40 Jahre im Dienst für Menschen mit Behinderung

Eltern- und Freundeskreis

Der „Eltern- und Freundeskreis für Menschen mit und ohne Behinderung“ feierte sein 40-jähriges Bestehen. Ein Blick in die Geschichte zeigte, wie schwer es betroffene Familien früher hatten.

Schermbeck

, 05.08.2019 / Lesedauer: 4 min
40 Jahre im Dienst für Menschen mit Behinderung

Heiner Bartelt, Gaby Baier und Gudula Willing (v.l.) erinnerten während der Jubiläumsfeier an die Arbeit, die sie als Studenten seit Mitte der 1970er-Jahre in Schermbeck mit und für behinderte Menschen leisteten. © Helmut Scheffler

Mit einem Gottesdienst in St. Ludgerus startete am Sonntag (4. August) der „Eltern- und Freundeskreis für Menschen mit und ohne Behinderung“ in Schermbeck e.V.“ die ganztägige Feier seines 40-jährigen Bestehens.

Der gesellige Teil der Feier begann nach dem Gottesdienst mit einem gemütlichen Beisammensein rund um das Pfadfinderheim am Prozessionsweg 8. Die Finanzierung des Festes wurde durch die Unterstützung der Volksbank und der Niederrheinischen Sparkasse RheinLippe möglich. Die Lembecker Metzgerei Bellendorf übernahm das Grillen.

Früher gab es in Schermbeck kaum Unterstützung

In ihrem Grußwort erinnerte die Vorsitzende Gabi Schwarz an die Gründungszeit des Vereins vor vier Jahrzehnten „Wir können uns heute kaum mehr vorstellen, wie schwierig vor 40 Jahren die Situation für Familien war, in denen ein Kind mit Behinderung lebte“, erinnerte Gabi Schwarz an eine Zeit, in der es „keinerlei Unterstützung, keine Frühförderung und pädagogischen Hilfen gab.“

An eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sei nicht zu denken gewesen. „Ganz im Gegenteil“, so Schwarz, „einige unserer älteren Mitglieder erzählten, wie sehr sie unter den Blicken der Mitmenschen litten, wenn sie sich mit ihrem behinderten Kind in die Öffentlichkeit wagten.“

Ein dickes Album voller Fotos mitgebracht

In ihrem Streifzug durch die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des ehemaligen „Elternkreises für behinderte und nicht-behinderte Kinder“ erinnerte Gabi Schwarz an das Engagement von fünf Studenten der Hochschule für Heilpädagogik in Dortmund, die Mitte der 1970er-Jahre Schermbeck als eine typische Ruhrgebiets-Randgemeinde ausgesucht hatten, um Formen der Integration zu entwickeln. Heiner Bartelt, Gaby Baier und Gudula Willing, die damals zur Studentengruppe gehörten, kamen als Gäste zur Jubiläumsfeier. Sie brachten ein dickes Album voller Fotos mit, die an ihre Arbeit in Schermbeck erinnerten.

Als im Rahmen einer Bethelwoche der Evangelischen Kirche Anfang 1979 die Frage gestellt wurde, was Schermbeck eigentlich für behinderte Menschen tue, wurde der Anstoß gegeben, am 8. März 1979 den Elternkreis zu gründen, dem nach fünf Jahren bereits 30 behinderte und nicht behinderte Kinder angehörten.

40 Jahre im Dienst für Menschen mit Behinderung

Ein Jahr nach der Gründung des Elternkreises fand im Oktober 1980 eine Freizeit auf der Insel Baltrum statt. © Repro Scheffler

Von Beginn an wurden von Kirchen, Caritas, Gemeinde und Sportvereinen, Firmen und der Freiwilligen Feuerwehr großzügige Spenden für den Kreis gewährt. Auch viele private Spender erkannten die Bedeutung des Elternkreises. Seit 1986 wird der Elternkreis als eingetragener Verein geführt. Das Finanzamt erkannte die Gemeinnützigkeit an.

Für ein Überraschungsgeschenk sorgten Mitarbeiter und Bewohner des Behindertenwohnheims „Haus Kilian“, dessen Bau durch das besondere Engagement des Elternkreises ermöglicht wurde. Als der Elternkreis 1989 im Saal Overkämping sein zehnjähriges Bestehen feierte, nannte die Gründungsvorsitzende Lore Zelle die Errichtung eines Wohnheimes für Behinderte als vorrangiges Ziel.

„Haus Kilian“ fiert im kommenden Jahr sein 25-jähriges Bestehen

Als das ehemalige Krankenhaus der Gemeinde Schermbeck in ein Altenheim umgewandelt wurde, bot die Katholische Ludgerusgemeinde eine Umwandlung des Schwesternwohnheims in ein Behindertenwohnheim an. 1992 wurden die Planungen konkretisiert. Drei Jahre später wurde das „Haus Kilian“ eröffnet, das im kommenden Jahr sein 25-jährigens Bestehen feiern kann.

Für die musikalische Untermalung der Jubiläumsfeier sorgte am Sonntag die Akkordeonspielerin Marie-Luise Bechmann. Als Dankeschön für die gute Zusammenarbeit überreichte die Crew des „Haus Kilian“ am Sonntag ein Gemälde, das an viele gemeinsame Aktivitäten erinnerte. In einem selbst getexteten Lied dankte die Abordnung des „Haus Kilian“ für „viele Abenteuer, für jeden schönen Tag“, für den „Kegelspaß am Donnerstag“ und für die Realisierung des „Haus Kilian“.

Zusammenarbeit mit dem Motorradclub „Rad ab“

Auf einigen Tischen lagen Fotoalben mit Bildern seit 1979. An der Wand vermittelte eine illustrierte Zeittafel markante Entwicklungsphasen des Elternkreises, der bislang von Lore Zelle, Erika Mahl, Anke Hoyer und Gabi Schwarz geleitet wurde. Auf einigen Bildern fiel eine Motorradgruppe auf, deren Mitglied Hans Overkämping an der Jubiläumsfeier teilnahm. Seit 1984 hat Overkämping mehrmals in Zusammenarbeit mit dem Motorradclub „Rad ab“ Touren mit Motorrädern angeboten, in deren Beiwagen die Kinder des Elternkreises das weite Umfeld Schermbecks kennenlernten.

Am 14. September startet der Eltern- und Freundeskreis in Wesel mit der „River Lady“ zu einer Rheinfahrt. Am 18. Oktober treffen sich die Mitglieder um 18 Uhr bei Overkämping zum Geburtstagsessen. Für November ist ein Theater- oder Kinobesuch geplant. Zur Weihnachtsfeier treffen sich die Mitglieder am 15. Dezember um 15 Uhr im Jugendheim an der Kempkesstege.

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