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Schwarzwälder Kirschtorte? Das kann die Schermbecker Zuckerbäckerin Bianca Dickmann natürlich auch. Ihre Kunden schätzen aber vor allem ihre ausgefallenen und individuellen Motivtorten.

Schermbeck

, 20.04.2019 / Lesedauer: 4 min

Ein Bauernhof in Schermbeck-Bricht. Etwas versteckt hinter einem Schuppen findet man den grünen Doppelcontainer, der früher mal eine Laborküche enthielt. Und im gefliesten Container die Backstube der „Zuckerbäckerin aus Schermbeck“, wie sich Bianca Dickmann genannt hat. Die 38-Jährige hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht: Liebevoll dekorierte Motivtorten, gebacken nach den individuellen Wünschen der Kunden.

Bis dahin war es ein langer Weg. Nach der Gesamtschule fing Bianca Dickmann eine Bäckerlehre bei der mittlerweile nicht mehr existenten Schermbecker Bäckerei Steinkamp an. Damals seien noch amerikanische Torten mit „ekelhafter Creme und Plastikfiguren“ der Renner gewesen - nichts für Bianca Dickmann.

„Nur Brot und Brötchen fand ich doof.“

Nach Abschluss der Lehre absolvierte Dickmann direkt eine Konditorlehre in Dinslaken: „Nur Brot und Brötchen fand ich doof.“ Anschließend arbeitete sie in mehreren Bäckereien, aber so richtig glücklich wurde sie dort nicht. Manche verwendeten Fertigmittel, in manchen durfte sie nicht an die Torten ran. „Motivtorten backten die wenigsten - und wenn, dann war dieser Posten besetzt.“

Bianca Dickmann machte ihren Meister und sich anschließend 2011 selbstständig. Mit einem Verkaufswagen. Warum nicht in einer eigenen Bäckerei? „Das war mir zu groß. Ich bin eher der Mensch, der selber machen möchte. Nicht der, der sagt: Macht mal!“ Ihr Leitspruch: „Man fängt klein an und wächst mit der Aufgabe.“

Hier ist die Zuckerbäckerin zu finden:
  • donnerstags 8.30-13 Uhr: vor „Rossmann“, Mittelstraße 66-70 in Schermbeck
  • samstags 10.30-13 Uhr: Mittelstraße 62 in Schermbeck (Overkämping)
  • sonntags 11-16 Uhr: Shell-Tankstelle/ Weseler Straße 5 in Schermbeck sowie von 11-16 Uhr vor Brücker & Schulte, Hünxer Straße 20 in Hünxe-Drevenack
Außerdem macht Bianca Dickmann samstagmorgens eine „Brötchentour“ in Damm und Bricht, wo sie an verschiedenen Punkten anhält.

Zunächst plante sie, nur Brötchen zu verkaufen und die Torten „nebenbei“ anzubieten. Doch der Bedarf nach Süßem war da. „Heute stehen Brot und Brötchen im Hintergrund.“ Und, das verhehlt sie auch nicht: „Die Torten bringen das meiste Geld.“ Klassiker wie die Schwarzwälder Kirschtorte backt Bianca Dickmann natürlich auch. „Zum Beispiel für die beiden Gaststätten, die Kuchen von mir bekommen.“ Doch der Schwerpunkt liegt bei ihren süßen Kunstwerken.

Ab 35 Euro aufwärts kosten die von ihr liebevoll gestalteten Motivtorten. „Kunden schicken mir oft Fotos von Sachen, die sie im Internet gefunden haben und fragen, ob ich das nachmachen kann.“ Geburtstage, vor allem von Kindern, Kommunion, Konfirmation, Jubiläen: Die Anlässe sind vielfältig. „Manche Kinder habe ich von Anfang an. Jedes Jahr kriegt das Kind eine Torte von mir“, sagt Bianca Dickmann: „Vielleicht mache ich irgendwann die Torte zur Hochzeit, zur Geburt, zur Taufe.“

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Die Zuckerbäckerin aus Schermbeck

An einem Termin im Jahr kommt Bianca Dickmann an ihre Grenzen: „Einschulung ist am schlimmsten“, sagt sie lächelnd. „Im letzten Jahr musste ich 20 Torten backen.“ Da habe sie sich Zettel geschrieben, auf welche Torte welche Deko müsse. „Da kann man seine Kreativität nicht wirklich entfalten.“

Aber sie freut sich jedes Mal über die vielen positiven Rückmeldungen ihrer Kunden, die sie so in den Bäckereien hinten in der Backstube nie bekommen habe. Neben dem persönlichen Kontakt am Verkaufswagen schicken viele Kunden ihr auch Motivvorlagen per Facebook oder WhatsApp. „Einen freien Tag habe ich nicht“, sagt Bianca Dickmann, weil eigentlich täglich Anfragen zu beantworten seien. Eine Woche Vorlauf für Tortenbestellungen, um als Eine-Frau-Betrieb vernünftig planen zu können, hätte sie schon gerne, sagt sie.

