Der Riss eines Ponys in Hünxe schlägt weiterhin hohe Wellen. © privat
Wolfsgebiet Schermbeck

Gesellschaft zum Schutz der Wölfe setzt bei Gloria auf Lerneffekt

Der erneute Riss eines Ponys im Wolfsgebiet Schermbeck ruft auch den Verein „Gesellschaft zum Schutz der Wölfe“ auf den Plan. Wölfin Gloria müsse zwei Dinge spätestens jetzt lernen.

Nach dem Riss eines Hünxer Shetland-Ponys in der Nacht zum 4. Januar schlagen die Wogen hoch. Das Gahlener Bürgerforum hatte Ministerpräsident Armin Laschet um Hilfe gebeten, um eine Entnahme der Wölfin zu ermöglichen. Eine Online-Petition zum Schutz von Wölfin Gloria kommt mittlerweile auf über 80.000 Unterstützer.

„Unser aufrichtiges Mitgefühl gilt diesem Tier und seinen Haltern. Derartiges sollte niemand erleben müssen. Allerdings müssen wir Tierhalter immer auch in ihre Verantwortung nehmen. Das Pony war weder durch einen geeigneten Zaun noch durch nächtliche Einstallung gesichert“, kommentiert Dr. Peter Blanché von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe (GzSdW) den Vorfall.

Ziel des Vereins ist die Koexistenz zwischen Menschen und Wölfen, die nach ihrer Ausrottung vor rund 150 Jahren wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind. Aufklärung, Fachwissen sowie finanzielle und praktische Hilfe für alle, die direkt von der Anwesenheit der Wölfe betroffen sind, will der Verein bieten.

„Wölfe sind intelligente Tiere“

Es sei nicht bewiesen, dass bei dem Pony-Riss Wölfe aktiv waren, „aber das ist nicht unwahrscheinlich“, so Blanché. „Wölfe sind intelligente Tiere, sie lernen schnell. Im Schermbecker Wolfsgebiet haben sie jetzt vermutlich einmal mehr die Erfahrung gemacht, dass Weidetiere leichte Beute sind. Die Schermbecker Wölfin sollte aber spätestens jetzt lernen, dass wolfsabweisende Elektro-Zäune schmerzhaft sind und von Herdenschutzhunden Gefahren ausgehen.“

Diese Erfahrungen hätten Wölfe beispielsweise in Sachsen-Anhalt gemacht, wo die Gesellschaft mit der „Interessengemeinschaft Herdenschutz plus Hund e.V.“ zusammenarbeitet. Letztere ist eine Vereinigung von Nutztierhaltern. „Auch in Thüringen ist die Abschussgenehmigung für eine Wölfin zurückgezogen worden, weil sie nicht mehr verhältnismäßig ist“, so Blanché.

Abschussgenehmigung nach Klage zurückgezogen

Die Genehmigung zog das Umweltministerium nach einer Klage von NABU und BUND zurück. Die Herdenschutzmaßnahmen hätten gewirkt, so Umweltstaatssekretär Olaf Möller: Es seien deutlich weniger Übergriffe zu verzeichnen. Allerdings sagte er auch, dass man die Situation neu bewerten müsse, wenn sich die Situation wieder ändere.

Auch in NRW führe kein Weg an Herdenschutzmaßnahmen vorbei, so Blanché. „Gerade bei Hobbytierhaltern, die ihre Tiere häufig besonders ins Herz geschlossen haben.“ Es brauche aber nicht nur den Willen und die Einsatzbereitschaft der Tierhalter, sondern auch Unterstützung des Landes in Form von guter Beratung, finanzieller Hilfe beim Herdenschutz und klaren Regelungen für alle Weidetierhalter sowie „eine offene und intensive Kommunikation mit allen Beteiligten“.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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