Nun also Domenico Tedesco. Wieder wagt ein früherer Schalker Trainer den Schritt ins Ausland. Ob das eine kluge Entscheidung war, lässt sich noch nicht beurteilen.

Gelsenkirchen

, 15.10.2019, 18:21 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf jeden Fall ist sie sehr ambitioniert. Denn Tedesco ist der 19. Trainer in den letzten 19 Jahren, der sein Glück auf dem Schleudersitz bei Spartak Moskau versucht. Die meisten seiner Vorgänger blieben keine zwölf Monate im Amt. Nach fünf Niederlagen in Folge ist Spartak in der russischen Liga auf Platz zwölf abgestürzt. Schon jetzt geht es mit Blick auf den Rest der Spielzeit wohl nur noch um Schadensbegrenzung. Eine undankbare Aufgabe für den Deutsch-Italiener, zumal die fehlenden Kenntnisse der russischen Sprache seine Arbeit auch nicht unbedingt erleichtern. Aber Mühen hat der 34-Jährige ja noch nie gescheut. Er wird sich mit aller Leidenschaft in seine neue Aufgabe hineinknien.



Tedesco ist jedoch längst nicht der erste Schalker Trainer, der sich nach dem Job in Gelsenkirchen für einen Auslandseinsatz entschieden hat. Der (nicht vollständige) Blick auf manchen seiner Vorgänger offenbart, wie schwer eine solche Aufgabe sein kann.


Di Matteo scheitert früh

Ein prominentes Beispiel, das nach seiner Schalker Zeit auch im Ausland scheiterte, ist Roberto Di Matteo. Der Italo-Schweizer versuchte nach seiner missglückten Schalke-Mission sein Glück beim britischen Premier-League-Verein Aston Villa. Doch es blieb bei einem viermonatigen Intermezzo von Juni bis Oktober 2016, dann war Di Matteo auch dort Geschichte. Und seitdem ist er ohne neuen Job.



Auch Schalkes Jahrhunderttrainer Huub Stevens ging nach seiner zweiten Amtszeit auf Schalke den Weg ins Ausland. Als Stevens am 16. Dezember 2012 bei den Königsblauen nach einer Serie siegloser Spiele und dem Absturz auf Platz sieben der Bundesligatabelle beurlaubt worden war, machte er ein paar Monate Pause und übernahm zur Saison 2013/14 den Posten als Cheftrainer beim griechischen Erstligisten PAOK Saloniki.

19 Punkte Rückstand

Schneller als erwartet kam es zum Wiedersehen mit Schalke 04. Denn am 14. August 2013 wurde Metalist Charkiw aufgrund einer Verwicklung in einen Manipulationsskandal aus dem Jahr 2008 von der Einspruchskammer der UEFA von allen europäischen Wettbewerben 2013/14 ausgeschlossen. Die UEFA entschied daraufhin, dass PAOK Saloniki anstelle von Metalist Charkiw in den Play-offs antreten dürfe. Somit traf am 21. August 2013 Huub Stevens in der Veltins-Arena wieder auf seinen „alten“ Klub Schalke 04. Das Spiel endete mit einem 1:1. Das Rückspiel gewann Schalke in Saloniki mit 3:2 und zog damit in die Gruppenphase der Champions League 2013/14 ein.



Am 2. März 2014 wurde Stevens in Saloniki freigestellt. Grund war, dass der Abstand des Tabellenzweiten zum Ersten Olympiakos Piräus mit 19 Punkten zu groß geworden war, um noch Meister zu werden.




Jörg Berger ist fassungslos

Auch Jörg Berger hatte nach seinem Aus beim FC Schalke 04 im Jahr 1996 bei seiner nächsten Trainerstation im Ausland kein Glück. 1997 begann er seine Arbeit beim Schweizer Nationalligisten FC Basel, wo er jedoch schon im Oktober die Koffer packen musste. Nach dem 1:2 bei Aufsteiger und Schlusslicht Etoile Carouge, der sechsten Niederlage in Folge, war Berger nicht mehr zu halten.

„Mir ist es nicht gelungen, eine Mannschaft zu formen“, räumte Berger damals eigene Fehler selbstkritisch ein, monierte allerdings auch die „desolate Einstellung“ der Spieler: „In meiner 27-jährigen Karriere habe ich bisher immer erreicht, dass sich die Spieler wie Profis benehmen. Hier ist das nicht möglich gewesen.“



Bei insgesamt zehn Pleiten holte Ex-Meister Basel damals in den bisherigen 14 Saisonspielen unter der Regie Bergers, dessen Vertrag noch bis 1999 lief, mit jeweils nur zwei Siegen und Unentschieden gerade einmal acht Punkte.



Erfolge in Straßburg


Als Jürgen Sundermann 1983 zögerte, das neue Schalker Vertragsangebot zu unterschreiben, wurde es Präsident Dr. Hans-Jürgen Fenne zu bunt. Er verkündete, dass die Zusammenarbeit zwischen Verein und Trainer beendet sei. Sundermann packte seine sieben Sachen und hatte bei seinem Wechsel zu Racing Straßburg mehr Erfolge vorzuweisen, wo er von 1983 bis 1985 arbeitete und die Mannschaft in seinen ersten beiden Trainerjahren dort sportlich stabilisierte.


Als Diethelm Ferner nach seiner ersten Schalker Amtszeit im Sommer 1986 gehen musste, weil ihm angeblich laut Präsident Fenne das nötige „Charisma“ fehlte, entschloss er sich zum Wechsel nach Griechenland. Doch bei Iraklis Saloniki war nach nur wenigen Monaten Schluss und über Alemannia Aachen kehrte Ferner zum FC Schalke 04 zurück.



Fazit: Nur wenige Trainer fanden nach ihrer Entlassung auf Schalke danach im Ausland ihr sportliches Glück. Doch Domenico Tedesco wird alles daransetzen, um zu beweisen, dass es auch anders geht.

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