„Der wahre Quälix“ gibt sein Schalke-Comeback als „Leiter Performance Lizenzspieler“. Schon von 2009 bis März 2011 unter Felix Magath bei den Königsblauen tätig. Laufleistungen ausbaufähig.

von Norbert Neubaum

Gelsenkirchen

, 19.07.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

16 sieglose Liga-Spiele in Serie, in der Rückrunde schlechte Laufleistungen, (zu) viele Langzeitverletzte, Amine Harits nächtlicher Aufenthalt in einer Sisha-Bar nach eigenem dringenden Corona-Appell an die Fans, Rabbi Matondo im BVB-Trikot – es wäre ein Leichtes, all das in einen Kessel voller Buntes zu werfen und eine Mentalitäts-Debatte auf Schalke zu eröffnen. Aber nicht mit Jochen Schneider.

In Statistiken lange vorn

Als Schalke die Verpflichtung von Werner Leuthard (58) als neuem Verantwortlichen für den – zusammengefasst – körperlichen Zustand der S04-Profis bekannt gab, wurde der Sportvorstand gefragt, ob das das Eingeständnis sei, dass die Spieler zu sehr „geschludert“ hätten? Schneider ließ sich darauf nicht ein, verwies auf wichtige Laufstatistiken, in denen Schalke bis in die Anfangsphase der Rückrunde mit vorne gelegen hätte. Die Mannschaft, so Schneider, habe im Gegenteil eine sehr gute Mentalität.

Aber auf den Platz bringen konnte sie diese Mentalität vor allem nach der Corona-Zwangspause nicht mehr. Dass Schalke sich von den Athletik- und Konditionstrainern Bob Schoos und Klaus Luisser trennte, empfanden viele Beobachter als „Bauernopfer“. Denn das Duo war ja auch schon zuständig, als Schalke in der Hinrunde noch zu den laufstärksten Mannschaften gehörte.

Fischer: „Nicht nur Pech“

Schalkes Torjäger-Legende Klaus Fischer mag die Spieler selbst nicht komplett aus der Verlosung nehmen: „Ich kann mir zwar kein Urteil über jeden Einzelfall erlauben, was die muskulären Verletzungen oder auch das Nachlassen der Laufleistung betrifft. Aber generell gilt: Jeder Spieler hat, egal in welcher Profi-Generation, immer auch eine gewisse Eigenverantwortung, sich in Form und seinen Körper fit zu halten. Mir fällt es schwer zu glauben, dass das in der letzten Saison alles nur Pech oder nur Zufall war.“

Auch Schalkes sportliche Leitung glaubte nicht daran – und holte Werner Leuthard zurück zu den Königsblauen. Der ehemalige Oberstleutnant bei den Gebirgsjägern soll als „Leiter Performance Lizenzspieler“ der guten Mentalität wieder Beine machen. Denn die waren anscheinend schwer in der Rückrunde. Schalke lag bei den meisten Spielen die Laufleistung betreffend deutlich im unteren Tabellenbereich, bei der 0:3-Klatsche in Köln (noch vor der Corona-Pause) und dem 0:4 im Revier-Derby (erstes Spiel nach dem Re-Start) lief Schalke so wenig wie keine andere Mannschaft an den entsprechenden Spieltagen.

Reha-Zeiten zu lange

Von den personellen Veränderungen im Athletik-Trainerteam (Andreas Schlumberger soll sich demnächst um die verletzten Spieler kümmern, Quirin Löppert kommt von Borussia Mönchengladbach und unterstützt die Fitness- und Athletikabteilung) verspricht sich Schalke offenbar auch eine Verkürzung der Reha-Zeiten. Die monatelangen Ausfälle zahlreicher Stammspieler – teils wesentlich länger als erwartet – nannte Wagner als einen der Gründe für die miserable Rückrunde.

Leuthard hat die Arbeit schon aufgenommen. Mit Suat Serdar absolviert er Einzeltraining, am 31. Juli lernen ihn dann auch die anderen Spieler kennen. Ein Zuckerschlecken erwartet sie beim „Schleifer“ nicht. Bei der Meisterschaft des VfL Wolfsburg 2009 unter Trainer Felix Magath war Leuthard für die Wolfsburger Allgemeine Zeitung „der wahre Quälix“.

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