Ein Schild in einem Bus weist Passagiere darauf hin, Abstand zu dem Busfahrer einzuhalten. Busfahrer gehören zur geöffneten Priorisierungsgruppe 3, müssen aber noch auf ihre Corona-Impfung warten. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/KEYSTONE
Coronavirus

Busfahrer (63) wartet weiter auf Impfangebot: „Nicht nachvollziehbar“

Keine Chance auf Homeoffice und bis zu 200 Fahrgäste am Tag: Ein Busfahrer aus Schermbeck sieht seinen Berufsstand bei der Impf-Priorisierung benachteiligt.

Es geht voran mit der Impfkampagne in Nordrhein-Westfalen. Seit Donnerstag (6.5.) ist die Prioritätsgruppe 3 geöffnet. Weil die Impfkontingente aber nach wie vor begrenzt sind, wird zunächst innerhalb der Gruppe noch einmal priorisiert.

Impfberechtigt sind nun auch Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen und Schwangeren, Eltern von schwer erkrankten Minderjährigen sowie mehrere Berufsgruppen. Dazu zählen unter anderem Beschäftigte im Lebensmittelhandel und in Drogerien, Lehrer und andere Beschäftigte an weiterführenden Schulen sowie Richter, Staatsanwälte und Gerichtsvollzieher.

Ab der zweiten Mai-Hälfte sollen dann auch Beschäftigte der Polizei, des Katastrophenschutzes und der Feuerwehr die Möglichkeit bekommen, einen Termin im Impfzentrum zu buchen.

Nicht dabei sind vorerst die Busfahrer. Sie gehören zwar auch zur Gruppe 3, müssen sich aber noch gedulden. „Wenn man sieht, wer jetzt teilweise vorgezogen wird, ist das nicht immer nachvollziehbar“, sagt ein Busfahrer aus Schermbeck, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Bis zu 200 Fahrgäste pro Tag

Er fährt für ein Unternehmen aus dem Kreis Borken. Seine Routen führen ihn regelmäßig auch durch Dorsten, Schermbeck und Raesfeld, manchmal auch in die Landkreise Coesfeld und Steinfurt. Bei geöffneten Schulen, sagt der 63-Jährige, befördere er manchmal bis zu 200 Personen am Tag. „Privat kann ich meine Kontakte einschränken, bei der Arbeit ohne Chance auf Homeoffice geht das nicht. Fahrer und Handwerker fallen bei den Impfungen meiner Meinung nach hinten raus.“

Während der Sonderaktion mit Astrazeneca für über 60-Jährige in der ersten April-Hälfte habe er sich vergeblich um einen Termin bemüht. „Beim Hausarzt stehe ich auf der Warteliste.“ Dann noch in der Zeitung zu lesen, dass es Ärzte gibt, die offenbar aktiv auf Unternehmen zugehen, um deren Mitarbeiter zu impfen, mache ihn wütend.

Drängeln wolle er nicht, betont der Busfahrer. Es sei beispielsweise gut, dass nun endlich Beschäftigte im Lebensmittelhandel an der Reihe seien. „Die haben auch viel mehr Kontakte als andere.“ Die Sorge vor Mutationen und die hohen Inzidenz-Werte in jüngeren Altersgruppen beschäftigen ihn aber weiter. Auch wenn die Schüler sich nach seinen Beobachtungen vorbildlich verhalten: „Die halten sich alle an die Regeln!“ Am Montag kehren die Schulen im Kreis Recklinghausen in den Wechselunterricht zurück. Dann wird es auch wieder voller in den Bussen auf der Dorsten-Route des Busfahrers.

Am Freitag meldete sich der Busfahrer noch einmal in der Redaktion. Nach der Freigabe von Astrazeneca für alle habe er sich sofort um einen Termin im Impfzentrum bemüht – und auch einen in der kommenden Woche erhalten.

Über den Autor
Redakteur
Einst aus Sachsen nach Westfalen rübergemacht. Dort in Münster und Bielefeld studiert und nebenbei als Sport- und Gerichtsreporter gearbeitet. Jetzt im Ruhrpott gelandet. Seit 2016 bei Lensing Media.
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Robert Wojtasik
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