Ein solcher Beutel mit vergiftetem Brot wurde Ende März in Schermbeck gefunden. Seitdem häufen sich die Giftköder-Funde. © Carmen Höchst
Giftköder

Giftköder-Fund: Polizeisprecher nennt Täter „gestörte Persönlichkeit“

Erneut sind Giftköder in Schermbeck gefunden worden, aber dieses Mal an einer anderen Stelle als bislang. Die Polizei geht beim Täter mittlerweile von einer „gestörten Persönlichkeit“ aus.

Am Dienstagmittag informierte eine 57-jährige Schermbeckerin die Polizei über den Fund eines Giftköders an der Straße Lichtenhagen in der Nähe des Mühlenteichs am Rathaus. Die Beamten sicherten im Grünstreifen den Fund, der aus Brot und Obst bestand und mit einer roten, geleeartigen Masse vermengt worden war. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Wurden die Giftköder bislang seit Ende März immer meistens südlich der B 58 in Bricht gefunden, ist der neuste Köder nun nördlich der Bundesstraße platziert worden. Klar ist: die Ausweitung des betroffenen Gebiets macht die Suche nach solchen vergifteten Brotstücken und mit Nägeln präparierten Wurststücke wesentlich aufwändiger. Laut Theresia Meyer von der Verwaltung habe man auch am Tüschenbachweg im Waldgebiet am Lichtenhagen schon einen Giftköder gefunden. „Gefühlt sind es die typischen Hundestrecken.“

Polizeisprecher Timm Wandel weiß aus dem Gespräch mit einem Kollegen der in Schermbeck wohnt, „dass das Dorf in Aufruhr ist“. Es beunruhige schon, dass jemand „ohne Rücksicht auf Verluste“ die Gesundheit von Hunden und Menschen, vielleicht sogar kleinen Kindern, riskiere.

„Hat einen an der Klatsche“

Wandel: „So jemand hat, wie man im Ruhrpott sagt, einen an der Klatsche. Ich kann das nicht mehr anders ausdrücken.“ Dies führe auch dahin, dass die Polizei „Mann und Maus“ in Bewegung setze. Allerdings sagt Wandel auch: „Die Polizei kann nicht alle Wege patrouillieren.“

Die Zeugin habe alles richtig gemacht, lobt Timm Wandel. Sie habe den Köder nicht angefasst und auch ihr Hund habe keinen Kontakt zum Köder gehabt. „Man sollte bei Funden sofort die 110 anrufen. Darauf sind wir angewiesen, damit jeder Fall dokumentiert wird.“

Verdächtige Personen sofort der Polizei melden

Auch wenn man merkwürdiges Verhalten einer Person beobachte, solle man die Polizei benachrichtigen. Ansonsten sei es extrem schwer, dem Täter auf die Spur zu kommen, weiß Wandel aus seiner Erfahrung als Kripo-Beamter.

Die Polizei habe den gesetzlichen Auftrag zur Strafverfolgung und Gefahrenabwehr, so Wandel. Dabei stimme sie sich bei Giftköder-Funden mit dem Ordnungsamt ab. Im Fall, als eine Schermbecker Hundebesitzerin Ende März durch eine ätzende Flüssigkeit verletzt wurde, sei auch eine Körperverletzung festzustellen. In solchen Fällen verschiebe sich die Verantwortlichkeit in Richtung Polizei.

Theresia Meyer sagt, dass die Mitarbeiter des Bauhofs sensibilisiert worden seien, „die Augen offen zu halten“. Derzeit würden diese viele Rasenflächen mähen und dabei auf Giftköder achten. Funde sollten an Polizei oder Ordnungsamt gemeldet werden, „damit wir den Täter schnellstmöglich finden“.

„Es gibt kein richtiges Muster“

Dass nun das Brot und Obst beim neusten Fund in eine rote, geleeartigen Flüssigkeit getaucht wurde, kommentiert Meyer mit dem Satz: „Es gibt kein richtiges Muster.“ Beim ersten Fund Ende März war es eine ätzende Flüssigkeit, anderthalb Wochen später eine blaue Flüssigkeit, die an Frostschutzmittel erinnert.

Sabine Dunzel, die mit ihrem Giftködersuchhund damals im Einsatz war, hatte schon vermutet, dass der Täter „ein Arsenal an Giftstoffen“ besitze. Eine andere Chance, als den Hundehasser auf frischer Tat zu ertappen, sieht Meyer nicht. „Da müssen alle an einem Strang ziehen.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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