„Zusammen anpacken" wollen die Vorstände Rainer Schwarz (l.) und Norbert Scholtholt mit den Mitarbeitern und Kunden der Volksbank Schermbeck. © Berthold Fehmer
Volksbank Schermbeck

Ein Jahr mit Corona, Katastrophenhandbuch und Automatensprengung

Fast ein Jahr mit Corona, Katastrophenhandbuch und Automatensprengung liegt hinter der Volksbank Schermbeck. Wie geht es den Privat- und Firmen-Kunden derzeit finanziell?

Der erste öffentliche Corona-Fall in Schermbeck im März 2020 war ein Mitarbeiter der Volksbank Schermbeck. „Wir sind da offensiv mit umgegangen“, sagt Vorstand Rainer Schwarz heute, der damals zum ersten Mal das „Katastrophenhandbuch“ zücken musste. 20 Mitarbeiter wurden damals in Quarantäne geschickt, angesteckt hatte sich niemand von ihnen.

Nur wenige Tage später, Anfang April 2020, versuchten Unbekannte, den Geldautomaten der Volksbank zu sprengen. Trotz eines Schadens „im sechsstelligen Bereich“ sagt Schwarz jetzt: „Das ist verdammt glimpflich abgelaufen.“ Geld hatten die Automatensprenger nicht erbeutet – gefasst wurden sie aber auch nicht, wie Vorstand Norbert Scholtholt auf Nachfrage sagt.

Die Polizei habe die Täter sogar noch in die Niederlande verfolgt, so Schwarz. Bis nach Utrecht. Rund 150 Kilometer sind das von Schermbeck aus – die Täter schafften diese Strecke in unglaublichen 40 Minuten. „Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 200!“, so Rainer Schwarz.

Möglichst viel Normalität

Normal war in diesem Jahr eigentlich nichts, doch in der Volksbank versuchte man, für die Kunden möglichst viel Normalität herzustellen. Viele Kunden hätten den Kontakt auch gesucht, sagt Schwarz, ab und zu auch, ohne dass ein echter Grund vorlag. „Unsere Kollegen und Kolleginnen im Servicebereich haben den schwierigsten Job im Hause“, so Schwarz.

Während von manchen Experten bereits vor der kommenden Bankenkrise gewarnt wird, sagt Schwarz: „Im Augenblick spüren wir das erstaunlicherweise gar nicht.“ Die Liquiditätslage des Mittelstands sei auch aufgrund der gewaltigen Konjunkturpakete „gar nicht so angespannt“, wobei Schwarz im gleichen Atemzug auf die gebeutelten Branchen hinweist: Hotel- und Gaststättengewerbe, Veranstaltungsbranche, Künstler, Einzelhandel, Freizeitanlagen und Sportstudios.

„Wir rechnen mit mehr Insolvenzen“

„Wir rechnen mit mehr Insolvenzen in den nächsten zwei Jahren“, sagt Schwarz. Belastbare Prognosen über Kreditausfälle für das Jahr 2021 seien derzeit aber kaum möglich.

Norbert Scholtholt stellte die Geschäftszahlen der Volksbank vor. Die Bilanzsumme stieg um 13,9 Prozent auf 609,7 Millionen Euro. Das betreute Kundenvolumen (also alle Kredite und Geldanlagen) wuchs um 10,9 Prozent auf mehr als 1,2 Milliarden Euro. Den Anstieg bei den Geldanlagen führt Scholtholt darauf zurück, dass die Menschen weniger ausgeben konnten (Urlaub, Einzelhandel, Gaststätten …), aber vielleicht aufgrund der Erwartung schlechterer Zeiten mehr zurückgelegt hätten.

50 Kunden zahlen Negativ-Zinsen

Tatsächlich gibt es 50 Kunden, die Negativ-Zinsen auf ihre Einlagen zahlen, so Scholtholt. Meistens sei es aber gelungen, durch alternative Anlageformen dies zu umgehen.

Der Großteil der 134 Millionen Euro neuer Kundenkredite wird für den Wohnbau (69 Millionen Euro) genutzt. 6,3 Millionen Euro wurden in Corona-KfW-Krediten gewährt. 281 Soforthilfen mit insgesamt 3,1 Millionen Euro. Teilweise seien diese schleppend angekommen und hätten sogar zurückgezahlt werden müssen, so Scholtholt.

Betriebsergebnis sinkt um 14,3 Prozent

Trotz des Wachstums im Kundengeschäft von über 10 Prozent sinkt das Betriebsergebnis vor Steuern um 14,3 Prozent auf 5,4 Millionen Euro. Niedrigzins und Regulatorik nennen Scholtholt und Schwarz als Gründe. Statt rund 800.000 Euro Gewerbesteuer wie im Vorjahr werde man nun zwischen 600.000 und 700.000 Euro zahlen. Die Dividende werde in den nächsten Jahren geringer ausfallen.

Ab Jahresmitte sollen Mitglieder sich mit jeweils 6.000 Geschäftsguthaben an der Volksbank beteiligen können. Bisher lag der Wert bei maximal 1.500 Euro. So solle das Wachstum für die nächsten Jahre mit genügend Eigenkapital gesichert werden. „Sehnsüchtig“, so Schwarz, warte man auf die Baugenehmigung für den geplanten Anbau.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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