Coronavirus: Neue Regeln sorgen für Arbeitsflut im Ordnungsamt

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Die Infektionszahlen steigen, die Corona-Regeln für die Bürger werden mehr. Kontaktlisten bei Gastronomen soll etwa das Ordnungsamt kontrollieren. Das hat derzeit aber ganz andere Probleme.

Schermbeck

, 11.10.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bislang, so Gerd Abelt, Stellvertreter des Bürgermeisters, habe die Gemeinde Schermbeck bei Gastronomen noch keine Verstöße gegen Corona-Regeln mit Bußgeldern geahndet. Allerdings sagt er auch deutlich über das Schermbecker Ordnungsamt: „Es ist kaum leistbar, bei dieser Personaldecke noch in die Gaststätten zu gehen und Listen zu kontrollieren.“

Nominell drei Mitarbeiter zählt das Schermbecker Ordnungsamt - im April war der Ordnungsdienst kurzfristig aus Mitarbeitern anderer Abteilungen auf eine Stärke von 20 aufgestockt worden.

Die geringe Mitarbeiteranzahl bedeute allerdings nicht, dass es nicht stichprobenartige Kontrollen in Gaststätten gebe. Nach dem Konzert von Florian Ostertag sei man noch ein Bier trinken gegangen, sagt Abelt. Und bei dieser Gelegenheit habe dann schon geschaut, ob Listen ausliegen, Desinfektionsmittelspender aufgebaut sind, der Mund-Nasenschutz getragen werde. Grund zur Beanstandung habe es aber keinen gegeben.

Gastwirte nehmen die Regeln ernst

Dass dies in Schermbeck bislang gut funktioniere, liege auch daran, dass die Gastwirte erkannt hätten, dass es in ihrem eigenen Interesse sei, wenn sie die Regeln ernst nähmen, so Abelt. Es ginge schließlich um die eigene Existenz, falls Läden im schlimmsten Fall geschlossen werden müssten.

Viel Arbeit bereiten derzeit die privaten Feierlichkeiten, die zuvor für das Ordnungsamt so gut wie keine Rolle spielten. „Private Feierlichkeiten aus herausragendem Anlass (zum Beispiel Hochzeitsfeiern) außerhalb des eigenen privaten Bereichs müssen – wenn mindestens 50 Teilnehmer erwartet werden – mindestens drei Werktage vorher beim örtlichen Ordnungsamt angemeldet werden“, schreibt das Land NRW vor.

„Bevor ich mir das alles durchlese, rufe ich lieber an“

Für die Mitarbeiter des Schermbecker Ordnungsamtes bedeute dies derzeit täglich anderthalb Stunden Telefonate, sagt Abelt. „Die Bürger wollen sich informieren und beraten lassen.“ Angesichts der vielen Vorschriften gelte scheinbar: „Bevor ich mir das alles durchlese, rufe ich lieber an.“

Eine verantwortliche Person für die Feier müsse benannt werden, eine Gästeliste geführt und später eingereicht werden. „Die prüfen wir nach Vollständigkeit“, sagt Abelt. Art der Veranstaltung, Zahl der Gäste, der Ort, die Plausibilität der Anschriften - all das bedeute zusätzliche Kontroll-Arbeit beim Ordnungsamt.

Letzteres müsse dabei auch stets den Wert der aktuellen 7-Tage-Inzidenz im Auge behalten, so Abelt, da beim Überschreiten von Werten andere Regeln in Kraft gesetzt werden können. Bei allen Corona-Fragen sei das Ordnungsamt immer mit eingebunden, sagt Abelt, etwa bei Infektionsfällen an Schulen. „Seit März orgeln wir hier.“

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