Bund will Abschuss von Wölfen erleichtern - was bedeutet das für Wölfin Gloria?

dzWolfsgebiet Schermbeck

Wenn Tierhaltern durch Wolfsrisse ernste Schäden drohen, sollen Wölfe künftig getötet werden dürfen. Was das für das Wolfsgebiet Schermbeck bedeutet, erklärt ein Umweltministeriums-Sprecher.

Schermbeck

, 22.05.2019, 16:25 Uhr / Lesedauer: 1 min

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine entsprechende Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes auf den Weg gebracht, die vom Parlament noch beraten werden muss. Demnach dürfen Wölfe künftig getötet werden, wenn ein „ernster“ Schaden vorhanden ist oder droht. Bislang ist das nur bei „unzumutbarer“ oder „existenzgefährdender“ Belastung erlaubt.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist die Zahl der von Wölfen verwundeten oder gerissenen Tieren in den vergangenen Jahren stark gestiegen. 2014 lag sie bei 33, 2014 bei knapp 400, 2017 schon bei mehr als 1.600, die überwiegende Mehrheit davon waren Risse von Schafen. Die wirtschaftlichen Schäden konnten nicht beziffert werden.

„Wölfe klettern eher“

Peter Schütz, Sprecher des NRW-Umweltministeriums, macht deutlich, dass die Neuregelung keine Genehmigung für einen Abschuss der Schermbecker Wölfin Gloria bedeutet. Nur wenn ein Wolf gelernt habe, die zur Wolfssicherung empfohlenen Elektro-Zäune zu überspringen, könne diese Regelung greifen. „Wölfe klettern eher, als dass sie springen, oder wühlen sich unter Zäunen durch“, sagt Schütz auf Anfrage.

Genehmigungsbehörde für einen möglichen Abschuss eines verhaltensauffälligen Wolfs sei die Untere Landschaftsbehörde. „Die wird sich bei der Landesregierung sicherlich Rückendeckung holen“, ist Schütz überzeugt.

Zwei Nutztierrisse

Im Schermbecker Wolfsgebiet ist es um Wölfin Gloria ruhiger geworden. „Nur“ zwei Nutztierrisse, in Hünxe und Oberhausen, konnten in diesem Jahr der Wölfin nach Überprüfung der DNA-Spuren zugewiesen werden. Schütz glaubt, dass vielleicht schon die Herdenschutzmaßnahmen greifen könnten: „Wölfe sind lernfähig. Wenn sie ein paar Mal an einem Elektrozaun Schmerzen empfangen haben, können sie wieder umlernen.“

Falls Gloria tatsächlich einen Partner finde und Nachwuchs zeuge, von denen ein Wolf auffällig werde, könne eine Abschussgenehmigung erteilt werden. Problematisch bei Rudeln sei aber für denjenigen mit dem Gewehr, dass er ja kaum wissen könne, ob er den richtigen Wolf im Visier habe. Falls sich nach dem Abschuss herausstelle, dass nicht der verhaltensauffällige Wolf erlegt worden sei, könne eine weitere Abschussgenehmigung ausgestellt werden, so Schütz.

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