Birgit Gerhards verlässt die Gemeinde - „Einige waren erschrocken“

dzSt. Ludgerus

Einige Gemeindemitglieder seien „ganz erschrocken“ gewesen, sagt Pastoralreferentin Birgit Gerhards. Sie verlässt nach 13 Jahren die Ludgerusgemeinde. Ihre Nachfolgerin steht bereits fest.

Schermbeck

, 12.09.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein Doppelschlag, den die katholische Gemeinde in Schermbeck in diesem Jahr verkraften muss. Neben den vielen Unsicherheiten durch die Coronakrise verließ Pfarrer Klaus Honermann Mitte des Jahres die Gemeinde in Richtung Xanten - und Mitte Oktober wechselt auch Pastoralreferentin Birgit Gerhards zur St.-Nikolaus-Gemeinde in Münster.

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Die 52-Jährige kam am 1. September 2007 nach Schermbeck, zuvor hatte sie elf Jahre lang in Recklinghausen gearbeitet. In Recklinghausen habe sie sich von vorneherein vorgenommen, nach zehn Jahren zu wechseln. „Diese Perspektive gab es in Schermbeck nicht.“

Ihre Ausbildung zur Trauerbegleiterin habe ihr gezeigt, „dass ich Interesse an dieser Arbeit habe“, sagt Gerhards. In einem Perspektiv-Gespräch, das mit jedem Mitarbeiter im Bistum geführt wird, wenn er 50 Jahre alt wird, habe sie gesagt, dass sie hier eine neue Herausforderung suche.

„Bis Mitte Mai hieß es, es gibt einen neuen Pfarrer“

Als später bekannt wurde, dass Pastor Honermann die Gemeinde verlassen würde, habe sie um Versetzung gebeten. Ohne zu wissen, dass die Stelle von Honermann nicht neu besetzt werden würde: „Bis Mitte Mai hieß es, es gibt einen neuen Pfarrer.“ Nun müsse das Leitungsmodell und die Gemeindestruktur neu gedacht werden, so Gerhards. Pfarreirat und Kirchenvorstand hätten sich auf einen Neustrukturierungsprozess mit Begleitung eingelassen.

Im August sei sie vom Bistum über die Stelle in St. Nikolaus informiert worden, nach Gesprächen sei am 31. August klar gewesen, dass „meine Zeit hier mit dem 15. Oktober endet“. Am Wochenende, 10. und 11. Oktober, will sie sich von der Gemeinde verabschieden.

„Das können Sie doch nicht machen!“

Die Gemeindemitglieder wurden von ihr am Wochenende informiert. Viel Bedauern habe sie als Reaktion erhalten, „einige waren ganz erschrocken“. „Du gehörst doch zu Schermbeck“, hätten einige gesagt. Eine Dame habe mit erhobenem Zeigefinger gesagt: „Das können Sie doch nicht machen!“ Um dann aber hinzuzufügen: „Für uns ist es schade.“

„Fünf Wochen Abschied, das ist nicht viel nach 13 Jahren“, sagt Gerhards, die bedauert, aufgrund der Corona-Bestimmungen nicht noch einige Gruppierungen einladen zu können. Sternsinger, Trauergruppen, KFD, Kindergärten, Kommunionvorbereitung, Grundschulgottesdienste, die jährlichen Besinnungstage für Frauen auf Wangerooge, die Familiengottesdienste - all das gilt es nun, hinter sich zu lassen. Stolz ist Gerhards, wie gut sich die KFD entwickelt habe. Anfangs sei sie mit dem Fahrrad durch die Gemeinde gefahren und habe an Türen geklingelt, um Frauen für diese Arbeit zu finden - jetzt seien die Frauen so eigenständig, „dass die KFD nicht zusammenbricht, weil ich nicht mehr da bin“.

„Jetzt kommt ein Stück Kirchenrealität hier an“

„Es gilt, sich von alten Kirchenbildern zu verabschieden und neue zu entwickeln“, sagt Gerhards über die Zukunft der Ludgerusgemeinde. Wie das Ziel aussehen könnte, werde nun erarbeitet. „Auf Dauer wird es nicht mehr das eine Modell geben“, dazu seien die Gemeinden von ihrer Lage, den Personen und Möglichkeiten zu unterschiedlich. Viele andere Gemeinden hätten bereits Fusionsprozesse durchlaufen. „Der Prozess, sich von Gewohntem zu verabschieden, ist bisher an Schermbeck vorübergegangen. Jetzt kommt ein Stück Kirchenrealität hier an“, so Gerhards Einschätzung.

Desirée Kaiser ist die Nachfolgerin für Birgit Gerhards.

Desirée Kaiser ist die Nachfolgerin für Birgit Gerhards. © Bistum Münster

Helfen bei diesem Weg wird Gerhards Nachfolgerin Desirée Kaiser, die voraussichtlich Mitte November ihren Dienst in St. Ludgerus antritt. Die 29-Jährige arbeitet derzeit noch in Moers in der Pfarrei St. Josef.

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