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Bauarbeiten für Zeelink-Ferngasleitung haben begonnen

dzZeelink

Die Bauarbeiten für die Zeelink-Ferngasleitung haben begonnen. Die Projektverantwortlichen schilderten am Mittwoch, was die Schermbecker und Raesfelder nun erwartet.

Schermbeck, Raesfeld

, 10.04.2019 / Lesedauer: 4 min

216 Kilometer lang wird die Erdgasleitung von Lichtenbusch an der belgisch-deutschen Grenze bis Legden. 18 Meter lang sind die Rohrstücke mit 17 Millimeter Wandstärke, von denen 12.000 Stück gebraucht werden. Zusammengehalten werden sie am Ende von 40 Kilometer Schweißnähten. 100.000 Tonnen Stahl werden insgesamt verbaut.

Bauarbeiten für Zeelink-Ferngasleitung haben begonnen

So soll die Zeelink-Trasse verlaufen. © Open Grid Europe

Das sind nur einige Zahlen dieses Mammut-Projekts, für das die ersten Baumaschinen nun losgerollt sind. Von den Bezirksregierungen Köln und Düsseldorf hat das Unternehmen Open Grid Europe die Planfeststellungsbeschlüsse im Januar erhalten. Der von der Bezirksregierung Münster wird am Montag (15. April) übergeben. Damit hat das Unternehmen ab der Station Dämmerwald Richtung Norden Baurecht.

Projektleiter Franz-Josef Kißing sagt, er sei mächtig stolz, dass man das „sehr auf Kante genähte“ Projekt im Zeitrahmen gehalten habe. Im März 2021 soll die Leitung in Betrieb genommen werden. Bis Ende 2020 sollen die Bauarbeiten beendet sein, dann stünden noch einige technische Prüfungen an, sagt Kißing.

Klagen eingereicht

Gegen den Planfeststellungsbeschluss der Bezirksregierung Düsseldorf wurden fünf Klagen erhoben, sagt Kißing. Darunter die Gemeinde Hünxe, der laut Kißing in einem anwaltlichen Gutachten im Vorfeld von der Klage abgeraten worden sei. „Das sind politisch motivierte Dinge.“ Eine Klage kam aus dem Raum Aachen, drei aus Schermbeck.

Grundsätzlich hätten die Klagen keine aufschiebende Wirkung, sagt Kißing, aber bei drei Klagen seien diese mit Eilrechtsschutzanträgen versehen worden. „Da wird jetzt kurzfristig drüber entschieden.“ Zuständig ist das Oberverwaltungsgericht Münster.

Der Planfeststellungsbeschluss aus Münster wird vom 30. April bis zum 14. Mai ausgelegt, anschließend haben Bürger einen Monat Zeit, Klage einzureichen. „Ich rechne damit, dass Klagen kommen“, sagt Kißing.

Fünf Baulose

Aufgeteilt sind die Arbeiten in fünf Baulose. Im ersten, zweiten und vierten wurde mit den Arbeiten begonnen. Schermbeck (bis zur Station Dämmerwald) liegt im Baulos vier, wo die Bauarbeiten in St. Hubert begonnen haben und Richtung Norden fortschreiten. St. Hubert (Stadt Kempen) liegt in Höhe Krefeld. Wie lange dauert es da, bis Schermbeck erreicht wird? „Voraussichtlich im nächsten Jahr“, sagt Kißing, wobei vorbereitende Maßnahmen auch schon eher erfolgen könnten. Auch in Raesfeld geht es erst im kommenden Jahr los.

Bauarbeiten für Zeelink-Ferngasleitung haben begonnen

Ein Luftbild vom Rohrlager-Platz in Wulfen © Open Grid Europe

Dazu zählen das Anlegen von Rohrlagerplätzen etwa alle fünf Kilometer entlang der Trasse. Einen großen Lagerplatz gibt es bereits in Dorsten-Wulfen an der Bundesstraße 58 auf dem ehemaligen RAG-Gelände. „Vielleicht können wir uns damit den einen oder anderen Rohrlagerplatz sparen“, sagt Kißing.

Bauarbeiten für Zeelink-Ferngasleitung haben begonnen

In Wulfen (Foto) ist einer von zwei großen Rohrlager-Plätzen eingerichtet worden. Weitere kleinere Rohrlagerflächen werden entlang der Zeelink-Trasse im Abstand von etwa fünf Kilometern entstehen. © Open Grid Europe

34 Meter breiter Arbeitsstreifen

Zu vorbereitenden Maßnahmen zählen auch, wo erforderlich, das Fällen von Bäumen in dem 34 Meter breiten Arbeitsstreifen, das Abtragen des Mutterbodens, die Kampfmittelerkundung und archäologische Untersuchungen. Besonders die letzten beiden Punkte könnten für Verzögerungen sorgen, da die Untersuchungen sehr aufwendig und komplex sein können.

Bei der Bauausführung werden die Rohre angeliefert und bei Bedarf um bis zu 14 Grad auf der Baustelle gebogen, anschließend zusammengeschweißt und nach der Öffnung des Grabens von Rohrverlegemaschinen, sogenannten Seitenbäumen, hineingehoben. 300 bis 500 Meter schaffen die Maschinen pro Tag.

Der Boden wird in drei bis vier Schichten dabei zunächst heraushoben und in umgekehrter Reihenfolge wieder eingebracht. Viele Landwirte befürchten, dass nach den Arbeiten auf ihren Äckern Ernteeinbußen im Trassenverlauf entstehen könnten. Dies sei bei Rohrverlege-Arbeiten in den 70er-Jahren tatsächlich passiert, sagte Open-Grid-Sprecher Helmut Roloff, damals seien die Bodenschichten allerdings nicht getrennt entnommen worden.

Bauarbeiten für Zeelink-Ferngasleitung haben begonnen

Links Baustelle, rechts die gleiche Fläche nach der Rekultivierung © Open Grid Europe

Und was geschieht, wenn ein Landwirt nach Ende der Arbeiten Jahre später dennoch Ernteeinbußen nachweisen kann? „Dann wird ein Gutachter bestellt. Falls es wirklich so sein sollte, wird der Landwirt entschädigt“, sagt Roloff, allerdings auch, dass er damit nicht rechne. Im Unternehmen seien auch Landwirte beschäftigt, die die Landwirte vor Ort zum Umgang mit dem Boden nach den Arbeiten informierten.

Stichwort Information: Das Unternehmen bringt eine Bürgerzeitung mit dem Titel „Zeelink kommt“ heraus. Infos gibt es auf der Homepage zeelink.de .„Grundstücksbetroffene“ werden vier Wochen vor Baubeginn vom Unternehmen persönlich informiert.

Energiewende

Kißing erläuterte auch, warum diese Leitung wichtig sei. Was derzeit als Energiewende bezeichnet werde, sei „eine reine Stromwende“. Die Zeelink-Leitung transportiere im Vergleich so viel Energie wie drei 380-kV-Leitungen unter Volllast. Bis 2030 werde in Deutschland kein L-Gas mehr zur Verfügung stehen, sodass jetzt sukzessive die Haushalte von L-Gas auf H-Gas umgestellt würden. „In diesem Jahr 300.000, im nächsten Jahr 500.000.“ Bis 2029 würden sechs Millionen Haushalte umgestellt, um dem Endverbraucher Versorgungssicherheit zu geben.

Letztlich sieht Kißing die Zeelink-Trasse als „Brückentechnologie“. Denn technisch sei es möglich, auch Wasserstoff durch die Leitung zu transportieren, der mit regenerativ erzeugter Energie produziert wurde.

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