So wollen Experten die Frage klären, ob Gloria ein Problemwolf ist

Wolfsgebiet Schermbeck

Gloria ist für die Schäfer eine Herausforderung, aber offiziell noch kein Problemwolf. Ein Schäfer, an dem sich dieser Verdacht verdichten könnte, fühlt sich gar nicht wohl in seiner Haut.

Schermbeck, Hünxe

von Elke Silberer

, 25.08.2019, 15:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
So wollen Experten die Frage klären, ob Gloria ein Problemwolf ist

Kurt Opriel, Schäfer, kontrolliert die Elektrische Spannung an seinem Zaun, der die Schwarzkopf-Schafe vor dem Wolf schützen soll. © Caroline Seidel/dpa

Als Kurt Opriel mit seinem Auto vorfährt, kommt Leben in die Herde. 90 Augenpaare schauen in seine Richtung und die Schafe stimmen ihr Begrüßungs-Konzert an. Auch das heisere Rufen zweier Ziegen ist darunter. Alle Tiere munter, alle heil. Die Erleichterung ist dem Schafhalter äußerlich nicht anzumerken. Zu oft hat er diesen Anblick ertragen müssen: tot gebissene Tiere, Blut und der Gedanke, wie seine Schafe in Panik versucht haben, der Wölfin zu entkommen.

Gloria wurde sie vom Landrat genannt. Der Name stammt noch aus der Zeit, in der man hoffte, dass das gut gehen würde mit dem Menschen und dem Wolf. Ein Jahr später hat sich die Diskussion auf die Frage zugespitzt, ob die Wölfin ein Problemwolf ist und „weg muss“.

Wölfin schlug viermal bei Opriels Schafen zu

Opriel hat die Befürchtung, dass sich diese Frage bei ihm entscheiden könnte. Vier Mal hat die Wölfin in seinen Herden zugeschlagen. Der Mann kennt sich mit Zäunen aus. Beruflich vertreibt er sie, zeigt, wie sie aufgestellt werden müssen, welche Fehler die Leute nicht machen dürfen. Natürlich achtet er penibel darauf, selbst keine zu machen.

Auch hier draußen hat er das Gras für den Zaun runtergeschnitten, damit die Halme keinen Strom vom Zaun ableiten: 9200 Volt zeigt sein Messgerät an. Die Werte speichert auch sein Computer zuhause ab. Für alle Fälle. Leute - wahrscheinlich aus dem Lager der Wolfsschützer - hatten in den sozialen Medien suggeriert, er habe keinen Strom auf seinen Zäunen gehabt. Nach den Wolfsangriffen hat er seine Zäune immer weiter hochgerüstet: Von 90 Zentimeter auf gut einen Meter Höhe, jetzt 1,20 Meter. Trotzdem sei der Wolf reingekommen, sagt er.

Spurensicherung

Wenn Blut fließt, kommt die Spurensicherung, wie der Wolfs-Experte beim Landesumweltamt, Matthias Kaiser, im übertragenen Sinne sagt. 25 Mal allein wegen dieser Wölfin. Die Fachleute sichern DNA-Spuren und dokumentieren am „Tatort“ die Schutzmaßnahmen. War genug Strom auf dem Zaun? Gab es Übersprung-Hilfen etwa einen Holzstapel außerhalb des Zauns? War er zum Boden hin dicht?

Sprich: Wurden alle empfohlenen Maßnahmen sorgfältig umgesetzt? „Bislang ist nicht einmal der empfohlene Herdenschutz überwunden worden“, sagt Kaiser. Übersetzt heißt das: Bisher gab es immer Schwachstellen - ausgenommen die noch nicht abschließend geprüften Fälle von Schäfer Opriel.

Nicht mehr tragbar

Die Vorsitzende des Schafzuchtverbands in NRW, Ortrun Humpert: „Die Halter versuchen wirklich, alles zu machen. Und immer heißt es: War nicht genug“, sagt sie. Das Tier sei nicht mehr tragbar und müsse „weg“. Was bedeutet: Dauerhaft verscheuchen oder zum Abschuss freigeben. Tatsächlich gibt es einen Punkt, der am Ende dazu führen könnte: Wenn es einem Wolf gelinge, die empfohlenen und „zumutbaren“ Schutzmaßnahmen zu überwinden, „ist das ein Indiz dafür, dass der Wolf aus Sicht des Menschen ein problematisches Verhalten hat“, sagt Kaiser.

Ob genau das bei dem Schafhalter Opriel der Fall war, prüfen zurzeit Experten, die viel Erfahrung mit Wölfen und Herdenschutz haben, die Fachleute der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf.

Dem Schafhalter vom Niederrhein ist aber nicht wohl bei dem Gedanken, dass Gloria ausgerechnet wegen ihm und seiner Schafe zu Problemwölfin werden könnte. Das fühle sich für ihn an, wie schuldig auf der Anklagebank.

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