Das Gebäude ist bereits entkernt. Der Abriss wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. © Petra Berkenbusch
Neubau von Wohnungen

Ende einer Tradition: Der Rheinisch-Westfälische Hof wird abgerissen

Wo Paula Leers und ihre Familie fast 100 Jahre lang Gastwirtschaft und Hotel betrieben, entstehen bald seniorengerechte Wohnungen. Der Rheinisch-Westfälische Hof steht vor dem Abriss.

An der Schermbecker Mittelstraße ist mit Entkernung und Abriss des Rheinisch-Westfälischen Hofes begonnen worden. Nach und nach wird an dieser Stelle ein Stück Ortsgeschichte verschwinden. Mehr als 100 Jahre beherbergte das Gebäude ein Hotel mit Gaststätte. Jetzt soll an dem traditionsreichen Standort ein Wohngebäude entstehen, errichtet von privaten Investoren aus Schermbeck.

Johann Gerten kaufte den Gasthof 1919. Der Name Rheinisch-Westfälischer Hof war offenbar ein Zugeständnis an die rheinischen Schermbecker und die westfälischen Altschermbecker, die der Wirt beide als Gäste in seinem Haus bewirten wollte.

Wirtin stand mit 92 Jahren noch hinter der Theke

Seine 1921 geborene Tochter Paula Leers und ihr Mann Heinz übernahmen das Geschäft 1946. Seit dem Tod ihres Mannes 1988 führte sie Hotel und Gaststätte in ihrem Geburtshaus allein weiter. 2001 logierten die letzten Hotelgäste an der Mittelstraße, Paula Leers stand bis über ihr 90. Lebensjahr hinaus bis zum Jahr 2013 auf der Grenze zwischen Rheinland und Westfalen hinter der Theke.

Nachdem sich zwei Jahre lang kein Käufer für die Immobilie gefunden hatte, entschied sich die Kommune für den Ankauf des Hauses, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Die Gemeinde ließ sich Erwerb und Umbau der Gaststätte rund 330.000 Euro kosten. Für rund 25 geflüchtete Menschen war das Haus mit den auffälligen Holzbalkonen und roten Trennwänden fortan ein vorübergehendes Zuhause.

Gemeinde offerierte das Grundstück in einem Bieterverfahren

Paula Leers starb 96-jährig im gleichen Jahr, als die Flüchtlingsunterkunft nicht mehr gebraucht wurde: 2017. Danach machte die Gemeinde ihr Vorhaben wahr und legte ein Bieter-Verfahren auf, um das Haus wieder loszuwerden. Investoren mussten nicht nur einen akzeptablen Preis offerieren, sondern auch ein Nutzungskonzept vorlegen.

Dem Vernehmen nach haben zwei Schermbecker Familien den Zuschlag erhalten, die Ruine an der Mittelstraße demnächst durch ein modernes Gebäude mit acht seniorengerechten Wohnungen zu ersetzen. Vorbereitende Arbeiten für den Abriss haben inzwischen begonnen.

Über die Autorin
Redaktion Dorsten
Geboren und geblieben im Pott, seit 1982 in verschiedenen Redaktionen des Medienhauses Lensing tätig. Interessiert an Menschen und allem, was sie anstellen, denken und sagen.
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Petra Berkenbusch

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