Der Vennweg, wolfssicher eingezäunt: Mit dieser Animation will die Arbeitsgruppe Wolf vom Gahlener Bürgerforum darauf aufmerksam machen, wie sich die Landschaft verändern würde, wenn auch Pferde und Rinder wolfssicher eingezäunt würden. © Gahlener Bürgerforum
Wolfsgebiet Schermbeck

Anfrage zu wolfssicherer Einzäunung: „Wie in Guantanamo“

Wolfssichere Zäune verlangen Wolfsbefürworter von Nutztierhaltern. „Wie in Guantanamo“ könnte die Landschaft im Wolfsgebiet dann bald aussehen, glaubt Jürgen Höchst vom Gahlener Bürgerforum.

An den Kreis Wesel als Untere Landschaftsbehörde hat die Arbeitsgemeinschaft Wolf des Bürgerforums die „Anfrage Schutz vor Wölfen“ gestellt. „Anscheinend sollen jetzt auch die Grundstückseigentümer und Pächter, die im Schermbecker Wolfsgebiet Pferde und/oder Rinder halten, auf ihren Flächen wolfsabweisend zäunen – zumindest nach Auffassung von gewissen Natur- und Tierschutzverbänden bzw. deren Vertretern“, so Jürgen Höchst, Bernhard Steinmann und Margot Drinkmann.

Ponys, Großpferdfohlen oder Kälber passten in das Beuteschema von Wölfen, da „es sich um den Rat von Experten handelt, nehmen wir die Empfehlung von flächendeckenden, wolfsabweisenden Zäunen sehr ernst“. Ganz so ernst, das bestätigt Jürgen Höchst, ist aber der nachfolgende Vorschlag für ein „Pilotprojekt“ nicht gemeint.

Dieses Gebiet wird in der Anfrage des Bürgerforums als „Pilotgebiet” für wolfsabweisende Einzäunung ausgewiesen. © Georg Beck © Georg Beck

Man wolle Teile des Gahlener Dorfvenns einzäunen, so die drei Fragesteller: 20,5 Kilometer Zaun, 1,80 Meter hoch, womit etwa 142 Hektar Weidefläche gesichert würden. Mit einer Animation vom Vennweg, wie eine solche Umzäunung aussehen könne, wird deutlich, wie das bei einer Umsetzung dann aussehen würde. Höchst: „Wie in Guantanamo.“

Viele Probleme statt einfacher Umsetzung

Höchst will nicht ausschließen, dass solche Zäune irgendwann tatsächlich kommen könnten – konkret geplant sei ein solches Vorhaben aber derzeit nicht. Dem Bürgerforum geht es um etwas anderes: nämlich die viele Probleme aufzuzeigen, die mit einer scheinbar einfachen Forderung nach wolfsabweisenden Zäunen auftauchen.

Das Bürgerforum fragt, ob für 1,80-Meter-Zäune etwa eine Baugenehmigung notwendig sei. Oder ob im Landschaftsschutzgebiet abweichende Vorgaben zu beachten seien: „Wir denken da vor allem an die massiven Einschränkungen in der Biotopvernetzung und auch an das Verbot von wilddichten Festzäunen.“ Dürfen Eigentümer auch auf den Wiesen Ställe bauen, um Tiere nachts dort unterzubringen? Werden die Maßnahmen im Rahmen der Wolfsprävention bezuschusst? Oder gibt es anderweitige Förderprogramme wie „Unser Zuhause soll sicherer werden“?

Ernster Kern

Hinter der augenzwinkernden Art der Anfrage steckt laut Höchst auch ein ernster Kern: Wenn solche Zäune für größere Nutztiere tatsächlich zur Pflicht würden, solle es anders laufen als bei den Schafen. „Erst hieß es 90 Zentimeter, dann 1,20 Meter, dann mit Strom, dann ohne Übersprunghilfen …“, so Höchst über die Kette an immer weitergehenden Vorschriften. Nutztierhalter fragten bereits jetzt beim Bürgerforum nach, was sie nun tun sollten – eine Antwort könne man ihnen aber nicht geben. Höchst plädiert dafür, dass die verantwortlichen Stellen sich im Vorfeld grundlegende Gedanken zum Thema machen sollten.

Über den Autor
Redaktion Dorsten
Berthold Fehmer (Jahrgang 1974) stammt aus Kirchhellen (damals noch ohne Bottrop) und wohnt in Dorsten. Seit 2009 ist der dreifache Familienvater Redakteur in der Lokalredaktion Dorsten und dort vor allem mit Themen beschäftigt, die Schermbeck, Raesfeld und Erle bewegen.
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Berthold Fehmer

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