Hildegard Daldrup stoppt erneut Mäh-Aktion: „Ich fühle mich verarscht“

dzArtenschutz

„Ich fühle mich verarscht.“ Trotz einiger Zugeständnisse seitens des Bauhofs hat Hildegard Daldrup am Donnerstag wieder eine Mäh-Aktion gestoppt. Doch nicht alle Bürger finden das gut.

Schermbeck

, 18.06.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hildegard Daldrup, 2019 mit dem innogy-Klimaschutzpreis ausgezeichnet, hat am Donnerstag erneut eine Mäh-Aktion der Gemeinde gestoppt, dieses Mal am Gahlener Friedhof. „Ich wollte gerade Brötchen holen“, sagt die 74-Jährige - da habe sie die Mitarbeiter des Bauhofs an der Wiese mähen sehen.

Vor rund zwei Wochen hatte Daldrup das erste Mal eine Mäh-Aktion gestoppt. Damals am Rathaus, wo Daldrup mit Bauhofleiter Peter Claessen und Bürgermeister-Vertreter Gerd Abelt Argumente austauschte: Pflanzen- und Insektenschutz kollidieren zum Teil mit gesetzlichen Vorgaben, etwa der Verkehrssicherungspflicht.

Bei einer Demo zwei Tage später vor dem Rathaus sagte ihr Bürgermeister Mike Rexforth, dass, bis die Politik sich mit der Frage beschäftigt habe, der Bauhof als Kompromiss an Banketten die halbe Schnittbreite mähen werde. Wie so etwas aussehen kann, das wollten die zwei Mitarbeiter des Bauhofs Hildegard Daldrup am Donnerstag zeigen. An der Gahlener Paßstraße hatte der Bauhof auf einem Grünstreifen an einem Fußweg etwa auf halber Breite Wildblumen stehen lassen.

„Ich fühle mich verarscht“

Für Daldrup nicht genug: „Ich fühle mich verarscht.“ Ein Bauhof-Mitarbeiter erklärte, dass die Samen der wilden Blumen beim Mulchen nicht verschwinden. Immer abwechselnd eine Hälfte zu mähen, sei ein Kompromiss. Alles stehen zu lassen, bedeute aber, dass man irgendwann nicht mehr mulchen könne. Einerseits weil die Maschinen das nicht mehr schafften. Und: „Dann sieht es aus, als sei hier Mist gefahren worden.“

„Wir ziehen uns jetzt zurück“, sagte der Bauhofmitarbeiter, nachdem das Gespräch keine Annäherung brachte und fuhr mit seinem Kollegen weiter. Stefan Steinkühler, Bürgermeisterkandidat der Grünen, sowie Bauhofleiter Peter Claessen versuchten, im Gespräch mit Daldrup vor Ort die Situation zu deeskalieren. Im Raum steht die Frage, ob die Behinderung der Arbeiten Strafanzeigen nach sich ziehen könnte. Die Situation sei „tricky“, sagt Steinkühler, der den „Anfang einer Diskussion“ sieht.

„Total übertrieben“

Denn Daldrups Kampf blieb am Donnerstag nicht unwidersprochen. Sie sei für Insekten, sagt Anwohnerin Petra Schulz, die die Diskussionen vor ihrem Haus gehört hatte. Beweisen kann sie den Satz mit einer Wildblumen-Wiese im eigenen Garten, direkt neben dem Fußweg. Daldrups Einsatz sei hier aber „total übertrieben“, findet Schulz wie auch eine Nachbarin, die Claessen fragte: „Wann wird denn hier mal richtig gemäht?“

Der Weg sei ein Hunde-Weg, so Schulz. Deren Hinterlassenschaften, die man im hohen Gras nicht sehe, hätte dann ihr Enkel an den Schuhen. Das Unkraut, das vom Weg in die Fugen der Einfahrt gelange, sei für sie mit zwei künstlichen Hüften nur sehr schwer zu entfernen.

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