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Ehemaliger Nottenkämper-Prokurist muss fünf Jahre ins Gefängnis

dzUrteil

Der ehemalige Prokurist der Firma Nottenkämper ist zu insgesamt fünf Jahren Haft verurteilt worden. Allerdings nicht wegen des Vorwurfs, den Ölpellets-Skandal ermöglicht zu haben.

Schermbeck

, 26.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Das Urteil, das Richter Markus van den Hövel am Dienstag der vergangenen Woche verhängte, sieht im Fall des Ex-Prokuristen wegen Bestechung in drei Fällen sowie Steuerhinterziehung in neun Fällen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten vor, wobei das Urteil, das nach einem früheren Bestechungsskandal 2014 vom Bochumer Landgericht gefällt worden war (anderthalb Jahre Haft) miteinbezogen wurde.

Hinzu kamen weitere zwei Jahre und fünf Monate Haft für Untreue und einen weiteren Fall der Bestechung. Unter anderem war Ingo L. vorgeworfen worden, nicht nur Ölpellets in der ehemaligen Tongrube vergraben, sondern auch seinen Chef hintergangen zu haben, als er bei der Lieferung von belastetem Eisensilikatsand pro Tonne 5,50 Euro mitverdient haben solllte. Bei einer Lieferung von rund 180.000 Tonnen bedeutete dies einen Gewinn von einer Million Euro.

Freispruch gefordert

Der Verteidiger hatte für Ingo L., der sich zwischenzeitlich vom Prozess abgesetzt hatte, seinen Suizid vortäuschte und schließlich in Namibia aufgegriffen wurde, einen Freispruch gefordert. Die Staatsanwaltschaft hatte auf fünf Jahre und vier Monate Haft plädiert. Ob das Urteil rechtskräftig wird, hängt davon ab, ob die Verteidigung Rechtsmittel einlegt. Zeit hat sie dazu bis Dienstag (26. März) um 24 Uhr.

Die meisten Schermbecker dürften sich jedoch weniger für Bestechungs- oder Steuerhinterziehungsvorwürfe interessieren, sondern eher für die, nach denen Ingo L. mit einem ausgeklügelten System die illegale Deponierung von 30.000 Tonnen giftiger Ölpellets, mit anderen Materialien vermischt, in der ehemaligen Tongrube in Gahlen ermöglicht haben soll. Dieser Vorwurf wurde allerdings vom Verfahren abgetrennt

„Im Ermessen der Kammer“

Bedeutet dies, dass der Ölpellets-Vorwurf noch gesondert verhandelt wird? Dazu Michael Rehaag, Vorsitzender Richter und Sprecher am Landgericht: „Grundsätzlich ja. Das Verfahren wurde in Bezug auf den ‚Ölpellets-Vorwurf‘ zur gesonderten Verhandlung und Entscheidung abgetrennt. Wann es insoweit eine weitere Hauptverhandlung geben wird, liegt im Ermessen der zuständigen Kammer. Hierzu kann im Moment keine verlässliche Auskunft erteilt werden, weil dieser Punkt auch von der sonstigen Belastung der Kammer abhängt.“

Das Gahlener Bürgerforum nahm noch am Dienstag auf seiner Facebook-Seite Stellung: „Das Szenario ‚Abtrennung des Ölpellets-Skandals, Verurteilung für den Rest und dann eine mögliche Einstellung (gegen Auflage?) wegen der Ölpellets‘ war bzw. ist unsere größte Befürchtung.“ Letzteres drohe angesichts des Arguments des Gerichtssprechers bezüglich der Arbeitsbelastung. „So würden wir nie erfahren, wie die Ölpellets unter Umgehung aller Kontrollmechanismen in die Tongrube der Firma Nottenkämper kamen und wer alles dafür verantwortlich ist.“

Nur wenn man herausfinde, „wie alles gelaufen ist, kann man auch für die Zukunft derartige illegale Praktiken unterbinden“, so das Bürgerforum. „Nachdem sich schon die Staatsanwaltschaft Bochum nicht durch Elan bei der Aufarbeitung dieses Umweltskandals ausgezeichnet hat, liegen unsere Hoffnungen weiterhin bei der Strafkammer des LG Bochum, um für eine Ausarbeitung im Interesse der Öffentlichkeit und der betroffenen Anwohner zu sorgen.“

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