Oliver Baumann gehört aktuell zu den erfahrensten Torhütern in der Bundesliga. Über 300 Partien hat er für Freiburg und Hoffenheim absolviert. Im Interview gibt er Alexander Nübel einen Rat.

Gelsenkirchen

, 17.10.2019, 18:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie sind jetzt seit neun Jahren in der Bundesliga aktiv, haben aber nur für zwei Vereine gespielt. Das ist selten.

Vielleicht liegt das einfach an den beiden Vereinen (grinst). Beim SC Freiburg bin ich groß geworden. Dort habe ich jeden Tag viel gelernt und mich zu einem Bundesliga-Torhüter entwickelt. Dann habe ich den nächsten Schritt in meiner Karriere gemacht. Von außen gab es da schon einige Bedenken, zumal es damals in Hoffenheim ein bisschen wild zuging, als ich mich zum Wechsel entschlossen habe. Aber mir wurde eine klare Perspektive aufgezeigt, die sich genau so bewahrheitet hat. Ich habe diese Entscheidung also nie bereut und fühle mich hier sehr wohl.

Wie sehr hat Sie die Freiburger Schule um Trainer Christian Streich geprägt?

Er ist für mich natürlich ein entscheidender Faktor gewesen in meiner Entwicklung. Christian Streich verfügt über enorm viele positive Eigenschaften: Er hat mir auf und außerhalb des Fußballplatzes unheimlich viel mit auf den Weg gegeben, was mir sehr geholfen hat.



Wie hat sich in den letzten neun Jahren Bundesliga das Torwartspiel verändert?

Ich finde, gar nicht so viel. Dass der Torhüter mehr mitspielen muss, das wurde schon zu meiner Anfangszeit als Profi erwartet. Und das kam mir entgegen: Ich habe zwar seit der D-Jugend im Tor gespielt, aber wenn Not am Mann war, auch gern im Feld.

Was halten Sie von Schalke-Schlussmann Alexander Nübel?

Ich kenne ihn nicht persönlich. Wir haben bisher nur einmal nach einem Spiel kurz miteinander gesprochen, da hat er auf mich einen sehr sympathischen Eindruck gemacht.

Und sportlich?

Er ist zweifellos ein guter Torwart mit viel Potenzial.


Kann Nübel auch beim FC Bayern bestehen?

Ich weiß ja gar nicht, ob an den Diskussionen um einen Vereinswechsel etwas dran ist – bin sowieso zu weit weg, um dieses Thema bewerten zu können. Ich kann nur generell als Torwart sagen: Wenn du gegen einen starken Gegner gut spielst, kannst du auch mit ihm spielen. Ansonsten sollte sich Alex Nübel, wenn ich ihm einen Rat geben darf, nicht in seine Entscheidung reinquatschen lassen, sondern in Ruhe abwägen, was für ihn das Beste ist.

Bei 1899 Hoffenheim ist die Ära von Julian Nagelsmann zuende gegangen. Wie erleben Sie den neuen Trainer Alfred Schreuder?

Genauso wie Julian Nagelsmann legt Alfred Schreuder viel Wert auf taktische Dinge, verfolgt eine klare Philosophie und arbeitet sehr akribisch. Wir haben uns schnell an den neuen Coach gewöhnt, zumal er bereits zuvor hier Co-Trainer war und wir ihn daher bereits kannten. Aber klar, es braucht immer ein bisschen Zeit, bis alles funktioniert. An den Trainingsinhalten hat sich nichts Gravierendes geändert - es sind eher Details, wie bestimmte Dinge vermittelt werden.

Aber in der Mannschaft hat sich einiges getan. Einige Leistungsträger sind gegangen. Muss Hoffenheim in Zukunft kleinere Brötchen backen?

Es stimmt, wir haben wichtige Spieler verloren, aber es steckt dennoch viel Potenzial in der neuen Mannschaft. Aufgrund des Umbruchs haben wir gut daran getan, kein konkretes Saisonziel öffentlich vorzugeben. In meinen Augen wäre das ohnehin ein bisschen unseriös. Wir haben einen neuen Trainer und einige neue Spieler - da braucht es seine gewisse Zeit, bis sich alles einspielt.



In München hat die TSG zuletzt ein Achtungszeichen gezeigt. Wie wichtig war dieser Erfolg?

Zunächst mal war er historisch - es war der erste Hoffenheimer Sieg in München. Fast noch wichtiger war jedoch für mich, dass dieser Erfolg gezeigt hat, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Zuvor hatten wir bis auf die Partie gegen Freiburg auch schon gute Leistungen gezeigt, aber es fehlten die Punkte. Dann besteht die Gefahr, dass Unruhe aufkommt. Wir sind jedoch ruhig geblieben, und das hat sich ausgezahlt. Jetzt wollen wir dranbleiben und an die guten Leistungen anknüpfen.

Jetzt kommt Schalke. Wie schätzen Sie die Mannschaft ein?

In der vergangenen Saison hatten sie Schwierigkeiten. Warum, das vermag ich aus der Ferne nicht zu beurteilen. Jetzt läuft es deutlich besser. Sie haben einen starken Kader mit guten Spielern. Wir wissen, dass uns ein schweres Spiel erwartet.



Was die TSG ohne Ishak Belfodil bestreiten muss. Wie sehr schmerzt dieser Ausfall?

Sehr, weil er unserem Spiel enorm gut tut. Leider wird er jetzt fehlen, das ist vor allem auch bitter für ihn selbst. Aber dafür dürfte demnächst Andrej Kramaric, der bisher verletzt war, wieder zurückkommen. Und nicht zuletzt gegen Bayern hat man gesehen, dass wir auch andere gute Stürmer haben…


Sie haben von der U18 bis U 21 alle Nationalteams durchlaufen. Für die A-Nationalelf hat es bislang nicht gereicht. Haben sie eine Nominierung für die Löw-Auswahl nicht ein bisschen im Hinterkopf?

Sagen wir so: Ich würde mich nicht weigern, wenn ich eine Einladung erhalten würde (lacht). Aber ich bin nicht der Typ, der eine Nominierung über die Medien herbeireden will. Und klar ist die Konkurrenz auch groß. Was ich tun kann, ist, Woche für Woche auf dem Platz gute Leistungen zu bringen. Über alles andere mache ich mir auch gar keinen Kopf.



Letzte Frage: Ihr Vertrag läuft noch bis 2021 in Hoffenheim. Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, wie es weiter geht?

Natürlich ist das ein Thema, mit dem man sich in Zukunft auseinandersetzen muss. Ich bin mit den Verantwortlichen von Hoffenheim ohnehin immer im Austausch, fühle mich hier bekanntermaßen sehr wohl, aber es gibt noch nichts Konkretes. Sicher ist nur: Auch nach 2021 möchte ich noch ein paar Jahre als Profi im Tor stehen (grinst).

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