Spontaner Heiratsantrag und nackte Freundin sorgten für viele Lacher

dzFlorian Ostertag

Stuhlgruppen, Einbahnstraßensystem, Namenlisten: Was ziemlich ungemütlich klingt, wurde am Mittwochabend zum Konzert-Highlight. Wofür Florian Ostertag sorgte - und der Bürgermeister.

Schermbeck

, 08.10.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Marcell Oppenberg, Chef der „Schermbecker Landhelden“, konnte man an den Augen ansehen, dass er unter seiner Maske strahlte: nach langer Zwangspause endlich wieder ein Konzert, ausverkauft, soweit Corona das zuließ, mit viel jüngerem Publikum. Über die Corona-Regeln informierte Oppenberg die Gäste vor Beginn des Konzerts am Mittwochabend im Begegnungszentrum des Schermbecker Rathauses. Dass diese sich überhaupt zum Konzert getraut hatten, kommentierte Oppenberg mit dem Satz: „Sie sind Helden.“

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„Dass wir das in Schermbeck hinbekommen, finde ich großartig“, sagte Bürgermeister Mike Rexforth, der zugab, sich dieses Konzert gewünscht zu haben. Für einen „perfekten Moment“ in seinem Leben habe Florian Ostertag 2010 gesorgt. Damals war Rexforth mit seiner Frau Ann-Christin, mit der er damals noch nicht verheiratet war, beim Haldern Pop Festival gewesen. Doch die Band, die beide eigentlich sehen wollten, habe sich kurz vorher auf ein Schiff begeben, im irrigen Glauben, eine Hafenrundfahrt zu machen: „Die sind bis Holland hochgefahren“, so Rexforth unter dem Gelächter der Besucher.

Spontaner Heiratsantrag

Der Veranstalter habe Philipp Poisel und Florian Ostertag, die eigentlich nur als Gäste auf dem Festival waren, gefragt, ob sie einspringen könnten. Der „perfekte Moment“ sei deren Konzert gewesen, sagte Rexforth, der seiner Frau damals spontan einen Heiratsantrag machte. „Ich war nicht vorbereitet, meine Frau schon gar nicht.“ Rexforth bat Ostertag, eine Gitarre zu signieren, auf der Philipp Poisel bereits unterschrieben hatte.

„Eine sehr überraschende Einleitung“, sagte Ostertag nach dem ersten Stück. Er sei froh, dass die spontane Idee Rexforths gut gegangen sei. Bandkollegen hätten schon mal erlebt, dass ein Mann seiner Lebensgefährtin auf der Bühne einen Heiratsantrag machen wollte. Die nur gesagt habe: „Darüber reden wir später noch einmal.“

Bandmaschine lieferte die Drumbeats

Der Ton und die Atmosphäre für das Konzert waren in diesem Moment bereits gesetzt: persönlich, lustig, entspannt. Mit einem sehr zugewandten, dankbarem Publikum. Schon die ersten Klänge zeigten das Projekt, das der Multiinstrumentalist, der bereits mit Joris oder Lena Meyer-Landruth tourte, mit seinem Album „Flo and the Machine“ verfolgt. Eine große Bandmaschine lieferte dezente Drumbeats, zu denen Ostertag Fingerpicking auf der Westerngitarre spielte und mit sanfter Stimme sang.

Auf die „Notlösung“ Bandmaschine sei er 2010 gekommen, als sein Schlagzeuger einmal nicht mitspielen konnte, so Ostertag. „Irgendwann hatte der einen festen Job.“ Der Bandmaschine widmete Ostertag nun nach zehn Jahren ein Album. Dabei hatte man nie das Gefühl, dass sich Ostertag hinter dem Playback versteckt. Mit Mandoline verließ er auch mal die Bühne und sang ohne Mikrofon. Oder nahm seinen Gesang mehrfach über einen Looper auf und sorgte so für einen Vierklang aus Bandmaschine, Looper, Gitarre und Gesang. Bei der Zugabe gab es für das spontane Duett mit der Schermbeckerin Annika Friedrichs viel Applaus.

Der Multiinstrumentalist hatte aber auch was zu sagen: „I’m not John Wayne“ betitelte er einen Song, mit dem er eine Lanze für unentschlossene Menschen wie sich selbst brach. Auch die schwierige Corona-Zeit für Künstler brachte er zur Sprache.

Nackte Freundin

Für Gelächter sorgte Ostertags Einleitung zum Song „Drifting“. Beim Videodreh in der Schweiz habe er auf dem Rücken mit Gitarre in einem Fluss gelegen und sei dabei von einer Drohne gefilmt worden. Plötzlich habe jemand vom Ufer was mit „Steinen werfen“ gerufen. „Ich dachte, er will mich warnen, weil vielleicht Kinder mit Steinen werfen könnten.“ Tatsächlich drohte der Mann aber, mit Steinen auf die Drohne zu werfen: „Weil seine Freundin gerade nackt am Ufer lag, und er das wohl nicht so toll fand, wenn sie gefilmt würde.“

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