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Drogenhändler auf Grundschulhof geschnappt

dzGerichtsurteil

Marihuana, Ecstasy, Waage und 270 Euro hatte ein Schermbecker (19) dabei, als die Polizei ihn und seine Clique 2018 auf einem Schulhof schnappte. Mit Drogen gehandelt habe er aber nicht.

Schermbeck

, 21.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Diese Meinung vertraten er und sein Anwalt am Dienstag am Amtsgericht Wesel, konnten damit aber sonst niemanden überzeugen. Es habe Hinweise vom Bezirksbeamten und in Sozialen Medien gegeben, dass auf dem Schulhof der Maximilian-Kolbe-Schule sowie am Mühlenteich mit Drogen gehandelt werde, sagte ein Polizist vor Gericht aus, der damals am Einsatz beteiligt war.

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Am 13. Juni 2018 schnappte die Falle zu. Im Rondell der Maximilian-Kolbe-Grundschule saß der damals 19-jährige Schermbecker mit neun anderen Jugendlichen und Heranwachsenden (17-23 Jahre). Dort hätten sie sich regelmäßig getroffen. „Wir hatten auch immer einen Basketball dabei und haben gespielt“, sagte der jetzt 20-Jährige vor Gericht.

Nur um Basketball ging es aber nicht, denn bei der Gruppe fand die Polizei Drogen, verschreibungspflichtige Medikamente und Pfefferspray. Drogen hatten bis auf eine Person alle dabei. Beim damals 19-jährigen Schermbecker sicherte die Polizei 12 Gramm Marihuana, Ecstasy, Amphetamine und Oxycodon - ein starkes Opioid. Dazu eine Feinwaage, Druckverschluss-Tütchen und 270 Euro.

Den Drogenbesitz räumte er ein, nicht aber den Handel. Die Feinwaage habe der Schermbecker eine Woche vor dem Zugriff erworben, „um für sich selbst kontrollieren zu können, ob es soviel Gramm waren wie versprochen“, so sein Anwalt: „Die Schutzfolie war noch drauf.“ Nur Marihuana habe er konsumiert, nicht aber Tabletten, sagte der 20-Jährige. Die habe er von Kollegen bekommen, „zum Ausprobieren“, wie sein Anwalt sagte. Damit sei auch getauscht worden.

„Das wollten Sie alles allein konsumieren?“

„Das wollten Sie alles allein konsumieren?“, fragte die Richterin mit hochgezogenen Augenbrauen den Angeklagten: „Es sieht aus, als wenn Sie einen Gemischtwarenhandel betrieben hätten.“

Eine Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe berichtete, dass die Eltern des 20-Jährigen erzählt hätten, dass dessen bester Freund zuvor weggezogen war. Über einen anderen Freund habe er Anschluss gesucht an diese Gruppe, mit der er etwa ein Dreivierteljahr verkehrte. „Wir sind da so ein bisschen reingerutscht“, sagte der 20-Jährige. Von diesen Leuten habe er sich distanziert. „Eindeutig der falsche Freundeskreis.“

Überprüfung des Straßenverkehrsamtes

„Wie viel haben Sie damals konsumiert?“, fragte die Richterin. Der Rechtsanwalt bat um Verständnis, dass sein Mandant diese Frage nicht beantworten wolle. Denn beim Straßenverkehrsamt sei eine Überprüfung angelaufen und sein Mandant habe einen Drogentest gemacht, der in der letzten Woche ergab, dass der 20-Jährige keine Drogen mehr nehme. Eine Antwort auf die Frage der Richterin könne aber zum „Riesenproblem“ werden, da der Angeklagte auf seinen Führerschein angewiesen sei, um seine Ausbildung fortführen zu können.

Da der Schermbecker keine Vorstrafen hat, eine Reifeverzögerung nicht ausgeschlossen werden konnte und er erkannt habe, „dass das nicht richtig war“, verurteilte die Richterin ihn nach Jugendstrafrecht zu 30 Sozialstunden und einer Geldbuße von 400 Euro, die an die Drogenberatung gehen. Eines gab sie ihm am Ende noch mit auf den Weg: „Wenn Sie als Erwachsener hier säßen, sähen die Folgen ganz anders aus.“

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