Jubiläum: Gahlener General-Crause-Grabmal vor 200 Jahren errichtet

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Ein Stück Identifikation mit der Ortsgeschichte: Das Gahlener General-Crause-Grabmal wurde vor 200 Jahren errichtet. Es hat eine wechselvolle Historie hinter sich.

Gahlen

, 18.10.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auch Steine haben eine Geschichte. Dies gilt in ganz besonderem Maße für das Grabmal des Generals Crause vor der Gahlener Dorfkirche, das vor 200 Jahren errichtet wurde, mehrfach seinen Standort veränderte, bevor es 1989 vom Heimatverein an seinem jetzigen Standort aufgestellt wurde.

Das Grabmal, welches für die Gahlener ein Stück Identifikation mit der Ortsgeschichte symbolisiert, wurde 1820 für den königlich-niederländischen General Johann Theodor Philipp Crause errichtet.

Im Jahr 1740 geboren

Der am 31. Oktober 1740 geborene Crause wurde durch seine Heirat mit Margarethe Katharina von Sevenaer, der einzigen Tochter und Erbin des Herrn Barchand von Sevenaer, Besitzer des großen klevischen Lehnshofes Galen. Margarethe Katharina von Sevenaer wurde am 6. November 1757 in Gahlen geboren. Am 15. Januar 1820 starb sie dort, nachdem ihr Mann bereits im Jahr zuvor in Gahlen gestorben war.

Auf einem Privatfriedhof

Nördlich des heutigen Wesel-Datteln-Kanals wurde 1820 auf dem Privatfriedhof des Hauses Galen für die Eheleute Crause ein 2,33 m hohes Grabmal aus Sandstein errichtet. „Auf achteckiger Plinthe gekehlter, runder Sockel“, beschreibt Roland Günter das Grabmal, „darauf kurzer, gedrungener, sich verjüngender Säulenschaft mit ionischen Kanneluren, unterbrochen von einem glatten runden Zylinder mit abgewitterter Schrift. Lesbar noch die Jahreszahlen 1757 und 1820.

Seitlich zwei nach unten gekehrte verqualmende Fackeln als Todessymbole. Das dorische Kapitell bekrönt ein Aufsatz mit Flachgiebeln. Seltener Grabmonumententypus.“

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Das Grabmal erinnert auch an die Adoptivtochter der Eheleute Crause und deren Mann. Da die Ehe zwischen Johann Theodor Philipp und Margarethe Katharina Crause kinderlos blieb, wurde Anna Maria Christiane von Frenz adoptiert. Die 1784 in Utrecht geborene Adoptivtochter heiratete am 5. Dezember 1813 Friedrich Schmidt, der am 22. Februar 1789 in Haldern geboren wurde.

Im Jahr der Hochzeit wurde Friedrich Schmidt am 18. November 1813 zum Gahlener Amtsbürgermeister ernannt. 37 Jahre lang bekleidete er dieses Amt. Am 11. Juli 1856 starb der erste Bürgermeister des Amtes Gahlen. Seine Frau folgte ihm am 19. Dezember 1860.

Nach Dinslaken transportiert

Nach dem Tode des Bürgermeisters verfiel das alte Haus Galen allmählich. Die Verwaltung wurde erst vom Gartroper Schloss aus geleitet, bevor sie nach Hünxe umzog. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts drohte auch der Grabstein zu verfallen. Im Einvernehmen mit dem Gahlener Gemeinderat wurde er nach Dinslaken transportiert. „Der Bildhauer F. Lindenthal übernahm die Restaurierung des Steins, der vor allem gehärtet und an wesentlichen Stellen ausgebessert werden musste. “

Vor dem „Haus der Heimat“ blieb das Grabmal nahezu zwei Jahrzehnte stehen. Der Gahlener Heimatverein beantragte im Mai 1987 bei der Gemeinde Schermbeck die Rückführung des Grabmals nach Gahlen.

Im Mai 1989 restaurierten der Raesfelder Steinmetzmeister Ferdi Löchteken (r.) und Martin Mondorf (l.) das General-Crause-Denkmal.

Im Mai 1989 restaurierten der Raesfelder Steinmetzmeister Ferdi Löchteken (r.) und Martin Mondorf (l.) das General-Crause-Denkmal. © Helmut Scheffler

Dort sollte es entweder auf dem neu zu gestaltenden Dorfplatz oder in der Nähe der Kirche aufgestellt werden. Am 27. November 1987 meldete der Dinslakener Stadtdirektor die Bereitschaft der Stadt Dinslaken zur Abgabe des Grabmals. Da bei der Übergabe des Museums „Haus der Heimat“ an die Stadt Dinslaken der Grabstein nicht in das Sammlungsgut der Stadt übernommen wurde, war der Kreis Wesel als Rechtsnachfolger des ehemaligen Kreises Dinslaken Eigentümer des Grabmals geworden.

Erhebliche Kosten

Der Kreis Wesel erhob keinen Einwand gegen die Rückführung des Grabmals nach Gahlen. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Politiker der Gemeinde Schermbeck eingeschaltet, war doch mit erheblichen Kosten für die Verlegung des Grabmals zu rechnen. Am 27. Januar 1988 war der Bau- und Denkmalausschuss mit der Einholung von Angeboten für den Transport und die Wiederaufstellung des Steins einverstanden. Im Oktober 1988 wurden die Kosten seitens der Verwaltung mit ca. 8000 DM beziffert.

Nachdem unter Mitwirkung des Heimatvereins Gahlen und des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege und dank des Einverständnisses der Evangelischen Kirchengemeinde Gahlen die Standortfrage für das Grabmal geklärt worden war und die Politiker am 15. März 1989 ihr Einverständnis erteilt hatten, wurde das Grabmal im April/Mai 1989 vom Raesfelder Bildhauer und Steinmetzmeister Ferdi Löchteken restauriert.

Große Schäden

Der größte Schaden war unterhalb der Verdachung entstanden. Alle vier Teile, in die das Grabmal zerlegt wurde, mussten vorab mit Wasser von Algen und Flechten befreit werden.

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Mitte Mai 1989 wurde das restaurierte Grabmal auf dem nördlichen Vorplatz der Gahlener Kirche aufgestellt. Von der Bereisungskommission, die anlässlich des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ am 31. Mai 1989 das Lippedorf Gahlen besichtigte, wurde auch das Grabmal des Generals Crause als ein wertvolles Zeugnis der Kulturgeschichte Gahlens gewürdigt und seine Rückführung nach Gahlen als ein beispielhafter Akt zur Stärkung der Eigenprägung eines Dorfes bezeichnet.

Fügt sich harmonisch ein

Im Gahlener Ortskern fügt sich dieser Stein harmonisch in ein bauliches Ensemble ein, das von der Bevölkerung im Umfeld des Mühlenteiches geschaffen wurde, den Fremden zur Erholung vom großstädtischen Leben, der Dorfbevölkerung zur Identifikation mit ihrem Lebensraum, der die Bewohner Geborgenheit und Heimat zugleich empfinden lässt.

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