Stefan Neuhaus begleitete die Wolfsberaterinnen des LANUV bei ihrem Rundgang. Die Expertinnen kamen schnell und sicherten Spuren. © Helmut Scheffler
Untersuchung läuft

Damwild starb im Gahlener Gehege: Wurde es vom Wolf gerissen?

Im Damwildgehege von Hobbyzüchter Stefan Neuhaus ist ein zweijähriges Tier gerissen worden. Sofort wurden Untersuchungen eingeleitet, denn der Verdacht richtet sich gegen den Wolf.

Hobbyzüchter Stefan Neuhaus beklagt den Verlust eines zweijährigen Damwildes. Während seine 19-köpfige Herde am Freitag gegen 17.30 Uhr noch komplett war, bekam er am Samstagmittag von einer Nachbarin den Hinweis auf ein totes Tier. Stefan Neuhaus meldete den Vorfall umgehend beim LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen).

Ob es ein Wolf war, der das Wildtier riss und vor dem Verlassen des Geheges an der Gahlener Heisterkampstraße an mehreren Stellen Teile der Innereien liegen ließ, muss noch festgestellt werden. Mitglieder des Gahlener Bürgerforums (GBF), die bei zahlreichen Wolfsrissen Erfahrungen sammeln konnten, sind angesichts der festgestellten Verletzungsmerkmale allerdings fest davon überzeugt.

Kein schöner Anblick: das gerissene Wildtier im Gahlener Gehege. © Helmut Scheffler © Helmut Scheffler

Bisherige Fälle wurden unterschiedlich bewertet

Bei den beiden bisherigen Rissen auf der Weide der Familie Neuhaus gab es seitens des LANUV unterschiedliche Bewertungen. Das Damwild, das am 26. August 2020 bei Neuhaus gerissen wurde, starb an den Folgen eines Bisses, den die Wölfin „Gloria“ (GW954f) verursacht hatte. An der obersten Litze wurden Haare gefunden und fotografiert. Als die Wolfsberater dann am späten Nachmittag zur Besichtigung vor Ort erschienen, waren die Haare vom Wind verweht.

Beim zweiten Vorfall am 18. September 2020 wurden Haare von der Litze entfernt und eingetütet – im Beisein des Bürgermeisters, der das Tütchen anschließend in Verwahrung nahm. „Vom LANUV hat sich danach niemand gemeldet, um mitzuteilen, wie mit den Haaren umzugehen ist“, berichtet Dr. Stefan Steinkühler vom GBF. Dieser Tierriss wurde nicht als Wolfsriss in die Liste des LANUV übernommen.

Bei der schnellen Kontrolle wurden Proben gesichert

Diesmal verlief die Kontrolle wesentlich schneller. Gegen 16.30 Uhr trafen am Samstag zwei Wolfsberaterinnen am Gahlener Heisterkamp ein. Eine intensive Besichtigung des gerissenen Damwildes erfolgte ebenso wie die Entnahme von Materialien für die DNA-Probe und ein gemeinsamer Gang entlang des umgrenzenden Zaunes. Beim Rundgang wurden Haare an der obersten Litze gefunden, die zur Kontrolle mitgenommen wurden. An zahlreichen Stellen wurde die Höhe des Zaunes gemessen. Auf dem westlich liegenden Acker wurden Kratzspuren festgestellt, die denen ähneln, die man bisher bei nachgewiesenen Wolfsrissen registrierte. Anzeichen für den Versuch, den Zaun zu untergraben, wurden nirgendwo festgestellt.

Stefan Neuhaus zeigte sich indes enttäuscht über die schleppende Bearbeitung eines Antrags, den er im September bei der Bezirksregierung gestellt hat, um Fördermittel für die Errichtung eines 1,80 Meter hohen Schutzzaunes zu bekommen. Nach einem halben Jahr ohne Mitteilung setzte er nach. Von zehn Tagen erhielt er den Förderbescheid und vor drei Tagen das Geld. Vor dem Förderbescheid darf man nicht mit der Baumaßnahme beginnen. „Hätte ich den Bescheid vor einem halben Jahr bekommen, dann hätte das Tier nicht sterben müssen“, sagt Neuhaus.

Kreis Wesel informiert über Donnerstag über Herdenschutz

Noch bleibt der Damwildzüchter Neuhaus seinem Hobby treu, das er von seinem Vater Odilo Neuhaus nach 40 Jahren im Jahre 2012 übernahm. Aber er hat Verständnis dafür, wenn Hobbyzüchter – wie sein Nachbar – nach sehr viel mehr Wolfsrissen und schlechter Unterstützung durch die Behörden ihr Hobby für immer aufgeben.

Nur wenige hundert Meter entfernt informiert der Kreis Wesel am Donnerstag ab 10 Uhr im Bereich der Schafherde am Elsenweg 43 über verschiedene Herdenschutzmaßnahmen.

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Im Verlauf von mehr als vier Jahrzehnten habe ich das Zusammenwachsen von acht ehemals selbstständigen Gemeinden miterlebt, die 1975 zur Großgemeinde Schermbeck zusammengefügt wurden. Damals wie heute bemühe ich mich zu zeigen, wie vielfältig das Leben in meinem Heimatort Schermbeck ist.
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