Tönnies über Schalke, Schächten und China

Wirtschaftsgespräch in Lüdinghausen

Clemens Tönnies ist milliardenschwerer Unternehmer der Fleischindustrie und zugleich Macher beim FC Schalke 04. Dass er auch ein unterhaltsamer Redner mit klarer Kante ist, wissen seit Mittwochabend die Gäste des Lüdinghauser Wirtschaftsgesprächs. Es gab spannende Einblicke in die innersten Zirkel des Fußball-Bundesligisten.

LÜDINGHAUSEN

, 02.02.2017 / Lesedauer: 4 min

Clemens Tönnies benötigte kein Manuskript, um die rasante Entwicklung des Unternehmens mit wichtigen Kennzahlen sowie die Hochs und Tiefs von Schalke im Schnelldurchlauf zu skizzieren. Hier die von Schalke-Fans bejubelte Spitze gegen den BVB („Zecken“), dort ein persönlicher Rückblick („Mein Spielplatz war die Wursttheke der Eltern“).

Zugleich gewährte der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende spannende Einblicke in die innersten Zirkel eines Fußball-Bundesligisten. Clemens Tönnies erzählte, wie ihm einst ein Spitzenpolitiker half, erste Kontakte mit Gazprom zu knüpfen - seit Jahren Hauptsponsor des Vereins. „Wir müssen Tradition und Moderne im Einklang halten – das haben wir bei Schalke 04 geschafft“, so Clemens Tönnies zu den Entwicklungen im Profifußball.

Popularität der Bundesliga in China

Er stellte Gedankenspiele vor, die Popularität der Bundesliga in China in wirtschaftlichen Erfolg umzumünzen: „Stellen Sie sich vor, jeder Fan zahlt pro Spiel nur 10 Cent, welche Millioneneinnahmen wir generieren könnten.“ Er betonte, wie wichtig aus wirtschaftlicher Sicht der Bau des Stadions war und räumte mit Vorurteilen gegenüber Stars auf: „Je größer sie sind, desto einfacher ist der Umgang mit ihnen.“

„Rivalität zwischen zwei Vereinen ist das Salz in der Suppe. Aber Hass gehört nicht dazu“ sagt Clemens Tönnies zum Revierderby Schalke gegen den BVB.

Riesenmotivation für die Jugend

Obwohl das Stadion noch nicht abgezahlt ist – „voraussichtlich 2018 haben wir das geschafft“ –, will der Verein in den nächsten Jahren rund 80 Millionen Euro in die Infrastruktur investieren. Eine gedankliche Anleihe will er bei englischen Klubs machen. „Hier gibt es eine Mensa für die Profis, Nachwuchskicker und Mitarbeiter. Das gefällt mir sehr gut.“ Tönnies erhofft sich von der Maßnahme eine Riesenmotivation für die Jugend.

Nicht weniger spannend war seine Ausführungen zur Fleischindustrie und zu seinem Lebensweg. Nur ein einziges Mal habe er von seinem Vater Schläge bekommen. „Mit 13 Jahren wollte ich Fernseh- und Rundfunktechniker werden. Da hat mich mein Vater zur Seite genommen.“ Das Ende des Gesprächs habe so ausgesehen, dass er wie sein Vater Metzger werden wollte. Ohne auch nur zu ahnen, was aus dem Familienunternehmen einmal werden würde.

Haltungsbedingungen für Tiere habe sich erheblich verbessert

Mittlerweile verarbeitet die Firmengruppe rund 7 Millionen Schweine im Jahr. Dazu kommen weitere Tiere. Auf Nachfrage erklärte Tönnies, dass er das Schächten ablehnt. Er räumte zugleich ein, dass es in den vergangenen Jahren notwendige Korrekturen in der Branche gegeben habe. Tönnies lobt die Initiative Tierwohl: „Wir haben vielleicht das System überdreht, aber wir sind jetzt auf einem guten Weg.“

Zudem haben sich aus seiner Sicht „die Haltungsbedingungen für die Tiere in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Und wir gehen ordentlich mit den Tieren um.“ Nicht nur deshalb möchte der Unternehmer „auch eine Akzeptanz von der anderen Seite.“ Zum Thema Essgewohnheiten sagt Tönnies: „Wenn mir einer sagt, dass er kein Fleisch ist, sage ich: Tut mir leid.“ Dass sich Clemens für freie Märkte einsetzt, musste der Unternehmer nicht ausführlich begründen. Die Exportquote der international aufgestellten Gruppe liegt bei über 50 Prozent.

Schalke 04 will ein Verein bleiben

Beim munteren Dialog mit den Besuchern des Wirtschaftsgesprächs ging es vornehmlich um Schalke 04. Der Aufsichtsratsvorsitzende lobte die eigene Jugendarbeit („die beste in Deutschland“), erläuterte die Finanzierung des Vereins („Wir haben 800 Business-Partner“) und machte deutlich, dass Schalke 04 im Gegensatz zu anderen Clubs ein Verein bleiben will.

Auf Nachfrage eines Besuchers („Die Amateure leiden unter den Sonntagsspielen“) verteidigte Clemens Tönnies die weitere Aufsplittung der Bundesliga-Spieltage. „Wir werden die Schraube nicht zurückdrehen können.“ Über den erfolgreichen Aufsteiger sagt er: „Leipzig wird nachhaltig oben in der Bundesliga mitspielen.“

Bürgermeister Richard Borgmann berichtet von Rekordergebnissen 

Begonnen hatte das Wirtschaftsgespräch mit einer längeren Begrüßung von Bürgermeister Richard Borgmann. Er berichtete von einem Rekordergebnis bei den Lüdinghauser Gewerbesteuereinnahmen in 2016 von mehr 14 Millionen Euro und von den geplanten städtischen und privaten Investitionen in den nächsten Jahren. Neben einem 30-Zimmer-Hotel in Seppenrade erwähnte er den Umbau der Burg Vischering und auch bereits das Kino. Sein persönliches Fazit lautet: „Nie stand Lüdinghausen so gut wie heute da.“

Zahlen, die auch Tönnies sichtlich beeindruckten. Für einen längeren Austausch mit der Stadtspitze und den Gewerbetreibenden hatte er leider keine Zeit mehr. Mit Verweis auf eine frühen Termin am Folgetag gönnte er sich nur ein Bier – und war weg. Glückauf! 

Lesen Sie jetzt