Viele Dienstleistungen im Schermbecker Rathaus sollen künftig bequem online erledigt werden können. Bis dahin ist es für die Mitarbeiter der Behörde aber noch ein weiter Weg, den sie im Verbund mit anderen Kommunen gehen wollen. © Berthold Fehmer
Digitalisierung

Digitalisierung der Rathäuser: „Alle stehen vor dem gleichen Problem“

Personalausweis verlängern, Mülltonne ummelden: Solche Dienstleistungen sollen künftig online erledigt werden können. Mit anderen Kommunen will sich Schermbeck dafür zusammenschließen.

Das „Onlinezugangsgesetz“ schreibt vor, dass bis Ende 2022 insgesamt 575 Behördenleistungen online möglich sein sollen. Das Schermbecker Rathaus ist davon aber nur zu einem Teil betroffen: „Wir sind zum Beispiel keine Straßenverkehrsbehörde“, sagt Bürgermeister Mike Rexforth – das Ummelden von Fahrzeugen ist Aufgabe des Kreises.

Hinter den Dienstleistungen stecken in Rat- und Kreishäusern Prozesse, die nun digitalisiert werden sollen. „Einführung eines Geschäftsprozess-Managements“ ist eine Vorlage für den Hauptausschuss (23. Februar) betitelt, in dem die Politik über eine interkommunale Kooperation entscheiden soll.

Kommunen wollen zusammenarbeiten

Die Stadt Willich hat ein solches Projekt mit Kommunen aus dem Verbandsgebiet des Kommunalen Rechenzentrums Niederrhein (KRZN), dem auch Schermbeck angehört, gestartet: Der Kreis Wesel, Hünxe, Xanten, der Kreis Kleve, Geldern, Hamminkeln, Tönisvorst, Grefrath und Niederkrüchten arbeiten dort zusammen. Bottrop und Krefeld streben die Aufnahme in den Verbund an.

Ebenso wie Schermbeck. Per Arbeitsteilung wollen die Kommunen die große Aufgabe der Digitalisierung angehen. Jede Kommune soll zwei bis drei Prozesse pro Quartal untersuchen und digital erarbeiten. Bei Workshops werden die Ergebnisse zusammengetragen und jede Kommune und jeder Kreis profitiert von der Arbeit der anderen Mitglieder. „Alle stehen vor dem gleichen Problem“, sagt Rexforth.

Kosten für neue Software

Mit der „Picture GmbH“ soll ein Prozessnetzwerk aufgebaut werden. Für die nötige Software gibt es bislang eine Kostenschätzung, dass 12.300 Euro pro Jahr in Schermbeck gezahlt werden müssen. Neue Hardware sei erst einmal nicht notwendig, glaubt Rexforth. Die Rechner im Rathaus würden „nach und nach immer modernisiert“.

Der Start könnte mit einer Förderung über 30.000 Euro erleichtert werden, wofür bei der Bezirksregierung Düsseldorf ein Antrag zu stellen wäre. Damit sollen Personalkosten bezahlt werden. „Das wird nicht ausreichen“, sagt Rexforth zu der erwarteten zeitlichen Beanspruchung der Rathaus-Mitarbeiter.

„Am Ende wird es eine Arbeitserleichterung“

Es gehe nun auch darum, diese mitzunehmen. Bei internen Infoveranstaltungen wolle man erklären, „wo wir hinwollen“, so Rexforth. Dabei gelte es auch, Angst vor Neuerungen zu nehmen. „Am Ende wird es eine Arbeitserleichterung und eine große Chance für viele Bereiche sein“, glaubt der Bürgermeister.

Dass Rathaus-Besuche irgendwann komplett überflüssig werden, glaubt er hingegen nicht: „Alles können Sie nicht digitalisieren. Das Hinterlegen eines Fingerabdrucks ist von zu Hause eher schwierig.“

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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