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Garten wäre fast für neuen Radweg zwischen Gahlen und Kirchhellen gerodet worden

dzRadweg

Lange wurde der Radweg zwischen Gahlen und Kirchhellen herbeigesehnt. Doch die kürzlich durchgeführten Rodungsarbeiten hätten eine Bestener Familie fast einen Teil des Gartens gekostet.

Schermbeck, Gahlen

, 20.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Planung sieht vor, dass der Weg an der Bestener Straße (L104) von der Gemeindegrenze Kirchhellen kommend auf der rechten Straßenseite gebaut werden soll, bis er an der Pannacker Straße die Straße quert und von dort über den Weg Janbrucksfeld nach Gahlen geführt wird.

Familie kreuzte auf Bogen „Nein“ an

Die Familie, die ihren Namen nicht öffentlich machen möchte, betont, dass sie nicht gegen den neuen Radweg sei. Doch als 2014 seitens Straßen.NRW ein Bogen an die Anwohner der Straße verschickt wurde, ob man bereit sei, private Flächen für den Bau des Radwegs zur Verfügung zu stellen, kreuzte die Familie „Nein“ an.

Geplant wurde der Radweg dennoch am Grundstück der Familie vorbei, wobei er an der Stelle mit der vorgeschriebenen Breite von 2,50 Metern sehr nah an den Garten der Familie grenzt. Am Freitag (18. Januar) war in der Zeitung zu lesen, dass Straßen.NRW Rodungsarbeiten für den Radweg ankündigte. Beginnen sollten diese am Montag (21. Januar), so die Mitteilung der Regionalniederlassung Niederrhein. Bereits am 17. Januar starteten aber tatsächlich die Rodungsarbeiten.

Bestenerin konnte Arbeitstrupp gerade noch stoppen

Die Bestenerin traute ihren Augen nicht, als sie am frühen Samstagmorgen (19. Januar) aus dem Fenster blickte und dort einen Trupp Arbeiter vor ihrem Garten stehen sah. „Ich entdeckte auch ein Raupenfahrzeug. Man hatte bereits die Sägevorrichtung an unserem Baum angesetzt, um ihn zu fällen.“ Die Bestenerin eilte nach draußen, sah zwei Arbeiter mit Kettensägen, die ebenfalls gerade Pflanzen des Gartens wegschneiden wollten. „Ich habe laut Stopp gerufen“, so die Frau.

„Von der Außenwirkung für uns eine Katastrophe!“

Wäre sie an diesem Morgen nicht zufällig zu Hause gewesen, hätten die Arbeiter wohl mehrere Meter des Gartens gerodet. „Was wäre denn gewesen, wenn die Männer hier alles gefällt hätten“, fragt die Bestenerin. Und beantwortet die Frage selbst: „Das wäre einer Katastrophe gewesen.“ Christoph Angenendt, Projektleiter von Straßen.NRW, räumt den Vorfall auf Nachfrage ein. Und benutzt dasselbe Wort: „Von der Außenwirkung für uns eine Katastrophe!“

Angenendt sagt, die beauftragte Firma habe früher als vereinbart angefangen. Es habe in der Firma wohl einen Schichtwechsel gegeben, erfuhr Angenendt auf Nachfrage, der dazu geführt habe, dass auch die Information, dass das Grundstück der Bestener Familie unberührt bleiben sollte, bei den Arbeitern nicht vorlag.

Alte Bäume geopfert

Die Familie ist entrüstet über die Tatsachen, dass ein Teil ihres Gartens fast hätte dran glauben müssen. Und auch über die Art und Weise, wie an anderen Stellen unter anderem auch uralte gesunde Bäume, teilweise mit etwa 90 Zentimetern Stammdurchmesser, geopfert und an Ort und Stelle gehäxelt wurden, um in kleinsten Teilen in einem Heizkraftwerk zu enden - nach einem 250- bis 300-jährigen Baumleben. „Wir prangern an, dass Frevel mit der Natur getrieben worden ist.“

Die Vorwürfe weist Straßen.NRW von sich: „Die Rodungsarbeiten an der L 104 beschränkten sich auf die Bereiche des neu anzulegenden Radweges sowie der dazugehörigen Sicherheitstrennstreifen, Bankette und Entwässerungsgräben/-mulden. Eine darüber hinausgehende Inanspruchnahme (z.B. durch Arbeitsstreifen, Bodenlagerflächen etc.) wurde in der Planungsphase, zum Schutz der Gehölzbestände, frühzeitig ausgeschlossen“, so ein Sprecher. Man habe die Arbeiten außerhalb der Brutzeiten durchgeführt und die Bäume im Vorfeld auf Fledermausvorkommen untersucht.

Ökologischer Ausgleich

Der ökologische Ausgleich wird nicht nur in Gahlen oder Schermbeck ermöglicht. An der Bestener Straße sollen acht Straßenbäume neu gepflanzt, ein Feldgehölz angelegt und ein Abschnitt des Baumbachs naturnah verlegt werden, wobei ein „extensiver Gewässerrandstreifen“ angelegt und zehn Kopfweiden neu gepflanzt werden. In Wesel-Lackhausen werde zusätzlich eine extensiv genutzte Streuobstwiese angelegt, so Straßen.NRW.

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