Kein einstimmiges Votum für Gewerbegebiet am Rüster Feld

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Zu einem einstimmigen Votum für ein Gewerbegebiet am Rüster Feld kam es im Rat nicht. Die kontroverse Diskussion zeigte die unterschiedlichen Sichtweisen auf das Thema.

Schermbeck

, 14.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Da der neue Regionalplan noch weit davon entfernt ist, beschlussfähig zu werden, will der RVR in einem Teilplan Kooperationsstandorte beschließen, wo sich auf größeren Flächen zwischen Kommunen Gewerbe ansiedeln kann. Zwischen Dorsten und Schermbeck bevorzugt der RVR eine Fläche am Emmelkämper Brauk in Holsterhausen. Dorsten und Schermbeck sehen hingegen das Rüster Feld als geeigneter an und hatten ein Gutachten beauftragt, dass diese These stützt.

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Rainer Gardemann (CDU) legte am Mittwoch im Schermbecker Rat insbesondere Wert auf die Zukunftsfähigkeit der bereits am Rüster Feld liegenden Gärtnersiedlung. „Unser großes Interesse muss es sein, die Gärtnersiedlung langfristig zukunftssicher aufzustellen.“ Die 10-Hektar-Grenze sei bereits beim letzten Bauantrag in diesem Bereich Thema gewesen, so Planungsamts-Chef Rainer Eickelschulte auf Nachfrage von Thomas Heiske (Zukunft Schermbeck), ob dort bereits jetzt ein baurechtswidriger Zustand herrsche. Der Zubau sei damals genehmigt worden, aber weitere Ausdehnungen könnten schwierig werden, wenn dies nicht im Regionalplan verankert sei, so Eickelschulte.

Verkehrsbelastung durch Lkw befürchtet

Bei einem Gewerbegebiet am Emmelkamp, so Gardeman, werde Schermbeck die verkehrliche Belastung erhalten. Lkw-Fahrer, die einmal über die Pliesterbecker Straße in Holsterhausen gefahren seien, „werden das nie wieder tun“ und stattdessen über Schermbeck fahren. Die bessere Anbindung des Rüster Felds an die Autobahn sah auch Dieter Michallek als Vorteil - allerdings müsse man das Artenschutzgutachten bedenken, dass einige Vogelarten am Rüster Feld sehe. „Ansonsten spricht einiges fürs Rüster Feld.“

Auf das Thema Artenschutzgutachten sprang Holger Schoel (Grüne) an. Die zitierten Erkenntnisse im Gutachten seien aus 2003 und 2014. Er finde es schade, dass es nicht ein aktuelles Artenschutzgutachten gegeben habe. „Alles wird rein wirtschaftlich betrachtet.“ Schoel: „Ich sehe beide Gebiete überhaupt nicht als geeignet an für so eine große Sache.“

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Heiske erinnerte an eine Unterschriftenaktion, bei der sich Rüster gegen ein Gewerbegebiet ausgesprochen hatten. Klaus Roth (BfB): „Widerstände gibt es überall, die würde es auch im Emmelkamp geben.“ Dass landwirtschaftliche Flächen geopfert würden, störte Simon Bremer (FDP). Für Jürgen Trick (Grüne) war die Wahl nur: „Pest oder Cholera?“ Ohne ein aktuelles Artenschutzgutachten könne man die Frage zwischen beiden Standorten nicht entscheiden.

„Dann wird mit uns Bus gefahren“

Gardemann entgegnete: „Wir sind im Verfahren. Wir können nicht warten, bis der RVR was vorlegt. Entweder fahren wir mit dem Bus zum Emmelkamp oder zum Rüster Feld. Wenn wir warten, wenn wir jetzt nicht entscheiden, dann wird mit uns Bus gefahren.“

Den Vergleich nahm Ulrike Trick (Grüne) auf. Eine Umsetzung sei noch in weiter Ferne. „Wenn keiner der Grundstückseigentümer verkauft, dann fährt da kein Bus.“ Bürgermeister Mike Rexforth bestätigte, dass es nicht darum gehe, „innerhalb der nächsten zwei Jahre dort ein Gewerbegebiet entstehen zu lassen“. Die Entwicklung der Idunahall-Brache sei als vordringlicher anzusehen. Allerdings: „Wenn wir dann keine Flächen mehr haben, sind wir auf die Regionalplanung angewiesen.“ Die Frage, ob die Grundstückeigentümer am Rüster Feld sich dann immer noch gegen einen Verkauf aussprechen würden, könne sich bis dahin verändert haben.

Eine Umweltverträglichkeitsprüfung müsse noch erfolgen, so Gardemann. „Dass da noch einiges passieren muss, das weiß jeder hier im Raum. Wenn wir jetzt nicht unseren Hut in den Ring werfen, werden wir große Probleme kriegen in 10, 15 Jahren.“ Gegen die vier Stimmen der Grünen und von Thomas Heiske beschloss der Rat bei einer Enthaltung von Simon Bremer, den RVR aufzufordern, das Rüster Feld als Kooperationsstandort zu wählen.

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