Coronavirus bremst auch das Gahlener Schützenbrauchtum aus

dzSchützenverein Gahlen

Das Coronavirus bremst auch das Gahlener Schützenbrauchtum aus. Trotzdem zogen die Schützen mit dem Königspaar am Samstag auch ohne Inthronisation zum Ehrenmal.

Schermbeck

, 21.06.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass Kriege in der mehr als 500-jährigen Geschichte des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Gahlen mehrfach für eine Unterbrechung des jährlichen Schützenbrauchtums geführt haben, ist in der Vereinschronik fürs 20. Jahrhundert gleich zweimal belegt. Dass aber ein nicht sichtbares Coronavirus das ländliche Schützenbrauchtum mächtig durcheinanderwirbeln kann, damit hatten Philip Uhlenbruck und Lena Großblotekamp nicht im Geringsten gerechnet, als sie am 29. Juni des vergangenen Jahres als neue Regenten im Lippedorf inthronisiert wurden.

Thron verlängert die Regentschaft um ein Jahr

Eigentlich hätten das Königspaar und die Hofpaare Dennis Feldkamp/Linda Kleinespel und Steffen Großblotekamp/Gina Kleinespel am Samstag die Königskette und die Krone der Königin an ihre Nachfolger übergeben müssen, aber wegen der Corona-Pandemie hatte der Verein auf ein Schützenfest mit einem Majestätenwechsel verzichtet. Und da der Verein schon auf den Seniorennachmittag, aufs Doppelkopfspielen, auf die Vorparade und das Schützenfest verzichtete, hat sich der Thron recht gerne für die Verlängerung der Regentschaft um ein weiteres Jahr bereiterklärt.

Oberst Dominik Schneider und sein Adjutant Jörg Rademacher (vorne, v.l.) führten mit dem „1. Spielmannszug 1919 Gahlen“ den Zug der Schützen über die Kirchstraße an.

Oberst Dominik Schneider und sein Adjutant Jörg Rademacher (vorne, v.l.) führten mit dem „1. Spielmannszug 1919 Gahlen“ den Zug der Schützen über die Kirchstraße an. © Helmut Scheffler

Um wenigstens einen Hauch von Schützenbrauchtum durchs Dörfchen wehen zu lassen, hatte der vom Oberst Dominik Schneider geleitete Vereinsvorstand bereits am Freitag an vier Stellen des Ortes grün-weiße Wimpelketten aufgehängt. An diesen Wimpelketten zwischen dem Schießstand auf dem Parkplatz Törkentreck und dem Ehrenmal an der Einmündung der Bruchstraße in die Kirchstraße orientierten sich die Schützen am Samstag während ihres Umzugs.

Der „1. Spielmannszug Gahlen“ sorgte unterwegs für zackige Marschmusik. Vor dem Vereinslokal „Zur Mühle“ standen die Damen der vierten Kompanie mit ihren grün-weißen Schirmen, um den vorbeimarschierenden Schützen zuzuwinken, in deren Reihen auch der Generaloberst Klaus Schürmann mitmarschierte.

„Dies Jahr ist alles anders“

„Dies Jahr ist alles anders.“ Mit diesen Worten erinnerte der Gahlener Pfarrer Christian Hilbricht am Ehrenmal an die Folgen das Coronavirus, das nicht – wie Ebola - irgendwo in Afrika stattfand oder sich – wie die Pest – irgendwann in der langen Menschheitsgeschichte ereignete, sondern in der Gegenwart und im engsten Umfeld.

Vor dem Schießstand auf dem Parkplatz Törkentreck versammelten sich am Samstagnachmittag die Gahlener Schützen vor dem Abmarsch zum Ehrenmal.

Vor dem Schießstand auf dem Parkplatz Törkentreck versammelten sich am Samstagnachmittag die Gahlener Schützen vor dem Abmarsch zum Ehrenmal. © Helmut Scheffler

Oberst Dominik Schneider legte zu Ehren der gefallenen und vermissten Soldaten der beiden Weltkriege und zur Erinnerung an die Opfer des Coronavirus am Ehrenmal einen Blumenkranz nieder. Danach zogen die Schützen über die Kirchstraße, die Paßstraße und Haus-Gahlen-Straße zurück zum Vereinslokal, wo der Major Thorsten Scholten die Schützen „zum Biertrinken wegtreten“ ließ.

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