Der Stein, in den der Teufel seine Krallen schlug

dzTeufelsstein

Seine Krallen soll der Teufel selbst in den Stein geschlagen haben. Sogar seinen eigenen Straßennamen hat der Teufelsstein. Vor 50 Jahren zog er an seinen jetzigen Standort um.

Schermbeck

, 15.10.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

An der Malberger Straße weisen zwischen der Marienthaler Straße und dem Wachtenbrinker Weg ein Parkplatz und eine kleine Stichstraße mit dem Namen „Zum Teufelsstein“ auf ein einzigartiges Naturdenkmal innerhalb der Gemeinde Schermbeck hin.

Alte Karten verraten ebenso wie der Bericht Hugo Ottos, dass der Stein früher inmitten eines Waldes lag. Von den Waldarbeitern, denen Hugo Otto in den 1890er-Jahren bei den Rodungsarbeiten zusah, erfuhr er, dass der Stein früher einmal wesentlich höher aus der Erde herausragte. „Als ich noch ein Knabe war, konnte man nicht über den Koloss hinwegsehen“, erzählte ihm einer der Holzhauer während der Rodung.

Diese Erzählung deckt sich mit dem Bericht Ferdinand Köhlers aus dem Jahre 1969. Köhler erinnert an seinen Schulausflug des Jahres 1919. Damals sei der Stein so groß wie seine achtjährigen Klassenkameraden gewesen.

Der Stein, in den der Teufel seine Krallen schlug

Als Adele Itjeshorst, Else Buschmann und Hilde Holloh im Jahre 1935 dem Fotografen für eine Aufnahme Modell standen, war der Stein bis auf etwa 60 Zentimeter im Erdboden verschwunden. © privat

Als Adele Itjeshorst, Else Buschmann und Hilde Holloh 1935 für eine Aufnahme Modell standen, war der Stein bis auf etwa 60 Zentimeter im Erdboden verschwunden. Spätestens 1935 muss der Stein dann allerdings zur Ruhe gekommen sein, denn 1969 lag er, wie Ferdinand Köhler schreibt, noch immer 60 Zentimeter hoch frei.

So ganz wird man wohl nicht hinter das geheimnisvolle Versinken des Steines kommen, zumal der Volksmund bisweilen mächtig aufgetragen hat. Denn spätestens seit jenen Tagen im April/Mai 1969, als der Stein mit schweren Gerätschaften von der Weseler Firma Landers aus der Erde und an seinen jetzigen Standort gezogen wurde, weiß man, dass ein paar Zitate aus der Literatur nicht ganz ernst genommen werden dürfen. So werden wohl kaum jemals Waldarbeiter „unter der flachen Südkante des hohen Steines Schutz gegen Unwetter gesucht“ haben.

Der Stein, in den der Teufel seine Krallen schlug

Im Jahre 1969 hat die Weseler Firma Landers den Stein mit schweren Gerätschaften aus der Erde gezogen und an seinen jetzigen Platz gebracht. © Helmut Scheffler (Repro)

Seit der Verlagerung des Teufelssteines vor 50 Jahren kommen regelmäßig Touristen an den neuen Standort, um Fotos zu machen und auf einer Infotafel die Sage von der Herkunft des Teufelssteins zu lesen. Um den Stein ranken sich aber mehrere Deutungsversuche seiner Herkunft.

Zwei dieser Sagen sind dank wiederholter Neuauflagen bis in unsere Tage hinein erhalten geblieben. Der Teufel soll seine Hand im Spiel gehabt haben, und da die Höhlungen in der Oberfläche des Steines den Eindruck von Krallenspuren des Teufels vermittelten, ließ man sich nur zu gern beim Schein des Kaminfeuers von dem sagenhaften Treiben des Teufels einfangen.

Der Teufel und sein Stein

Die wohl ausführlichste Deutung hat Johannes Tidden in den Jahren 1909/10 gegeben. Danach soll der Teufel sein Versprechen, das er im 13. Jahrhundert dem Ritter Sueder von Ringenberg gegeben hatte, eingehalten haben. Vor der Einweihung des Klosters Marienthal soll er versucht haben, das Kloster zu zerstören.

Auf den rauhen Bergen des Ruhrtals hatte er einen mächtigen Felsblock ergriffen und flog damit über Berg und Tal hin zu der Weihestätte“, schreibt Tidden und fügt hinzu, „doch aus den Wassern der Lippe und Issel brauten die Nixen die Herbstnebel, die wogten als mächtiges Wolkenmeer über dem Dunkel des Dämmerwaldes. Als nun der Teufel mit seiner Last über die waldreiche Gegend zwischen beiden Flüssen flog, wurde er im Nebel des Weges unkundig und fuhr in der Irre bald hierhin bald dorthin.“

Tidden weiter: „Als nun die höhersteigende Sonne die Nebelschleier des Waldes hob und er der Gegend kund wurde, auch von ferne das Türmchen des Gotteshauses ragen sah, da sprang zu ihm Glockengeläute und die hellen Stimmen des Lobgesanges der Wallfahrenden, welche das Kloster umzogen, und er erkannte, daß er zur Störung der Weihefeier zu spät gekommen. Auch der teuflisch ersonnene Vertrag mit dem Ritter von Ringenberg hatte dadurch seine Geltung verloren.“

„Düwelssteen“

Die Reaktion des Teufels laut Tidden: „Da wandte er sich zornmütig von dannen und in auflodernder Wut warf er den schwerlastenden Stein von der Schulter. Krachend fuhr der hinab in das Astwerk des Waldes, zersplitternd die von ihm getroffenen Waldriesen, und wühlte sich fest in den moosigen Grund. Da liegt er noch heute, und heute noch nennt ihn der Volksmund ´Düwelssteen`.“

Um wie viel nüchterner klingt die Herkunftsdeutung in den geologischen Publikationen. Die Fachleute, unter anderen Hugo Döbling, sind sich einig, dass es sich einen tertiären Quarzit handelt, der vor etwa 70 Millionen Jahre entstanden ist.

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