Übelst beschimpft wurde Imbiss-Chefin Arabella Reinken von einem anonymen Anrufer. Aus diesem Grund möchte sie derzeit nicht mit ihrem Gesicht in den Medien auftauchen. © Berthold Fehmer
Anonyme Anrufe

Anonymer Anrufer beschimpft Imbiss-Chefin als „Scheiß-Ausländerin“

„Scheiß-Ausländerin“, „Nutte“: So hat ein Anrufer Arabella Reinken, Chefin von „Bella‘s Imbiss“ in Schermbeck, wochenlang täglich beschimpft. Bei einem Satz platzte ihr dann der Kragen.

Die Anrufe waren kurz, aber heftig. Ein vermutlich älterer Mann rief Arabella Reinken vor rund zweieinhalb Wochen erstmals im Imbiss an. Anonym – „die Stimme kannte ich nicht“. Der Mann sagte Sätze wie „Wann werden wir dich endlich los?“ „Der Laden hätte jemand besseres verdient.“ Dazu beschimpfte er sie mit „Wörtern unter der Gürtellinie“, die Arabella Reinken nicht wiederholen möchte. „Ich solle aufpassen und zusehen, dass ich Schermbeck verlasse.“

2018 hat Arabella Reinken den Imbiss an der Mittelstraße übernommen. Die Corona-Zeit sei auch für sie schwierig gewesen, sagt sie. „Wir versuchen, uns auf die Beine zu stellen.“ Gefehlt habe ihr auch der persönliche Kontakt, gibt die 47-Jährige zu, die ihren Kunden, die teilweise alt und krank sind, das Essen auch schon mal nach Hause bringt.

„Ich wollte niemanden belasten“

„Ich habe viel Geduld“, sagt sie selbst über sich, und nur so ist wohl zu erklären, dass sie die täglichen Anrufe des älteren Mannes zu unterschiedlichen Zeiten erduldete, ohne jemandem davon zu erzählen. Selbst ihrem Mann nicht, der Polizist ist. „Ich wollte niemanden belasten“, sagt sie. Und über den Anrufer: „Ich habe ihn als frustrierten Menschen abgetan.“

Ein anonymer Anrufer beschimpfte wochenlang die Schermbecker Imbiss-Chefin. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Jeden Tag rief der anonyme Täter ab da an, der akzentfreies Hochdeutsch spricht. Immer etwa für 10 Sekunden. Mit einem Redeschwall, der immer lauter und aggressiver wurde. Arabella Reinken kam gar nicht dazwischen und sagt: „Manchmal waren Gäste da. Da werde ich hier nicht rumschreien.“ Nur einmal habe der Mann relativ ruhig gesagt, „dass der Laden in deutsche Hände müsse. Ich habe ihm gesagt, dass ich Deutsche bin: Schoko-Deutsche. Da hat er aufgelegt.“

„Wir müssten zur Sklavenzeit zurückkehren“

Am Donnerstag (17. Juni) habe der Mann dann aber gesagt, „wir müssten zur Sklavenzeit zurückkehren, damit wir unsere Herren wieder kennen“, sagt Arabella Reinken. „Das war für mich der Punkt, wo ich den Papp aufhatte.“ Sie erzählte ihrem Mann von den Anrufen. „Er war etwas wütend, dass ich das für mich behalten habe“.

Auch auf Facebook machte sich Arabella Reinken Luft und schilderte den Fall. Dafür erhielt sie viele aufmunternde Kommentare, und viele Schermbecker seien in den Laden gekommen, um sie zu unterstützen. Auf Facebook wurden auch Tipps gegeben: etwa die Telefonnummer zu blockieren, keine anonymen Anrufe mehr anzunehmen oder mit einer Trillerpfeife ins Telefon zu pfeifen.

„Auf keinen Fall auf Social Media posten“

Was davon macht aber Sinn? Wie sollten sich Menschen verhalten, die sich bedroht fühlen? Polizeisprecher Daniel Freitag rät: „Wenn man bedroht wird, sollte man das keinen Fall auf Social Media posten, sondern sich vertrauensvoll an die Polizei wenden.“ Denn: Ein Täter könne womöglich durch den Post provoziert werden. „Dann kann es schnell in den Bereich von Straftaten umschlagen.“

Wichtig sei, dass die Polizei direkt beim ersten Anruf, der ersten SMS oder dem ersten Brief kontaktiert werde, damit diese die Lage beurteilen und reagieren könne. Im schlimmsten Fall schicke man sofort ein Einsatzfahrzeug. „Im Zweifelsfall leiten wir immer ein Ermittlungsverfahren ein“, sagt Freitag. Letztlich müssten aber Richter und Staatsanwälte entscheiden, ob es sich um eine „Bedrohung im klassischen Sinne handelt“.

Und was ist von der „Notwehr“ mit Trillerpfeife am Telefon zu halten? „Wenn der andere dadurch einen Hörschaden kriegt, ist man im Bereich der Körperverletzung“, warnt Freitag. Wer tatsächlich körperlich angegangen werde, solle aber lautstark auf sich aufmerksam machen und so Hilfe holen.

„Es gibt keinen Weg an der Polizei vorbei“

Bei anonymen Anrufen auf ihrem Handy gehe sie nicht ran, sagt Arabella Reinken. „Im Laden muss ich rangehen.“ Das Sperren von Nummern sei sowohl im Festnetz, als auch im Router und am Handy möglich, so Freitag, der aber betont: „Es gibt keinen Weg an der Polizei vorbei.“ Entweder solle man sich bei der Wache in Hünxe oder direkt unter 110 melden.

Arabella Reinken sagt hingegen, die Polizei werde erst aktiv, wenn wirklich was passiere. Sie wisse auch von vielen Menschen mit Migrationshintergrund, dass diese vor der Polizei zurückschreckten. Gerade die, bei denen die Sprachbarriere hinzu komme. Die 47-Jährige sagt, sie würde sich eine Anlaufstelle neben der Polizei für Menschen wünschen, die in einer Situation wie ihrer steckten. Dazu sagt Freitag, es gebe auch bei der Organisation „WEISSER RING“ Ansprechpartner.

Bürgermeister wurde bedroht

Bürgermeister Mike Rexforth war vor einigen Jahren während der Flüchtlingskrise ebenfalls Opfer anonymer Drohanrufe. In Arabella Reinkens Lage kann er sich deshalb gut hineinfühlen. Er habe damals eine Fangschaltung initiieren lassen, sagt er, die letztlich auch zur Ermittlung des Täters führte. Das koste aber einen dreistelligen Euro-Betrag, sagt hingegen Arabella Reinken, den man selbst zahlen müsse. „Das ist ein teurer Spaß.“

Sie sei allerdings gewillt, sich zu wehren, sagt sie, ohne Details zu nennen. Seit ihrem Facebook-Post hat der anonyme Anrufer allerdings erst einmal von ihr abgelassen und sie nicht weiter belästigt. Wichtig ist Arabella Reinken, dass andere in ihrer Situation „sich Hilfe suchen. Bei Familie, Freunden, Nachbarn“.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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