Vor allem das „Rumtüfteln“ mache ihr Spaß, sagt sie - dass dabei wenig Freizeit abfällt, findet sie nicht so schlimm. Wenn man ihr zusieht, wie sie einem Marzipan-Baby liebevoll eine Pampers aus Marzipan umlegt, glaubt man ihr das.

Die zehn verrücktesten Torten der Schermbecker Zuckerbäckerin

Hier bekommt das Baby aus Marzipan eine Windel umgelegt. „Sonst ist das zu nackig.“ © Berthold Fehmer

Bianca Dickmann kennt natürlich auch die Youtube-Kanäle, wo spektakuläre Riesentorten von ganzen Teams gebacken werden. „Landschaften, Burgen, Schlösser - so was könnte ich gar nicht umsetzen, weil ich dafür nicht die Kühlmöglichkeiten hätte.“ Bislang seien fünfstöckige Torten ihre höchsten gewesen. Wenn sie manche ihrer opulenteren Torten mit dem Auto ausliefert und die Straße im schlechten Zustand sei, denke sie ab und zu: „Hoffentlich hält die Torte das aus.“

Backmischungen oder vorgebackene Produkte verwendet Bianca Dickmann nicht. Und sie versucht, mit möglichst wenig Gelatine auszukommen. „Ich weigere mich, hohe Torten mit Sahne zu machen.“ Denn wenn beim Kunden das Ergebnis nicht mehr in vernünftigem Zustand ankomme, „ärgert mich das auch“.

Lieber ist ihr, wenn sie etwa Bilder zugeschickt bekommt, wie sich Kinder über ihre Geburtstagstorte freuen. Bislang habe sie auch noch keinen zu extravaganten Wunsch ablehnen müssen. Und was da teilweise für Herausforderungen zu meistern waren, zeigen Bianca Dickmanns zehn verrückteste Torten:

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Die zehn verrücktesten Torten der Schermbecker Zuckerbäckerin

Die zehn verrücktesten Torten der Schermbecker Zuckerbäckerin
19.04.2019
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Das ist keine Handtasche, sondern eine Torte. "Da ist ein fester Kuchen drin", verrät Bianca Dickmann. An der ersten "Handtasche", die ihre Schwester einer Freundin schenken wollte, sei sie "ein bisschen verzweifelt": "Das musste in einer Stunde fertig sein und zuerst klappte das gar nicht."
Wie aus echtem Leder sieht dieser Fußball aus, besteht aber aus Marzipan. "Ich fand den eigentlich ein bisschen grob gearbeitet", sagt Dickmann selbstkritisch. Der runde Ball besteht eigentlich aus zwei Kuchenteilen, für die Bianca Dickmann eine runde Form benutzt.
Der "Unglaubliche Hulk" sprang einem vierjährigen Geburtstagskind aus dieser Torte entgegen. Nach einer Vorlage habe sie das Gesicht aus Marzipan ausgeschnitten, sagt Dickmann. "Explosionstorte" nennt sie das Ergebnis, bei dem sie alles "ein bisschen grob auseinander gerissen" habe, "damit es ein bisschen zerfleddert aussieht".
Eine Riesenfreude machte dieses süße Feuerwehr-Autos den Zwlllingen, deren Vater auch Feuerwehrmann ist. Der Kuchen sei ein "Brownie, den habe ich in einer Ofenform gebacken für die Grundform", sagt Bianca Dickmann.
Offensichtlich "für eine Dame, die gern feiert", war dieser Kuchen gedacht. "Der ist gut angekommen", weiß Bianca Dickmann.
Die Kundenvorgabe "Kämpfende Ritter, zwei Burgen, ein Drache" setzte Bianca Dickmann so um. Die Burgen hat sie auf Esspapier ausgedruckt, die Figuren bestehen aus Marzipan.
Warum jemand dieses üppige Dekolletee als Kuchen haben wollte, vermag Bianca Dickmann nicht mehr zu sagen. "Vielleicht für einen 18-Geburtstag?"
Ein Bagger aus Marzipan baggert im Krokant. "Im Bagger sind Schaschlik-Spieße drin, damit er steif bleibt", sagt Dieckmann.
Dieser Weihnachtsmann ist keine echte Torte, sondern ein "Werbeobjekt". Bianca Dickmann umkleisterte einen Luftballon mit Zeitungspapier, strich ihn mit Fett ein und machte den Bart aus Eiweißspritzglasur. "Drei Jahre hat er gehalten, dann ist er leider irgendwann runtergefallen."

Die Zuckerbäckerin im Internet www.ihre-zuckerbaeckerin.de und bei Facebook
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