führen, wie der Stand der einzelnen Projekte ist. Ich sehe nicht, dass der Bürgermeister acht Stunden mitarbeitet - er ist ein Kontrollorgan der Verwaltung. Die ist für mich ein Dienstleistungsbetrieb. Derzeit ist das nicht immer so.

Aus Kostengründen spricht sich Klaus Roth (BfB) dafür aus, den Schulstandort des katholischen Teilstandorts der Grundschule Schermbeck zu erhalten und zu sanieren.

Aus Kostengründen spricht sich Klaus Roth (BfB) dafür aus, den Schulstandort des katholischen Teilstandorts der Grundschule Schermbeck zu erhalten und zu sanieren. © Berthold Fehmer

Sie haben sich gegen „Luxusbauten“ ausgesprochen. Was wäre Ihr Vorschlag zur Grundschule?

Ich bin für den Erhalt beider Grundschulen.

Dagegen gibt es einen Ratsbeschluss ...

Aber man kann eine andere Meinung haben. Das erste Gutachten ist in die Hose gegangen - jetzt rechnet wieder ein Gutachter die Alternativen. Das muss man abwarten. Die Frage ist: Was kann die Gemeinde Schermbeck sich in Coronazeiten erlauben? Hier 13 Millionen, an der Mittelstraße 20 Millionen, laut Wirtschaftswegekonzept müssten wir eine Million pro Jahr in die Wirtschaftswege stecken. Die Grundschul-Frage muss wieder in den Rat rein - vielleicht nimmt der aus Kostengründen doch die erste Alternative: Erhalt der beiden Schulen. Ich sehe auch skeptisch, wenn die Grundschule näher ans Nelskamp-Werk rückt.

Welch Rolle würde Klimaschutz in Ihrer Arbeit als Bürgermeister spielen?

Klimaschutz ist wichtig. Es muss aber für alle Menschen bezahlbar sein. Als erstes würde ich den Q5 des Bürgermeisters abschaffen - wir haben ein Elektrofahrzeug, für das ich auch gestimmt habe. Mein Hobby ist das Radfahren. Ich würde mit dem Rad zum Rathaus fahren. Ich bin für Photovoltaik, nicht für Windräder. Klimaschutz muss im ersten Schritt europäisch gelöst werden - da könnte ich als Bürgermeister allerdings nur appellieren.

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