Thema Ausgliederung: Gesucht wird eine Lösung für die „Schalker Seele“

Schalke 04

Das Thema wird auf die Schalker Vereinsfamilie zukommen, so oder so. Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider weiß um die Sensibilität dieser Frage. Die Mitglieder werden entscheiden.

Gelsenkirchen

von Norbert Neubaum

, 06.07.2020, 07:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider: Beim Thema Ausgliederung wird nach einer Lösung für die „Schalker Seele“ gesucht.

Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider: Beim Thema Ausgliederung wird nach einer Lösung für die „Schalker Seele“ gesucht. © dpa

Die Frage musste ja kommen, ganz klar. Schließlich lenkt sie den Blick schon auf die mittelfristige Zukunft, während sich die Gegenwart auf Schalke einzig und allein auf das Steuern durch die Corona-Krise beschränkt. Wie es denn mit der Ausgliederung der Profi-Abteilung aussehen würde, wurde Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider in den vergangen Tagen häufiger gefragt, auch am Sonntag im „Doppelpass“ auf Sport1, wo Schneider zu Gast war.

Es ist ein sensibles Thema auf Schalke. Der eingetragene Verein, zu dem auch die Profis gehören, ist für viele Mitglieder der Schalker Vereinsfamilie im Prinzip unantastbar. Der am Dienstag zurückgetretene Aufsichtsrats-Chef Clemens Tönnies ist auch deshalb regelmäßig mit grandiosen Mehrheiten von den Mitgliedern ins Schalker Kontrollgremium gewählt worden, weil er sich stets für den e. V. aussprach und eine Ausgliederung kategorisch ausschloss.

e. V. nicht mehr unantastbar?

In den letzten Wochen seiner Amtszeit, erstmals öffentlich nach dem mit 0:4 verlorenen Revier-Derby in Dortmund, vollzog Tönnies dann eine Kehrtwende. Es sei die Aufgabe der Schalker Chefetage, auch über Modelle wie die Ausgliederung nachzudenken. Schließlich hatte Corona die großen Schalker Finanzprobleme offen gelegt. Tönnies galt plötzlich als einer der großen Befürworter einer Ausgliederung - auch das war ein Grund für die Fan-Demonstration rund um die Veltins-Arena am letzten Bundesliga-Spieltag.

Corona kein „Sprungbrett“

Corona, so hatte Schalkes Marketing-Vorstand Alexander Jobst am Mittwoch erklärt, dürfe nicht das „Sprungbrett“ sein, das Schalke nun zur Ausgliederung nutzen wolle - schließlich gab es Skeptiker, die der Meinung waren und sind, Schalke sei mit seinen finanziellen Problemen und Existenzängsten deshalb so sehr in die Offensive gegangen, um Fans und Mitglieder von der Alternativlosigkeit der Ausgliederung zu überzeugen.

Schalke als Genossenschaft?

Jochen Schneider mahnte nun, das Ganze nicht übers Knie zu brechen, aktuell gäbe es ohnehin andere Themen. Und sowieso sei eine Ausgliederung nicht das Allheilmittel, wie Negativ-Beispiele belegen würden - stellvertretend wird hier oft der VfB Stuttgart genannt. Generell gelte es, eine Lösung zu finden, die der „Schalker Seele“ gerecht wird. „Lassen Sie sich überraschen“, riet Schneider der Fragerunde im Doppelpass. Das „Handelsblatt“ beispielsweise hatte für Schalke ein Genossenschafts-Modell ins Gespräch gebracht.

„Grundsätzliche Zukunftsentscheidung“

Eine frontale Lösung mit einem Groß-Investor, der Schalke mit Finanzspritzen vollpumpt, in der Regel aber auch ein Mitsprache- und möglicherweise Entscheidungsrecht für sich beansprucht, wäre der Schalker Vereinsfamilie - wenn es ihn denn überhaupt gibt - gerade aktuell wohl nur schlecht zu verkaufen. Wenn Pläne zur Ausgliederung vorgestellt werden, entscheiden am Ende die Schalker Vereinsmitglieder. „Wir brauchen eine 75-prozentige Zustimmung vom Souverän, unseren Mitgliedern“, weiß Schneider. „Und das ist auch richtig so. Denn es handelt sich ja tatsächlich um eine grundsätzliche Entscheidung die Zukunft des Vereins betreffend.“

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