Mundraum und Rachen von Hündin Abby waren völlig verätzt, nachdem sie einen Giftköder gefressen hatte. © privat
Giftköder

Hündin erleidet Höllenqualen – Giftköder und Wurst mit Nägeln gefunden

Höllenqualen erlitt Hündin Abby (10), nachdem sie in Schermbeck einen mit ätzender Flüssigkeit getränkten Köder fraß. Nun wurden erneut Giftköder gefunden und ein möglicher Täter beobachtet.

Die Hundebesitzerin, die anonym bleiben möchte, sagt über die vergangenen Tage: „Es war eine schreckliche Zeit mit vielen Tränen.“ Ende März hatte ihre Hündin (Golden Retriever) auf dem Radweg auf der alten Bahntrasse zwischen Maassenstraße und Bricht von einem ausgelegten Toastbrot gefressen, das in eine ätzende Flüssigkeit getränkt war.

Vier Tage lang war Hündin Abby anschließend in der Tierklinik, drei Tage davon als Intensiv-Patientin. „Der Mundraum war schwarz, die Zunge dick, das Zahnfleisch weggeätzt“, sagt ihre Besitzerin. Ihre Hündin sei „zigmal kollabiert“ – vier Stunden hätten die Ärzte gebraucht, um sie zu stabilisieren.

„Sie hat Opiate bekommen“, so die Besitzerin, die kurz vor der Entscheidung stand, das Tier einschläfern zu lassen. Ihre Hündin hat überlebt und könne mittlerweile wieder ein paar Meter laufen.

Stück vom Schuh weggeätzt

Die Hundebesitzerin hatte Ende März mit einer Freundin sowie Carmen Höchst und ihrer Giftködersuchhündin Maila damals die Ränder des Radwegs abgesucht und weitere Giftköder gefunden. Die Flüssigkeit im Toastbrot war so ätzend, dass sie einen Gummihandschuh der Hundebesitzerin durchdrang. „Das hat gebrannt wie Feuer“, sagt sie über die Schmerzen an ihrer Hand. Ihre Freundin sei in die Flüssigkeit getreten – „da war ein Stück vom Schuh weggeätzt.“

An diesem Geh- und Radweg in Schermbeck wurden die Giftköder gefunden.
An diesem Geh- und Radweg in Schermbeck wurden die Giftköder gefunden. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Aufmerksam beobachtet sie seitdem den Weg ihrer „Hunderunde“, der auch über den Gietlingsweg führt. „Ich bin da jetzt hinterher. Ich möchte, dass keinem so etwas widerfährt wie uns.“ Am Freitag (9. April) sei von Bekannten erneut Toastbrot am Weg gefunden worden. Da Carmen Höchst beruflich verhindert war, traf sich die Hundebesitzerin am Samstag mit der Dorstenerin Sabine Dunzel und ihrem Giftködersuchhund, um weiter zu suchen.

„Arsenal an Giftstoffen“

„Möhrenbrot, getränkt in eine bläulich-grüne Flüssigkeit“, fanden Dunzel und die Hundehalterin an mehreren Stellen. Die Flüssigkeit habe geschäumt und sie an Frostschutzmittel erinnert, sagt Dunzel. Da sie befürchten musste, dass die Flüssigkeit ätzend sein könnte, ließ sie zunächst ihren Hund im Auto. Und sie seien mit säurefesten Handschuhen auf die Suche gegangen. „Aber das war dieses Mal nicht notwendig.“ Der unbekannte Täter scheine ein „Arsenal an Giftstoffen“ zu haben, schließt Dunzel aus den erneuten Funden.

Mit Nägeln gespickte Wurststücke wurden in Schermbeck gefunden. “Die Partei” setzt nun eine Belohnung für Hinweise auf den Schermbecker Hundehasser aus. © Berthold Fehmer © Berthold Fehmer

Am Sonntag trafen sich mehrere Helfer mit insgesamt drei Giftködersuchhunden – und wurden erneut fündig: Dieses Mal waren es Wurststücke, die mit Nägeln gespickt waren. „Ich bin da zehnmal drüber gelaufen – das hat man nicht gesehen“, sagt die Hundebesitzerin.

„Wir gehen jetzt in die Offensive“

Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie sich seitens der Polizei mehr Engagement gewünscht hätte. Polizeisprecherin Andrea Margraf versprach am Montagmorgen auf Anfrage: „Wir gehen jetzt in die Offensive.“ Die Polizei werde nach den erneuten Funden von Tür zu Tür gehen und fragen, wer etwas Verdächtiges gesehen habe. Seit den ersten Funden und der Anzeige habe man das Thema im Blick. Margraf mag sich nicht vorstellen, was passieren würden, wenn die Giftköder an kleine Kinder geraten würden.

Die Hundebesitzerin und mehrere Bekannte haben bereits einen Verdacht, wer für die Giftköder verantwortlich sein könnte. Sie selbst habe mehrere Male, ebenso wie andere, einen Mann auf einem Mountainbike beobachtet, „der die Kapuze bis ins Gesicht gezogen hatte“. Dieser halte auf dem Weg ab und zu an, fasse sich in die Taschen: „Sobald der einen sieht, haut der ab.“ Wer Verdächtiges beobachtet, sollte sich an die Polizeiwache Hünxe unter Tel. (02858) 918100 wenden.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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