Kalb wurde nach der Geburt auf Gahlener Wiese gerissen

dzWolf im Verdacht

Kurz nach der Geburt wurde ein Kalb am Wochenende in Gahlen gerissen. Für den Landwirt steht fest: Es war ein Wolf. Wir haben Vertreter des LANUV und des Umweltministeriums befragt.

Schermbeck

, 27.11.2018 / Lesedauer: 3 min

Der Lembecker Landwirt rief am Samstagnachmittag um 15 Uhr nach dem Fund auf der von ihm gepachteten Wiese am Nordrand des Gahlener Torfvenns zwei Gahlener Bekannte, die das tote Kalb fotografierten. Versuche, einen Wolfsberater oder das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) am Samstagnachmittag zu kontaktieren, scheiterten. Sicherheitshalber nahmen die Gahlener Proben des Kalbes, wie sie das seit einiger Zeit machen, weil sie im Falle von wenig verständlichen Fehleinschätzungen des LANUV eigene Untersuchungen vornehmen lassen können.

LANUV-Sprecherin Birgit Kaiser de Garcia sagte am Montag auf Anfrage, dass die Fachleute nach dem Anruf am Samstag zurückgerufen hätten, um zu erfahren, wer der Besitzer sei. „Da ging aber keiner ran.“ Erst am Sonntagabend habe man Rückmeldung erhalten. Das Veterinär-Untersuchungsamt soll nun klären, ob es trotz des Regenwetters verwertbare Spuren gibt.

Kalb könnte tot geboren worden sein.

Die Obduktion soll klären, ob das Kalb bereits tot war, als es geöffnet wurde, sagt Peter Schütz, Sprecher des Umweltministeriums. Bei Kälbern gebe es durchschnittlich 10 Prozent Totgeburten auf den Weiden, abhängig von der Rasse. Bei hochgezüchteten Arten sei der Anteil höher. Ödeme am Hals könnten Auskunft darüber geben, ob ein Wolfsangriff als Todesursache in Frage komme – nur dann werde entschädigt. „Das Kalb ist massiv geöffnet worden“, sagt Schütz dazu, dass dafür etwa auch ein Wildschwein in Frage komme. „Es muss kein Wolf gewesen sein.“ Auch Fuchs oder Hund könnten sich am Kalb zu schaffen gemacht haben.

„Wir wollen die Weidetierhaltung nicht weiter unter Druck geraten lassen.“

Bei der Entschädigung eines gerissenen Nutztieres ist die Frage, ob Schaf, Rind oder Pferd betroffen sind, nicht entscheidend. Wohl aber bei der Prävention. Nur bei Schafen, Ziegen oder Gehegewild erhalten Besitzer Präventionsmaßnahmen mit Elektro-Zäunen oder einem Herdenschutzhund gefördert. Das Umweltministerium stehe in Gesprächen mit dem Landesrechnungshof und dem Finanzministerium, um die Förderrichtlinien zu ändern, sagt Schütz. „Wir wollen die Weidetierhaltung nicht weiter unter Druck geraten lassen.“ Deshalb wolle man auch die Präventionsförderung bei Alpaka- oder Mutterkuhhaltung. „Wir denken auch über Pferdehaltung nach.“

Auch die EU müsse möglicherweise ins Boot genommen werden, um den Verdacht von versteckten landwirtschaftlichen Hilfen zu zerstreuen. „Sechs Monate darf das nicht mehr dauern“, sagt Schütz zum zeitlichen Rahmen einer möglichen Umsetzung gefragt.

Bürgerforum will Wolf umsiedeln

Das Gahlener Bürgerforum stellt in einer Grundsatzerklärung fest, dass es nicht den Abschuss des Wolfs zum Ziel habe. Aber es sei erschreckend, wie schnell die Wölfin „GW954f“ sich vom Verhalten eines natürlichen Wolfs entferne und beispielsweise Nutztiere in hoher Zahl töte, ohne dass dies der Nahrungsaufnahme diene. Das Bürgerforum fordert Gesetze, die es erlauben, „hiesige Wolfsvorkommen in eine Region umzusiedeln, in der sie sich natürlich verhalten und entfalten können“.

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„Kritische Übergangsphase“

„Es ist eine kritische Übergangsphase“, sagt auch Schütz. Gleiche Erfahrungen habe man in anderen Bundesländern gemacht, wo es keinen Herdenschutz gegeben habe. Wenn der Herdenschutz greife, „nach einem oder zwei Jahren“, sei es aber durchaus möglich, dass die Wölfin sich wieder ihrer natürlichen Beute („Maus, Ratte, Hase, Reh) zuwende. Diese jage sie auch jetzt schon, denn die benötigten drei bis vier Kilo Fleisch pro Tag habe sie aus den Nutztierrissen nicht erhalten. Schütz: „Sie kann ja nicht am nächsten Tag wiederkommen und weiterfressen.“

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Hinweise auf Wölfe sollten gemeldet werden unter Tel. (02361) 30 50, außerhalb der Geschäftszeiten und am Wochenende unter Tel. (0201) 71 44 88.

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