Diese unglaubliche Geschichte erzählte ein 23-jähriger Drogenhändler der Polizei

dzProzess

Fast 39 Gramm Cannabis fand die Polizei 2017 bei einem heute 23-jährigen Schermbecker. Den Polizisten erzählte er daraufhin eine unglaubliche Geschichte.

Schermbeck

, 25.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Raub und Drogenhandel: Wegen dieser Delikte musste sich ein 23-jähriger Schermbecker am Dienstag vor dem Weseler Schöffengericht verantworten.

Cannabis-Samen im Darknet bestellt

Am 28. Mai 2017 fand die Polizei bei ihm fast 39 Gramm Cannabis. Er habe Cannabis-Samen im Darknet bestellt, im Februar in einem Wald in Schermbeck ausgesät und Ende März 300 Gramm geerntet. Den größten Teil habe er bereits für 1800 Euro in die Niederlande verkauft. Das sagte der Schermbecker zumindest der Polizei.

Vor Gericht machte er einen Rückzieher. In Wirklichkeit sei er, damals obdachlos, bei einer Bekannten in Schermbeck untergekommen. Diese habe eines Tages einen „Sack mit Gras“ mitgebracht. Einen Teil davon habe sie ihm abgegeben, zum Eigenverbrauch und Weiterkauf - das räumte der 23-jährige ein.

Schermbecker hat sich eingeschüchtert gefühlt

Warum er die „dolle Geschichte“ dann der Polizei erzählt habe, fragte die Richterin. Er habe sich eingeschüchtert gefühlt und die Bekannte nicht verraten wollen. „Ich hatte Angst, dass ich Probleme kriege mit ihren Leuten in der Szene.“ Auf Nachfrage der Staatsanwältin sagte der Angeklagte, dass gegen die Bekannte tatsächlich nicht weiter ermittelt worden sei.

Für den Rechtsanwalt stand fest, dass die Geschichte des Eigenanbaus aufgrund der kalten Jahreszeit nur ausgedacht sein konnte. Für die Richterin auch: „Wenn das so einfach wäre, warum nehmen Sie dann andere hohe Stromkosten auf sich und bauen ganze Räume dafür?“

Die zweite Anklage lautete auf Raub. In der Unterkunft an der Alten Poststraße hatte der Angeklagte einen Bekannten besucht, wodurch sich ein 62-jähriger Bewohner gegen 4 Uhr gestört fühlte. „Ich hau dir was auf die Schnauze“, habe der Angeklagte gesagt, berichtete der Zeuge, der daraufhin die Polizei rief. Die erteilte einen Platzverweis.

Handy einen Kilometer weiter in den Wald geworfen

Der Angeklagte kehrte aber rund eine Stunde später zurück. Der 62-Jährige ging nach draußen und rief erneut die Polizei. Der Angeklagte folgte ihm. Geschlagen habe er den 62-Jährigen nicht, so der Angeklagte, und dessen Handy habe er nur genommen, weil er gedacht habe, er sei gefilmt worden. Das Handy habe er einen Kilometer weiter in den Wald geworfen.

Das Gericht sah es nach der Zeugenaussage des 62-Jährigen aber als erwiesen an, dass der 23-Jährige ihn mit Fäusten traktiert habe, der 62-Jährige daraufhin gestürzt sei und der 23-Jährige ihm das Handy aus der Hand gerissen habe.

Entschuldigt habe sich der 23-Jährige dafür nicht, sondern im Gegenteil bei späteren Begegnungen wieder Schläge angedroht. „Es tut mir leid“, sagte der Angeklagte nach der Zeugenaussage. Der Geschädigte kühl: „Das nehme ich zur Kenntnis.“ Schwierigkeiten hatte der Angeklagte seit frühester Kindheit. Mit fünf hatte er Angststörungen und war deswegen in Therapie. Ständige Auseinandersetzungen mit der Mutter, die selbst ein Alkoholproblem hatte, Streit mit dem Stiefvater, zwei Aufenthalte in der Kinder- und Jugendpsychiatrie kamen hinzu. Er arbeite jetzt bei einer Entrümpelungsfirma gab der 23-Jährige zu Protokoll. „Ich habe viel Mist gebaut in den letzten Jahren.“

Viele Vorstrafen in jungen Jahren angesammelt

Vorstrafen wegen Sachbeschädigung und Fahren ohne Fahrerlaubnis konnte er schon in jungen Jahren ansammeln. In Dorsten droht eine weitere Strafe, wo er einen mit Silvester-Böllern gefüllten Container eines Baumarkts ausräumte.

Die Staatsanwältin forderte ein Jahr und sechs Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung, der Rechtsanwalt eine „milde Strafe“. Am Ende belegte das Schöffengericht den Mann mit einem Jahr Freiheitsstrafe zur Bewährung. Die Richterin: „Was Dorsten daraus macht, wenn es eine Gesamtfreiheitsstrafe gibt, ist eine andere Sache.“