Wagner nach Schalkes 1:2 in Frankfurt: „Respekt für zweite Halbzeit“

Schalke 04

Schalke wartet in der Bundesliga weiter auf einen Sieg. Königsblaue sind seit 14 Spielen sieglos. „Junge Wilde“ wachen bei der Niederlage in Frankfurt zu spät auf, zeigen aber Moral.

Frankfurt

von Frank Leszinski

, 17.06.2020, 21:17 Uhr / Lesedauer: 3 min
Trost vom gegnerischen Trainer: Adi Hütter (l., Eintracht Frankfurt) muntert Schalkes Coach David Wagner nach dem 14. sieglosen Schalker Bundesliga-Spiel in Folge auf.

Trost vom gegnerischen Trainer: Adi Hütter (l., Eintracht Frankfurt) muntert Schalkes Coach David Wagner nach dem 14. sieglosen Schalker Bundesliga-Spiel in Folge auf. © dpa

Es bleibt dabei: Schalke 04 wartet in der Bundesliga weiter auf einen Sieg. Das 1:2 (0:1) bei Eintracht Frankfurt war die 14. Partie in Folge ohne Sieg und gibt den Königsblauen die Gewissheit, in der kommenden Saison nicht international vertreten zu sein. Die Eintracht, lange unter Schalke platziert, darf nun plötzlich wieder von der Europa League träumen.

Notgedrungen, aber auch aufgrund der guten Eindrücke aus dem Spiel gegen Bayer Leverkusen vertraute Schalkes Trainer David Wagner wieder seinen „jungen Wilden“: Auch A-Junioren-Kapitän Can Bozdogan stand wieder in der Start-Elf, für den gelb-gesperrten Daniel Caligiuri spielte Timo Becker von Beginn an – vom Alter her war der gebürtige Hertener fast schon einer der „Routiniers“ auf Schalker Seite, schließlich ist Becker 23 Jahre alt – bis auf ihn, Alessandro Schöpf und Bastian Oczipka war bei dem Auftritt in der Commerzbank-Arena kein Schalker Feldspieler der Anfangsformation älter als 21 Jahre.

„Bubis“ zunächst ohne Mumm

Aber irgendwie fehlte der Schalker Bubi-Truppe in Frankfurt der Mumm, mit dem sie gegen Leverkusen noch imponiert und einen favorisierten Gegner ordentlich geärgert hatte. Eintracht Frankfurt war von Beginn an drückend überlegen – Schalke hatte hinter den beiden Angreifern Ahmed Kutucu und Nassim Boujellab (Benito Raman und Rabbi Matondo saßen zunächst nur auf der Bank) zwar zwei Vierer-Riegel aufgebaut, aber die Hessen schien das nicht besonders zu beeindrucken.

75 Prozent Ballbesitz für Frankfurt, 8:2 Torschüsse – so lautete eine Statistik nach 30 Spielminuten. Am besten aus Schalker Sicht war bis dahin noch das Ergebnis: Es stand „nur“ 1:0 durch ein Tor von Andre Silva – für den Eintracht-Stürmer war es bereits sein siebter Treffer nach der Corona-Zwangspause. Das Führungstor gegen Schalke fiel ausgerechnet in einer Situation, in der sich die Gäste mal ein wenig aus der Deckung gewagt und sich etwas nach vorne getraut hatten – aber nach einem Ballverlust von Jonjoe Kenny ging dann alles ganz schnell, für Schalke zu schnell. Der Eintracht-Konter saß und war bis dahin der für Schalke noch schmeichelhafte Beleg der Frankfurter Dominanz.

Hoffnung nach McKennies Tor

An der änderte sich auch nach dem Seitenwechsel zunächst nichts – zwar hatte Wagner für Becker, der sich früh verletzt hatte, mit Rabbi Matondo einen Angreifer gebracht, aber auch das schien die Profis von Eintracht Frankfurt kaum zu interessieren. Nach einem Freistoß ließ Boujellab David Abraham enteilen, Frankfurts Verteidiger köpfte ein zum 2:0 (51.). Dem bisherigen Spielverlauf zufolge musste das die Vorentscheidung gewesen sein.

Aber an einem hat sich auch durch die „Geisterspiele“ nichts geändert: Der Fußball gestattet mitunter die seltsamsten und völlig unerwartete Wendungen. Denn Schalke steckte das 0:2 erstaunlich gut weg, kam durch einen tollen Kopfball von Weston McKennie nach einem Freistoß von Alessandro Schöpf in der 59. Minute zum 2:1 – und war, auch weil David Wagner im Mittelfeld taktisch umgestellt hatte, plötzlich im Spiel. Die natürlich wesentlich besser eingespielten Frankfurter verloren ein wenig die Souveränität, Schalke bekam mehr Spielanteile, hatte durch Matondo und Gregoritsch sogar eine dicke Doppel-Chance zum Ausgleich (75.).

Daichi Kamada hätte vorher allerdings für Frankfurt auf 3:1 erhöhen müssen (68.), als Silva in der 81. Minute eine glasklare Torchance vergab, spielte Schalke schon in Unterzahl – der bereits verwarnte Can Bozdogan hatte nach einem Foulspiel in der 80. Minute die Gelb-Rote Karte gesehen.

„14 ist eine eklige Zahl...“

Eintracht-Coach Adi Hütter „tigerte“ trotzdem nervös an der Seitenlinie entlang – Schalke ließ nicht locker, hatte durch Matondo sogar noch eine gute Chance (83.). S04-Kapitän Oczipka bilanzierte: „Nach dem 0:2 wollten wir uns nicht abschlachten lassen. In der ersten Halbzeit waren wir viel zu passiv.“ Fazit: Viel Moral, keine Punkte. Teil 2 dieses Fazits ärgerte natürlich auch David Wagner. Angesprochen auf die 14 Spiele ohne Sieg sagte Schalkes Trainer: „14 ist natürlich eine eklige Zahl. Aber wir wissen ja, warum das so ist. Wie die Jungs in der zweiten Halbzeit aber alles versucht haben, dafür gebührt ihnen Respekt.“

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