Zwei Schülerinnen aus der Q2 der Gesamtschule Schermbeck haben in der vergangenen Woche den neuen Akt-Kalender vorgestellt, ohne zu ahnen, welche Resonanz das Thema bekommen würde. © Gesamtschule Schermbeck
Akt-Kalender

Gigantische Resonanz auf Akt-Kalender der Gesamtschule Schermbeck

Ein gigantisches Echo bei Facebook und in den Medien hat der neue Akt-Kalender der Abiturienten der Gesamtschule Schermbeck ausgelöst. Dabei wurde kontrovers diskutiert.

Viral: So bezeichnet man im Internet, wenn etwas plötzlich auf viel mehr Aufmerksamkeit stößt, als die Beteiligten je vermutet hätten. Exakt das ist nun der Q2 der Gesamtschule Schermbeck passiert, die zum Wochenende ihren Akt-Kalender vorstellten – mit einer Auflage von 250 Stück.

Mit dem Verkaufspreis von 19,95 Euro wollten die Schülerinnen und Schüler die Abikasse aufbessern, was ansonsten aufgrund der Corona-Bedingungen bislang extrem schwierig war. Die Schüler hoffen, mit dem Geld nach dem Abitur eine Abschlussparty unter freiem Himmel organisieren zu können, wenn die Corona-Bedingungen das zulassen.

Es ist bislang der dritte Akt-Kalender von Abiturienten der Gesamtschule – zuletzt hatte der 2009er-Jahrgang einen produziert. Doch niemals zuvor, das bestätigt auch Schulleiter Norbert Hohmann, stieß das Thema auf so viel Resonanz. Eine Meldung der Dorstener Zeitung, die am Samstag online ging, wurde bis Montagmittag mehr als 125.000-mal angeklickt. Bei Facebook wurden mehr als 1.100 Kommentare geschrieben.

Meinungen gehen deutlich auseinander

In der Bewertung gingen die Meinungen dabei deutlich auseinander. Nimmt man die Emojis als Indikator, gab die deutliche Mehrheit der Aktion „einen Daumen hoch“. Intensiv wurde allerdings diskutiert, ob ein solcher Kalender zu einer Schule passe. „Ich als Mutter würde durchdrehen, wenn der Schulleiter so was erlauben würde!“, schrieb eine Kommentatorin. Doch sie wurde von anderen darauf hingewiesen, dass die Modelle (alle über 18) das Einverständnis des Schulleiters gar nicht gebraucht hätten.

„In dem Alter halte ich die Schüler durchaus für entscheidungsfähig“, so ein Kommentator. „Ich beglückwünsche die Gesamtschule Schermbeck dazu, dass sie ihren pädagogischen Auftrag erfüllt hat. Als Lehrer kann ich sagen, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Identität soweit entwickelt haben, dass sie für sich selbst diesen Schritt gewählt haben und im Reinen mit ihrem Körper und ihrer Persönlichkeit sind. Nur starke Persönlichkeiten schaffen diesen enormen Schritt“, kommentierte ein weiterer: „Mutige Aktion!“

„Bin echt schockiert, wie verklemmt manche sind“

Während einigen die Fotos „zu weit“ gingen – sogar das Wort Pornografie fiel häufiger -, lobten andere die Idee und die „ästhetischen Aufnahmen“: „Bin echt schockiert, wie verklemmt manche sind“, so eine Kommentatorin.

Fotograf Alexander Boehme und Grafikdesignerin Stephanie Renelt hatten den Schülern geholfen, den Kalender mit qualitativ hochwertigen schwarz-weißen Bildern zu produzieren. Die Idee war Schulleiter Norbert Hohmann frühzeitig vorgestellt worden – die Fotos wurden gemeinsam gesichtet.

Von einigen Kommentatoren vermutet wurde, dass die abgebildeten Schüler im späteren Leben etwa bei Bewerbungen auf Probleme stoßen könnten. Fakt ist allerdings, dass die Gesichter nicht erkennbar sind und auch keine Namen der Schülerinnen und Schüler veröffentlicht wurden, die dort zu sehen sind und sich freiwillig gemeldet hatten.

Auch nach dem großen medialen Echo auf den Akt-Kalender waren am Montagmittag immer noch Kalender in der Volksbank zu haben.
Auch nach dem großen medialen Echo auf den Akt-Kalender waren am Montagmittag immer noch Kalender in der Volksbank zu haben. © privat © privat

Kein „riesengroßer Run“

Sogar Fernsehsender wurden auf den Kalender aufmerksam. Doch Wolfgang Lensing von der Volksbank Schermbeck, die den Kalender derzeit verkauft (das Schulsekretariat ist wegen der Osterferien geschlossen), konnte am Montagmittag immer noch feststellen: „Es sind noch einige da. Einen riesengroßen Run hat es auf den Kalender nicht gegeben.“

Schulleiter Norbert Hohmann sagte am Montag, dass die Aktion „als dörfliche, lokale Sache“ geplant gewesen sei. „Das sollte nicht über das Dorf hinaus eine Relevanz haben.“ Den Medienrummel versucht er von den Schülerinnen und Schülern so gut wie möglich abzublocken: „Die sollen sich in Ruhe auf ihr Abitur vorbereiten und sich darauf konzentrieren.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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