Mehr als 2800 kinderpornografische Bilder hatte ein Schermbecker auf seinem Handy und seinem Tablet. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Kinderpornografie

Kinderpornografie: Schermbecker hortete mehr als 2.800 Bilder

Mehr als 2.800 kinderpornografische Bilder hortete ein 50-jähriger Schermbecker auf seinem Smartphone und Tablet. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurden diese entdeckt.

Gegen 20 Uhr abends verschafften sich Beamte am 29. Januar 2020 nach einer richterlichen Anordnung Einlass in die Wohnung des 50-Jährigen. Bei der Durchsuchung wurden ein Mobiltelefon sowie ein Tablet sichergestellt. 196 kinderpornografische Bilder fanden sich auf dem einen Gerät, 2.646 auf dem anderen.

Das jüngste abgebildete Mädchen dürfte zwei bis drei Jahre alt gewesen sein, schilderte die Staatsanwältin am Mittwoch bei der Verhandlung am Amtsgericht Wesel. Nur schwer erträglich war die beispielhafte Aufzählung von Szenen durch die Staatsanwältin: In den Bildern wurden unter anderem sechs- bis achtjährige Mädchen gezeigt, die Männer oral befriedigen mussten, bis bis hin zu einem vier- bis sechsjährigen Kind, „das von einem Mann penetriert wird“, so die Staatsanwältin. „Besonders verwerflich“ nannte die Richterin Art und Anzahl der Bilder.

„Ich weiß nicht, was mich da geritten hat“

„Ich weiß nicht, warum ich das gesammelt habe“, sagte der Angeklagte, der sich geständig zeigte. „Ich weiß nicht, was mich da geritten hat. Ich kann mich nur dafür entschuldigen. Ich wollte sie schon längst vernichtet haben.“ Nach der Vernehmung durch die Polizei im Juni 2020 habe er bei Einrichtungen angerufen und nach einem Therapieplatz gefragt. „Ich warte auf Bestätigung, dass ich sie antreten darf.“

„Wo genau haben Sie angerufen?“, hakte die Richterin nach. Das konnte der Angeklagte nicht sagen. Es seien Psychologen gewesen. Teilweise habe er bei diesen um Rückruf gebeten, einen solchen aber nicht erhalten, sagte sein Verteidiger. Bei der Vernehmung, zitierte die Richterin aus einem Aktenvermerk, habe der Angeklagte noch seine „Neigungen eingeräumt“. Der Angeklagte sagte hingegen: „Eigentlich stehe ich auf so was gar nicht.“

Stieftöchter zu Besuch – „Die Mutter weiß nichts davon“

Auf Nachfrage zu seinen persönlichen Lebensumständen sagte der Mann, dass seine Stieftöchter, beide 19 Jahre alt, häufiger bei ihm zu Besuch seien und auch übernachteten. „Ist die Mutter einverstanden, dass die bei Ihnen sind?“, fragte die Richterin. „Die Mutter weiß nichts davon“, so der Angeklagte. „Die Mutter hat beide rausgetrieben aus dem Haus.“

Beim Plädoyer forderte die Staatsanwältin eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Fast 2850 Bilder – „das ist schon ein Stück. Die Sammelwut ist fast schlimmer, als wenn man pädophile Neigungen hätte“, denn so liege beim Angeklagten kein psychischer Druck vor. Das Sammeln der Bilder führe „erst dazu, dass solche Bilder gemacht werden“. Dass der Angeklagte geständig sei, „erspart uns, dass wir uns die Bilder noch mal angucken mussten“.

Kein Unrechtsbewusstsein

Verschärfend beim Strafmaß zu berücksichtigen sei die Anzahl und Art der Bilder. Zudem lasse der Angeklagte kein Unrechtsbewusstsein erkennen. Da sich der Angeklagte bislang straffrei geführt habe, könne man die Strafe aber noch zur Bewährung aussetzen.

Der Verteidiger wollte das Vergehen „nicht schönreden“. Es sei klar, dass sein Mandant nicht mit einer Geldstrafe auskomme. „Ich kann mich nur dafür entschuldigen, dass ich sie gesammelt habe. Von mir aus können sie die Mobiltelefone verbrennen“, so der Angeklagte.

Die Richterin verhängte eine Strafe von einem Jahr und drei Monaten Haft. Dagegen können allerdings noch Rechtsmittel eingelegt werden. Falls der Angeklagte darauf verzichtet, muss er sich drei Jahre straffrei führen und zudem 1.800 Euro an den Kinderschutzbund Wesel zahlen.

Zweifel an Ernsthaftigkeit

„Wenn man die Vorgeschichte mit Ihren Stieftöchtern kennt“, so die Richterin zum Angeklagten, sei es „nicht besonders glücklich“, dass diese regelmäßig bei ihm übernachteten. Zu einer möglichen Therapie sagte die Richterin: „Ich habe Zweifel, wie ernsthaft Ihre Bemühungen sind.“ Deshalb stelle sie dem Mann Bewährungshelfer zur Seite.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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