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Zwei Schalke-Legenden feiern am Sonntag ihren 70. Geburtstag

Schalke 04

Das wohl berühmteste Zwillingspaar der Bundesliga feiert Geburtstag – Erwin und Helmut Kremers werden am Sonntag 70 Jahre alt. Eine große Feier wird es jedoch nicht geben.

Gelsenkirchen

, 21.03.2019 / Lesedauer: 4 min
Zwei Schalke-Legenden feiern am Sonntag ihren 70. Geburtstag

Feiern am Sonntag ihren 70. Geburtstag im kleinen Kreis: Helmut (l.) und Erwin Kremers. © dpa

„Ich habe meine Geburtstage nie groß gefeiert. Das wird sich nicht ändern. Aber mein Büro ist geöffnet“, sagt Erwin Kremers im Gespräch mit dieser Zeitung mit einem Schmunzeln. Gemeint ist damit, dass sein Handy an seinem Ehrentag eingeschaltet ist, bei Helmut ebenso.

Es ist sicherlich keine gewagte Prognose, dass die Zwillingsbrüder am Sonntag viel telefonieren werden. Denn ihre Popularität ist auch lange nach dem Ende ihrer Karriere ungebrochen. Als Schalke 04 die beiden früheren Spitzenspieler in diesem Jahr für den 11. April zu der Talkrunde „Ein Abend unter Schalkern“ einlud, waren die Karten ruckzuck vergriffen.

„Pop-Stars“ der Bundesliga

Rückblick: Die Kremers-Zwillinge – 1971 von Kickers Offenbach gekommen – werden auf Schalke schnell zu ganz wichtigen Spielern. Nicht nur auf dem Platz, Erwin als Klasse-Linksaußen, Helmut als technisch extrem versierter Verteidiger, sondern auch außerhalb. Die Schalker Mannschaft zu Beginn der 70er Jahre gilt als eine der besten Teams der Vereinsgeschichte. 1972 gewinnen die Königsblauen mit den Kremers-Zwillingen den DFB-Pokal und verpassen nur knapp den Gewinn der Deutschen Meisterschaft, was die Zwillinge noch bis bis heutigen Tag schmerzt.

Doch als mehrere Schalker Spieler als Konsequenz aus dem Bundesliga-Skandal gesperrt werden, wird der Verein in seiner positiven Entwicklung zurückgeworfen. Helmut Kremers berichtet von einer bedrückende Atmosphäre in der Kabine. Leistungsträger werden gesperrt oder verlassen den Verein. Und die Kremers-Zwillinge?

Wechsel war nie ein Thema

Beide fußballerisch hochbegabt, als Zwillinge ohnehin ein beliebtes Objekt für Presse, Funk und Fernsehen, werden so etwas wie die Schalker „Pop-Stars“, nehmen 1974 sogar eine Platte auf („Das Mädchen meiner Träume“) und bekommen Angebote von anderen Klubs. Aber sie bleiben dem FC Schalke 04 treu. „Ein Wechsel“, erinnert sich Helmut Kremers, „war für uns kein Thema, für uns war es irgendwie selbstverständlich, auf Schalke zu bleiben“.

Eine starken Einfluss nehmende Beraterszene wie heute gab es damals nicht. Dafür war der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft enorm groß. Es entwickelten sich Freundschaften, die bis heute bestehen. Die Kremers-Zwillinge treffen sich immer noch regelmäßig mit Klaus Fischer oder Rüdiger Abramczik. Auch der leider viel zu früh verstorbene Rolf Rüssmann gehörte zu diesem Kreis.

Gern heute Profi geworden

Erwin Kremers musste seine Karriere 1979 wegen einer Knieverletzung beenden, Helmut hörte „auf Schalke“ ein Jahr später auf, mischte später aber noch intensiv in der Vereinspolitik mit, dabei jedoch nicht immer mit einem glücklichen Händchen ausgestattet. So war Helmut Kremers unter anderem nur drei Monate Schalke-Präsident. Seine damals überraschende Wahl hatte er größtenteils dem bis heute legendären Satz zu verdanken: „Zu meiner Zeit habe wir uns vor Spielen gegen Borussia Dortmund gar nicht umgezogen“. Der Saal tobte, Helmut Kremers wurde gewählt.

Heute arbeiten die Zwillinge als Repräsentanten für ihren Klub und sehen sich regelmäßig die Heimspiele an. Natürlich lässt sie der enttäuschende Saisonverlauf des FC Schalke 04 nicht kalt. Müssen die Königsblauen am Ende der Saison gar in die 2. Liga? Daran wollen beide gar nicht erst denken. Erwin Kremers ist fest davon überzeugt, „dass Schalke den Klassenerhalt schaffen wird. Huub Stevens ist in dieser Situation für Schalke genau der richtige Trainer“. Er gibt zu, dass er in der heutigen Zeit gerne Fußball-Profi gewesen wäre. Nicht wegen des Geldes, sondern allein schon wegen der deutlich verbesserten Rahmenbedingungen.

Kritik an den „Ultras“

„Die Stadien in der Bundesliga, die medizinische Betreuung, da hat sich eine Menge zum Positiven entwickelt“, betont Erwin Kremers. Nur bei einem Thema schwillt dem ansonsten völlig zufrieden wirkenden Ex-Nationalspieler der Kamm. „Die Macht der Fans halte ich für bedenklich. Wenn Ultras plötzlich auf dem Spielfeld stehen und Benjamin Stambouli die Kapitänsbinde wegnehmen, das geht für mich zu weit. Auch das Verwenden von Pyrotechnik in den Stadien verurteile ich. Die Gefahren werden zu sehr verharmlost. So etwas hat beim Fußball nichts zu suchen“, schimpft Erwin Kremers und fügt energisch hinzu: „Das können Sie ruhig schreiben!“

Nach seiner aktiven Fußballer-Karriere hat Erwin Kremers seine Liebe zum kleineren Golfball entdeckt. Als Präsident des Schalker Golfkreises, dem unter anderem auch sein Zwillingsbruder Helmut und Torjäger-Legende Klaus Fischer angehören, engagiert er sich für soziale Projekte. „Das steckt eine Menge Arbeit dahinter. Aber ich mache das sehr gern“, erzählt Erwin Kremers von dem regelmäßigen Klinkenputzen bei Gönnern und Sponsoren.

„Sehr viel Glück gehabt“

Mittlerweile hat der Schalker Golfkreis nach seinem zwölften Charity-Cup die Marke von einer Million Euro Spenden übertroffen. „Ich habe in meinem Fußball-Leben sehr viel Glück gehabt und jede Menge Positives erlebt. Deshalb will ich etwas zurückgeben“, schildert Erwin Kremers die Motivation für sein Engagement. Alle Spenden gehen an hilfsbedürftige Menschen in sozialen Einrichtungen in Gelsenkirchen.

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